Was Fashion Start-ups von Madame Kukla über Digital Relations lernen können

Was Fashion Start-ups von Madame Kukla über Digital Relations lernen können

Kennt ihr das Modelabel Madame Kukla? Das ist ein Wiener Start-up von Stefanie Kukla, bei dem sich alles um ein einziges Kleidungsstück dreht. Das Besondere daran ist, dass man dieses Wickelkleid-artige Kleidungsstück variabel in unterschiedlichen Varianten tragen kann – vom Kleid zum Rock zum Cape usw. Und: Man kann das Produkt (derzeit) nur Online kaufen. Keine Sorge, ich mach jetzt keine Werbung dafür und habe auch sonst nichts mit dieser Marke zu tun. Aber ich war neugierig und hab mir angeschaut, was wir alle und besonders Fashion Start-ups von Madame Kukla über Digital Relations lernen können.

Das 2015 gegründete Start-up hat es nämlich in einer relativ kurzen Zeit zu einer nicht unbedeutenden Bekanntheit mit seinem innovativen Kleidungskonzept gebracht, die sich sicher auch aus einer sehr guten Kommunikationsstrategie speist. Stefanie Kukla hat beim letzten OTS Connect (PR-Branchentreffen in Wien) im Juni darüber gesprochen, wie sie mit ihrem Unternehmen Digital Relations betreibt, nachzulesen auch am OTS-Blog: Digital Relations: Eine echte Kundenbeziehung lässt sich auch digital aufbauen. Gleich hier auch der Hinweis: Ich hab bewusst nicht bei Madame Kukla angefragt, was sie so machen, sondern hab anhand verschiedener Interviews und Unternehmensporträts einen Abgleich mit der digitalen Präsenz gemacht und geschaut, wie sich die digitale Kommunikation des Unternehmens gestaltet.

 

We hope you are enjoying a great autumn! 🐿 #happy #september

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Lektion 1: Nicht auf klassische PR vergessen

Richtig gelesen: Klassische PR ist noch lang nicht tot und damit fängts auch einmal an. Zumindest diese Erfolgsgeschichte. Viele Start-ups sind scheinbar der Meinung, es spielt sich alles nur noch Online ab, aber das stimmt so auch wieder nicht. Online-Präsenz ist – je nachdem wen man erreichen will – zwar wichtig, aber auch nicht alles. Das Label Madame Kukla beweist, dass Berichterstattung in „klassischen“ Medien wie Printmedien und TV für Start-ups ebenfalls ein Booster zur Steigerung der Bekanntheit sein kann und gut gelingen kann, wenn man für die Medienarbeit geeignete Medien und Formate auswählt.

So hatte das Kukla-Team bereits bald nach der Gründung einen Aufritt in der Puls4-Fernsehshow „2 Minuten, 2 Millionen“, die neben der Gewinnung der beiden Investoren Hans Peter Haselsteiner und Michael Altrichter auch Puls4 als Werbepartner eingebracht hat. Unbezahlbar, dass sich Business Angel Michael Altrichter während der Show in Schale mit dem Kukla-Kleidungsstück geworfen hat. Außerdem wurde Puls4-Moderatorin Johanna Setzer eine Woche lang mit Kuklas ausgestattet.

Dass die Teilnahme an so einer Show große Aufmerksamkeit in einer breiten Öffentlichkeit für eine Marke in einer kurzen Zeit generiert – ob jetzt mit oder ohne erfolgreichen Pitch – versteht sich von selbst. Seit dem Auftritt in der Fernsehshow konnte das Label die große mediale Aufmerksamkeit jedoch weiterhin für sich nutzen und so erscheinen immer wieder Medienberichte in österreichischen Medien, etwa das Porträt Geschnäuzt, gekampelt und gewickelt vom 16.4. in Die Presse. Auch TV-Auftritte gibt es, wie etwa eine kleine Modenschau in Heute Leben auf ORF 2 (Juli 2017). Auf Puls4 wurde später auch eine Erfolgsstory über das Label gedreht.

