Die 7 größten Missverständnisse über Blogger vor der Lupe

Die 7 größten Missverständnisse über Blogger vor der Lupe

Blogger werden gerne abfällig belächelt und begegnen noch immer jeder Menge Vorurteilen. Ich würde sogar sagen, Blogger Bashing ist wie auch das Influencer Bashing generell gerade in aller Munde. Die meisten Missverständnisse kommen dabei von Leuten, die sich noch nicht viel mit Blogs auseinandergesetzt haben. Die nur wahrnehmen, dass Blogger sich vermeintlich nur in Schale werfen, in der Öffentlichkeit endlos Selfies schießen, dauernd mit ihrem Handy beschäftigt sind, auf eine Party nach der anderen gehen und dann auch noch ihr komplettes Leben auf ihrem Blog bzw. ihren Social Media Kanälen präsentieren. Leider stehen auch manche Journalisten Bloggern sehr kritisch gegenüber.   

Mir als bloggende PRlerin liegt es am Herzen, hier ein bisschen zur Aufklärung beizutragen. Daher hab ich die sieben größten Missverständnisse über Blogger vor die Lupe genommen: 

 

#1: Blogger leben einen Traum

Das Leben vieler Blogger scheint perfekt, abwechslungsreich und sie bekommen wohl die tollsten Klamotten und Beautyprodukte kostenlos hinterhergeworfen: Das Blogger-Leben muss traumhaft sein! So schaut es zumindest aus, wenn man sich so einige Lifestyle- oder Travel-Blogs anschaut oder durch ihre Instagram-Accounts scrollt. Ich denke man kann durchaus sagen, dass viele Blogger wirklich ein interessantes Leben führen, von irgendwo müssen ja auch die Inhalte für ihren Blog kommen. Sie kommen viel herum, lernen interessante Leute kennen, gehen auf interessante Events, sind gut miteinander vernetzt, bekommen kostenlose Produkte und Goodies zugeschickt. Allerdings darf man nicht vergessen, dass wer seinen Blog ernsthaft und erfolgreich betreibt, auch sehr viel Arbeit damit hat. Das Blogger-Leben ist vielleicht ein Traum, aber einer, der auch gewisse Anstrengungen mit sich bringt. Nicht umsonst müssen sich Blogger manchmal eine Auszeit von der doch sehr fordernden Online-Welt nehmen.

 

#2: Bloggen ist ja so einfach!

Bloggen kann doch jeder, oder?! Was man jedoch meist nicht sieht, ist, wieviel Arbeit und Herzblut Blogger in ihren Blog stecken. Viele Blogger machen das neben einem regulären Job. Für ihren Blog sind sie Blog-Stratege, Rechercheur, Redakteur, Texter, Fotograf, Webdesigner, SEO-Manager, Content-Marketing-Stratege, Account-Manager und Buchhalter in einem. Dazu kommt die Bespielung der Social-Media-Kanäle und die Betreuung ihrer Community. Das macht sich nicht einfach nebenbei, wenn man es gut machen will. Es erfordert auch Know How in vielen verschiedenen Bereichen. Einen eigenen Blog betreiben mit allem drum und dran kann daher wohl nicht jeder. Zwar ist ein einfacher Blog vielleicht in zehn Minuten angelegt, aber dann fängt der Spaß erst an: Man braucht eine Strategie, ein Design, muss sich mit diversen Plugins für Statistik, Sicherheit, Newsletter usw. auseinandersetzen. Viele Blogger arbeiten lange an ihren Texten und Fotos, bis alles so passt, wie sie es sich vorstellen. Was auch nicht vergessen werden darf: Blogger brauchen Durchhaltevermögen und Ausdauer, um langfristig einen qualitativ hochwertigen Blog zu füllen. Schließlich ist ein Blog keine einmalige Aktion, sondern bedarf kontinuierlicher guter Arbeit.

 

#3: Blogger machen alles für Geld

Ein weiterer Irrglaube, auf den man recht häufig stößt, ist, dass Blogger alles für Geld machen. Weil Blogger auch mit Unternehmen kooperieren und sich dafür bezahlen lassen, wird ihnen schon mal unterstellt, dass sie nicht ihre ehrliche Meinung kundtun, sondern sich kaufen lassen. Ich will jetzt nicht die vielen Blogger in Schutz nehmen, die tatsächlich unsauber arbeiten und für Geld alle Angebote annehmen. Ich will aber eine Lanze brechen für die vielen Blogger, die sich über lange Zeit das Vertrauen ihrer Community aufgebaut haben und diese Beziehung niemals mit billiger Werbung zerstören würden. Ernstzunehmende Blogger überlegen es sich sehr gut, ob überhaupt und falls ja, mit welcher Marke sie eine Kooperation eingehen wollen. Wenn Blogger und Marke zusammenpassen, sind die Inhalte einer Kooperation gerade auch für die Follower des Bloggers interessant und so soll es ja sein. Meistens weisen Blogger auch im Rahmen der Werbekennzeichnung darauf hin, dass sie gerade ihre (unkäufliche) Meinung wiedergeben. Wenn man Bloggern längere Zeit folgt, bekommt man auch ein Gefühl dafür, ob das stimmt. Wenn nicht, dann darf man so einem Blogger getrost entflogen – zumindest seh ich das so.

 

#4: Blogger machen Schleichwerbung

Blogger, die sehr viele sponsored Posts veröffentlichen, können tatsächlich mit dem Vorwurf konfrontiert werden, dass auch unbezahlte Beiträge, in denen Produkte Erwähnung finden, als Werbung angesehen werden. Blogger, die verlässlich und sauber eigene, redaktionelle Beiträge von Werbung trennen, sollte man daher nicht mit unfairen Vorwürfen konfrontieren. Mittlerweile werden schon Forderungen laut, auch Eigenankäufe als solche zu kennzeichnen, damit nicht der Verdacht der Schleichwerbung aufkommt. Ich finde diese Entwicklung schade, denn man kann ja auch ehrlich von einem Produkt begeistert sein, ohne Geld dafür zu bekommen. Die schwarzen Schafe unter den Bloggern, die Werbung nicht korrekt oder gar nicht kennzeichnen, haben sicher dazu beigetragen, dass unter Blog-Lesern dieses Misstrauen entstanden ist. Das Problem ist auch, dass es zwar gesetzliche Vorgaben, aber derzeit keine einheitliche Vorgangsweise bei der Kennzeichnung bezahlter Posts gibt. Aber um es nochmals kurz zu machen: Im Normalfall ist ein nicht gekennzeichneter Post keine Werbung. Blogger sollten daher nicht unter Generalverdacht der Schleichwerbung gestellt werden, wenn sie immer sauber kennzeichnen.

 

#5: Blogger sind die schlechteren Journalisten

Ähm, nein! Blogger sind Blogger und Journalisten sind Journalisten. Natürlich gibt’s auch Leute, die beide Jobs in sich vereinen, aber der „normale“ Blogger will gar nicht mit Journalisten in einen Topf geworfen werden. Blogger haben nicht die Vorgabe und den Anspruch, einen Artikel mit allen Aspekten zu recherchieren und eine total objektive Berichterstattung zu machen. Vielmehr gelten Blogs als Meinungsmedien. Ein guter Blogpost hat daher mehr Ähnlichkeit mit einem Zeitungskommentar, als mit einem Zeitungsbericht. Blogger sind viel weniger interessiert an PR-Material als Journalisten, da sie Themen von sich aus generieren. Folglich sind Blogger auch von uns PR-Leuten anders zu behandeln als Journalisten – dazu wird es aber bald einen eigenen Blogpost von mir geben.

Wenn ihr euch für das Thema Blogger vs. Journalisten interessiert, kann ich euch auch den Blog Lousy Pennies sehr ans Herz legen. In ihrem Webmagazin schreiben Karsten Lohmeyer und Stephan Goldmann „über das Geldverdienen mit (gutem) Journalismus im Internet“ und greifen darin auch immer wieder auf, wie manche Journalisten auf Blogger schießen.

 

#6: Blogger heischen nach Aufmerksamkeit

Blogger gelten mitunter auch als geltungssüchtig und selbstverliebt, als Menschen, die ihr ganzes Leben online darstellen. Manch einer hat das Gefühl, dass Blogger alles nur machen, um sich wichtig zu fühlen und um Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Sicher gibt es auch Selbstdarsteller unter den Bloggern. Die meisten Blogger aber bloggen, weil sie etwas mit der Welt teilen möchten, weil es ihnen Spaß macht, oder weil es ihr Business weiterbringt. Eitelkeit alleine wird beim Bloggen nicht viel helfen, denn Bloggen ist – wie gesagt – viel Arbeit. Es heischt also nicht jeder Blogger nach Aufmerksamkeit um der Aufmerksamkeit willen. 