Warum funktioniert klassische Pressearbeit für Madame Kukla so gut? Weil sie eine spannende Geschichte erzählt, nämlich die Geschichte der Unternehmensgründung. Immerhin hat da eine junge Quereinsteigern in die Modebranche nach langem Herumprobieren und Austesten erfolgreich ein variables Kleidungsstück erfunden, das von seinen Kundinnen – so ist zumindest mein Eindruck – sehr geliebt wird. Ein Teil der Medienberichte dreht sich auch um die erfolgreiche Teilnahme an der Puls4-Show, die ja an sich auch wieder eine „gute Geschichte“ ist. Es geht aber auch auch um regionale Pressearbeit, wovon etwa Artikel im Kärntner Monat, NÖN, Die Niederösterreicherin oder Die Burgenländerin zeugen. Weiters gibt es Medienberichte der Kategorie „Einblick in den Herstellungsprozess“, „Powerfrauen“ und „Stylingvarianten“ sowie „Laufsteg“. Ihr könnt übrigens sämtliche Clippings auf der Madame Kukla Website finden.

 

Lektion 2: Community-Management rocks Social Media

Man muss nicht alle Social Media Kanäle bedienen, aber man muss die zum Unternehmen passenden Kanäle finden und diese ordentlich bespielen. Das Modelabel macht das meiner Meinung nach vorbildlich: Betrieben werden eine Facebook-Seite, ein Instagram-Account und ein kleiner YouTube-Channel. Zwei Dinge fallen mir hier vor allem auf: Zum einen finden die Follower der Kanäle hier immer wieder nützliche Stylingtipps für das Kukla und zum anderen wird die Community hier intensiv betreut, werden Fragen rasch beantwortet und User Generated Content gefördert. Stefanie Kukla hat in ihrem Interview für den OTS-Blog erzählt, dass sie sich sehr um einen digitalen Beziehungsaufbau mit Kundinnen bemühen:

Wir fragen nach, wir bleiben dran, wir gehen auf unsere Kunden ein und wir binden sie mit ein. Außerdem liefern wir immer wieder coole Styles und Storys und kommunizieren auf Augenhöhe mit unseren lieben madamekuklas.

Ich hab mir natürlich die Facebook-Fanpage angeschaut, die derzeit über 4.800 Fans hat, und auch über den Likealyzer gecheckt. Die Seite hat einen hervorragenden Score von im Schnitt zwischen 78 und 84 (von 100 möglichen), das zeigt, dass hier vieles richtig gemacht wird. Die durchschnittliche Modemarke hat im Vergleich dazu einen Score von nur 34. Der Wert kommt zustande durch ein relativ großes Likewachstum von 13 Prozent, eine überdurchschnittliche Engagement-Rate von 25% und einen PTAT von 982, was für viele engagierte Follower spricht.

Das Community-Management dürfte somit sehr gut funktionieren. Gepostet werden fast nur Fotos (92%), weniger Links und Videos, worauf aber die Fans sehr gut reagieren. Auffallend auch die sehr hohe Bewertung von 5 Sternen durch die Fans und die vielen positiven Kommentare. Außerdem findet man eine hohe Anzahl an User Generated Content – sprich begeisterte Kundinnen, die sich mit ihrem neuen Kukla fotografieren und das auf Facebook stellen. 

Stefanie Kukla hat beim OTS-Connect auch darüber gesprochen, dass ihr Produkt von der Begeisterung der Kundinnen lebt, die diese Begeisterung weitertragen. Ein Start-up, das nachhaltig in Österreich produziert, hat außerdem schnell einen Sympathievorschuss. Ziel dieses Community-Managements ist somit eine Kommunikation auf Augenhöhe mit den Kundinnen und nicht von oben herab. Dem Produkt Kukla kommt es aber auch zu Gute, dass es von der Kreativität seiner Trägerinnen lebt, die ihre individuellen Styles kreieren und diese gerne via Social Media teilen. Damit lässt sich natürlich gut in der Social Media Kommunikation arbeiten.