 

#7: Blogger sind oberflächlich

Auch hier möchte ich nicht alle über einen Kamm scheren und gewiss gibt es auch die Blogger, die eher in die Richtung „Modepüppchen“ tendieren. Die meisten Blogger haben aber meinen Respekt verdient. Wer längere Zeit zu einem Thema bloggt, darf zu Recht als Experte gesehen werden, weil er sich intensiv mit einem Thema auseinandersetzt. Die meisten Blogger spezialisieren sich ja ohnehin auf ein Thema, von dem sie viel Ahnung haben. Viele Blogger setzen sich außerdem viel mit Social Media auseinander und sind da meist recht gut informiert und auf dem aktuellsten Stand. Also nur weil sich eine Bloggerin zum Beispiel dem Thema Beauty und Schminken verschrieben hat, muss sie deswegen nicht oberflächlich sein.

Genaueres hinschauen hilft – auch um der eigenen Oberflächlichkeit zu entgehen!

 

Jetzt seid ihr dran: Welche Erfahrungen habt ihr mit Missverständnissen und Vorurteilen über Blogger gesammelt? Teilt ihr meine Erkenntnisse, oder habt ihr vielleicht ganz andere? Ich freu mich über eure Kommentare!

 

Foto: Unsplash.com 

Blogger Vorurteile

 

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13 thoughts on “Die 7 größten Missverständnisse über Blogger vor der Lupe”

  • Danke für diesen interessanten Beitrag. Ich hoffe sehr, dass sich dieses Bashing irgendwann in Luft auflösen wird. Mein Blog ist noch zu klein und ich somit zu unbekannt als dass ich persönlich davon betroffen wäre, aber ich kriege das von der Ungebung mit und finde es nicht. Ur ungerechtfertigt sondern vor allem auch sehr schade. Aber die Leute brauchen ja immer ein neues Ziel, sonst wäre das Leben ja langweilig.
    Glg Karolina
    https://kardiaserena.at

    • Liebe Karolina,

      ich glaube es wird noch eine Weile dauern, bis das Verständnis für die Arbeit von Bloggern und Influencern wirklich auch in der „breiten Bevölkerung“ da ist. Ob das Bashing dann aber aufhört? Wollen wir es hoffen!

      Alles Liebe, Sylvia

  • Liebe Sylvia,

    der Blogbeitrag trifft es auf den Punkt. Bei mir ist seit ein paar Wochen die Luft raus, ich kann aus den oben genannten Gründen gerade nicht so schreiben wie ich will.

    Ich bin unglaublich wütend mittlerweile warum es noch immer nötig ist sich als Bloggerin verteidigen zu müssen. In meinem Fall bin ich auch Journalistin. Seit mehr als 3 Jahren schreibe ich die Dorisworld.at und auch andere Blogs inklusive Fotografie und mehr. Es ist mein Hobby und es macht mir Spaß, dafür mache ich auch viel dafür. Ich bin es mittlerweile leid belächelt zu werden obwohl jeder der sich herablassend über Blogger aufregt lesen lustigerweise die Artikel brav. Ich denke unsere Gesellschaft hat einfach verlernt anzunehmen und zu loben. Stattdessen bekommt man Bewertung und Kritik, vielleicht ist das die Form von Liebe. Ich mag jedenfalls diese Form nicht, sie strengt an.

    • Liebe Doris,

      das tut mir leid, dass du so negative Erfahrungen gemacht hast! Ja, es ist schade und demotiviert, wenn andere einen mit Besserwisserei niedermachen. Letztendlich solltest du schreiben, weil es dir Spaß macht und ich finde du hast auch sehr viel zu geben in deinen Beiträgen. Wer es besser weiß, sollte es auch zeigen, nicht nur kritisieren. Ich mag ja den Spruch „Make Blogs, not war!“ ganz gerne.
      Keep on blogging! Ich denke du hast auch viele Fans, die die Nörgler wieder wettmachen, oder?

      Alles Liebe, Sylvia

      • Ja definitiv. Meine Fans und alles was der Blog die letzten Jahre mit sich brachte ist definitiv viel mehr positives als negatives. Ich bin sehr dankbar dafür <3

  • Da wird natürlich ein etwas breiter Kamm ausgepackt um Blogger im Allgemeinen darüber zu scheren, aber das scheinen schon typische Missverständnisse zu sein. In schlechter Laune würde mir gar noch eine Steigerung einfallen, dass nämlich Blogger doch alle nur Schnorrer sind, die ständig was gratis haben wollen. Was lustigerweise (traurigerweise, zugleich) darauf trifft, dass viele PR-Leute nicht so recht zu wissen scheinen, was sie von Bloggern haben und darum gerne ihrerseits alles gratis hätten…

    Mal sinnvoller(?) betrachtet, gerade auch wenn ich Doris‘ Kommentar lese: Mir scheint es oft am sinnvollsten, wieder dahin zu gehen, warum wohl viele von uns mit dem Bloggen begonnen haben. Um nicht nur im stillen Kämmerlein an etwas zu arbeiten, etwas zu tun, sondern auch andere daran teilhaben zu lassen. Seltsamerweise scheint aber gerade der soziale Aspekt, jedenfalls per Social Media, dahin zu führen, dass man besser nur für sich schreibt und sich mit den sozialen Aspekten weniger abgibt, sonst scheinen wirklich von überall nur die Kritiken auf einen einzustürzen, die den ganzen Spass rauben.

    Ich blogge, wenn, weil und wie es mir gefällt, um hoffentlich auch manchen anderen Eindrücke und Gedanken zu bieten, die sie interessieren. So einmalig bin ich ja wahrscheinlich nicht, dass nicht auch jemand anderes ähnliche Gedanken hat und ähnliche Dinge probiert (und ähnliche Schwierigkeiten hat) wie ich. Wachsen und neues lernen werde ich wohl auch nur, wenn ich weiter mache, nicht wenn ich alles nur auf meinem eigenen PC virtuell verstauben lasse und nie Feedback bekomme.

    Das Feedback für Noch-Nicht-Stars scheint allerdings wirklich grossteils in Missverständnissen und Anschuldigungen zu münden, auch hier gilt „everyone’s a critic“. Interessanterweise v.a. diejenigen, die selbst nichts kreieren und nicht vorankommen. (Das hänge ich mir jetzt auch selbst zur Erinnerung in den virtuellen Spiegel und mache lieber weiter…)

    • Lieber Gerald,

      was den breiten Kamm betrifft: Ich gebe zu, dass mein Text auch etwas verallgemeinert, aber mir ging es darum, die in der „breiten Öffentlichkeit“ beheimateten Vorurteile zu entlarven. Wir, die uns tagtäglich mit Blogs auseinandersetzen, wissen natürlich, dass es unterschiedlichste Blogs mit ganz unterschiedlichen Schlagrichtungen gibt.
      Wenn ich mir die Kommentare der Blogger hier und auf Facebook und Instagram ansehe, scheine ich nicht so ganz falsch zu liegen mit dem Beitrag. Dass jeder nur in seinem stillen Kämmerlein für sich schreibt wäre eine traurige Entwicklung, ein bisschen Kritik muss man aushalten und weitermachen.
      In diesem Sinne: ran an die Tasten! Bist du gerade in China? Ich werde mir gerne deinen Blog durchlesen, gefällt mir!

      Liebe Grüße, Sylvia

  • Schöner und umfangreicher Beitrag.
    Diese Vorurteile halten sich schon sehr lange und werden auch nur sehr langsam aufgebrochen. Die Punkte 3 und 4 werden meiner Meinung nach sogar immer stärker. Vor allem der Einzug der diversen Social-Media Kanäle hat das alles deutlich verschärft.

    • Merci, Jürgen!
      Na bitte, wenn auch du das als Blogheim-Betreiber bestätigst, ist an den Vorurteilen wohl wirklich was dran.
      Liebe Grüße, Sylvia

  • Hallo Sylvia, ich blogge nun seit fünf Jahren und bediene 2 unterschiedliche Seiten. Einen Foodblog mit einem absoluten Nischenthema und einen Lifestyleblog mit Schwerpunkt Travel und 50plus. Wobei 50 puls in Österreich ebenfalls eine Nische ist. Ich persönlich erfahre meist Bewunderung für meine Tätigkeit und die meisten Menschen, denen ich begegne sind eher neugierig, was die Bloggerei anbelangt. Ich denke, das hängt mit der Altersgruppe zusammen. Allerdings hatte ich unlängst ein Erlebnis der besonderen Art, das ich auch am Blog festgehalten habe. Ein Mensch um die 30 hat neben mir behauptet, Blogger würden eh alle schwarz arbeiten und weitere Klischees. Dass ich dieser Zunft anghöre hat er wohl nicht vermutet, denn nach seinem Statement sind Blogger alle unter 25, blond, langbeinig und blöd. Tja………..Liebe Grüße, Claudia

    • Liebe Claudia,

      danke, dass auch du deine Erfahrung mit uns teilst. Ich hab mir eben deinen Beitrag durchgelesen. Schon irre! Da könnte ich ja glatt weitere Missverständnisse in meinen Beitrag aufnehmen. 😉 Interessant, dass du diese Dinge bei einer PR-Veranstaltung gehört hast.

      Liebe Grüße, Sylvia

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