Auf Instagram (@madamekukla) ist das Label mit derzeit knapp 1.500 Likes im Vergleich zu Facebook noch nicht so stark aufgestellt. Hier präsentiert man verschiedene Interpretationen des Kleidungsstücks mit dem Hashtag #madamekukla. Die digitale Kundenkommunikation funktioniert hier auch sehr gut, denn Follower bekommen hier Antworten auf ihre konkreten Fragen zum Produkt.

Auf YouTube (und auf der Website) finden sich Erklärvideos, die flott und unkompliziert die verschiedenen Trageweisen in Kurzvideos vorzeigen. Es gibt übrigens auch ein Watchado-Video (leider nicht auf YouTube), in dem Stefanie Kukla über ihren Job spricht.

 

Thank you, dear @orf – we had such a great time with the whole team ☺️ #newproduct #madamekukla

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Lektion 3: Blogger Relations abseits vom Mainstream 

Das Unternehmen betreibt auch Blogger Relations, was natürlich in dem Fall sehr gut passt. Eine eigene Mitarbeiterin ist für Blogger Relations abgestellt. Mir gefällt, dass mit einigen Bloggerinnen längerfristige Zusammenarbeiten ausgemacht worden sein dürften, statt mit hunderten einmalige Geschichten zu machen. Ich hab jeweils mehrere Beiträge gefunden bei den Fashionbloggerinnen The Cosmopolitas und Mini and me sowie jeweils einen Beitrag bei Les Factory FemmesLittlebee, le bebypop!, Fruity SkyYou rock my life, My Berlin Fashion, Cocoswonderland und the18thdistrict. Inhaltlich drehen sich die Beiträge um verschiedene Varianten, wie man das wandelbare Kleidungsstück tragen kann, unter anderem auch mit Baby. Sogar auf der Plattform musical.ly wurde ein Beitrag von der Userin Melanie eingestellt, die darin ihre Kukla-Stylevarianten präsentiert.

Im März diesen Jahres hat das Label eine Style-Challenge ausgerufen, bei der es darum ging, drei Kreationen als Video oder Foto-Story einzureichen. Natürlich gab es auch etwas zu gewinnen, eine Kukla nach Wahl und die Teilnahme an einem Barbecue-Shooting als Model. Die Vloggerin Lisa von MeineVersion hat als Erste mitgemacht und sogar sieben Tage lang verschiedene Looks kreiert, das ganze in ein Video gepackt und auf YouTube gestellt. Daraus speisen sich übrigens auch die Videos, die auf der offiziellen Website und am Madamekukla-Youtube-Channel zu finden sind.

 

Das Video von Bloggerin Meine Version

 

Was man leider auch nicht alle Tage sieht, was aber eine schöne Variante ist, Blogger Relations zu betreiben, ist die Kooperation mit einem Corporate Blog. In diesem Fall mit dem Vöslauer-Blog #jungbleiben – Der Vöslauer Blog. Für ihren Blogpost hat Fashion-Bloggerin Maria Ratzinger Stefanie Kukla zur Entstehungsgeschichte ihres Labels interviewt.

 

Fazit

Das Team von Madame Kukla macht richtig gute und erfolgreiche Kommunikationsarbeit, kümmert sich um Digital Relations über Social Media Kanäle und Blogger Relations, vergisst darüber aber klassische Pressearbeit nicht. Vielleicht sollte man hier noch den Corporate Blog des Labels erwähnen, den ich als einziges Instrument für ausbaufähig halte. Der Blog wird derzeit hauptsächlich  als Content Hub benutzt, wo alles gesammelt wird, was über das Unternehmen anderswo erscheint. Zusätzlich werden darauf Aktionen und Wettbewerbe bekannt gemacht. Das finde ich okay so, eine klarere Aufbereitung und weitere nützliche Inhalte wären aber vielleicht noch besser. 

 

Foto: Pexels.com 

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