Bei Journalisten nachspioniert – Laila Daneshmandi, Kurier

Bei Journalisten nachspioniert – Laila Daneshmandi, Kurier

Eine Journalistin, die mich regelmäßig mit ihren Kolumnen inspiriert, ist Laila Daneshmandi vom Kurier. Laila ist Ressortleiterin für die Lebensart und die Mein-Sonntag-Beilage und ist online vor allem durch ihren „Bodyblog“ (via Kurier) bekannt. Dort testet sie alles, was dem Körper gut tut und ihn (vermeintlich) schöner macht. Laila hat mich in unserem Interview aus der Serie „Bei Journalisten nachspioniert“ ein bisschen über ihre Schultern schauen lassen und mir verraten, wie PR-Leute bei ihr punkten können.

 

Laila Daneshmandi
Laila Daneshmandi probiert SmoveFASTIC (c) KURIER/Jeff Mangione

Du bist seit dem Herbst beim Kurier Ressortleitern für Lebensart und Mein Sonntag und schreibst außerdem den Bodyblog auf kurier.at bzw. auch jeden Samstag in der Print-Zeitung. Wie war denn dein Weg in den Journalismus und welche Schwerpunkte hast du  jetzt?

Mein Weg war absolut ungeplant und sehr experimentierfreudig. Ich habe neben meinem Studium bei W24 (damals noch die Online-Plattform wienweb.at) als Moderatorin für Web-TV-Beiträge angefangen. Damals waren wir nur ein kleines Team und neben den Moderationen war ich auch als Schreiberin und Fotografin aktiv. Ich habe aktuelle Tagesmeldungen Meldungen für den Kabeltext geschrieben, habe bei Pressekonferenzen fotografiert und bin abends mit einem Kamerateam zu Kultur-Events gefahren, wo ich zB die Scorpions, Georg Danzer oder Michael Mittermeier interviewt habe. Auch beim Start des TV-Senders W24 habe ich noch fleißig mitgeholfen, aber nach meinem Studium wollte ich an neue Ufer aufbrechen und bin beim Zeitungsprojekt von Wolfgang Fellner gelandet, aus dem dann die Zeitung Österreich geworden ist. Dort war ich zunächst Fotografin, bin als Polizeireporterin von Tatort zu Tatort gefahren und habe darüber geschrieben – irgendwann wurde das Schreiben immer mehr und das Fotografieren immer weniger. Dann hat mich auch schon der KURIER abgeworben, wo ich vor zehn Jahren in der Chronik-Redaktion begonnen habe. 2010 habe ich die Blaulicht-Szene hinter mir gelassen und mich den schönen Seiten des Lebens zugewandt, als ich in die Lebensart gewechselt bin. Dort lag mein Schwerpunkt zunächst auf Gesundheit, Psychologie und Liebe, vor fünf Jahren kam die Idee zur Fitnesskolumne. Seit ich die Ressortleitung übernommen habe, komme ich leider immer weniger zum Schreiben und bin vorwiegend mit Themenplanung, Konferenzen und Redigieren beschäftigt. Ich versuche mir aber noch Zeit zum Schreiben der Kolumne abzuzwicken.

 

Welche Themen liegen dir besonders am Herzen und was treibt dich in deiner journalistischen Arbeit an?

Als Journalistin war es mir immer wichtig, die Menschen emotional zu berühren. Zum einen hat man natürlich das oberste Ziel der Information, aber ich wollte meinen Lesern auch immer ein Gefühl für die Situation und den Kontext geben. Deshalb habe ich mich immer besonders für Sozialreportagen interessiert: Ich habe einmal 24 Stunden in einem Pflegeheim als Hilfe gearbeitet oder etwa bei einem Tanzabend für Demenz-Betroffene mit Paaren gesprochen, die versucht haben, alte Erinnerungen aufzuwärmen. Jedes Jahr mache ich noch immer mit der Stiftung Kindertraum eine Weihnachtsreportage, für die ich eine Familie porträtiere, die besonders auf Hilfe angewiesen ist. Das schönste Gefühl für mich ist, jemanden mit einem Artikel so zu berühren, dass er anderen helfen will. Da sind auch schon beachtliche Spendensummen zusammengekommen.

Mein anderes Steckenpferd ist natürlich die Fitness – ich kämpfe selbst immer wieder gegen meinen inneren Schweinehund und weiß wie schwer es ist, ihn zu überwinden. Deshalb habe ich große Freude daran, anderen Gusto darauf zu machen, neue Sportangebote auszuprobieren.

 

Wie sieht dein typischer Arbeitstag als Journalistin aus? Wie oft machst du vor-Ort-Recherchen und Probetrainings?

Seit ich die Ressortleitung übernommen habe, wird der Arbeitstag für Außenstehende immer langweiliger, während er für mich immer stressiger wird, haha. Der Tag beginnt natürlich mit Nachrichtenscreening – was gibt es Neues, was hat sich getan, worüber reden die Leute, was interessiert sie… Dann folgen Konferenzen mit meinem Team, mit den anderen Ressortleitern – parallel dazu werden schon Meldungen für Online, für unsere Nachmittagsausgabe und auch für die Zeitung am nächsten Tag recherchiert und geschrieben, passende Fotos gesucht, Seiten gelayoutet, etc. Ich unterstütze mein Team dabei, wenn es Unsicherheiten gibt, treffe etwa die Bildauswahl, behalte den Überblick, lese Korrektur, plane voraus und gebe unseren Output letztendlich frei.

Wenn ich selbst einen größeren Artikel plane, schaufle ich mir die Zeit für die Recherche vor Ort frei – und die Probetrainings für die Kolumne mache ich natürlich auch immer vor Ort. Davon gibt es ja auch immer Fotos.

 

Laila Daneshmandi
Bodyblog, X-Sanity (c) KURIER

Wie kommst du an Geschichten? Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit mit Presseleuten dabei?

Ganz unterschiedlich, das ist sehr individuell. Manches drängt sich auf, weil es einfach überall Thema ist oder weil absehbar ist, dass es viele Menschen interessieren wird. Manche Themen sind vorhersehbare Evergreens, die alle Jahre wieder kommen, wie etwa die Grippe oder die Fastenzeit. Und über manche Themen stolpert man zufällig oder sie werden eben von Presseleuten angeboten und man springt darauf an. Die Zusammenarbeit mit PR-Leuten kann sehr produktiv sein, allerdings ist das sehr unterschiedlich. Ich kann kaum zählen, wie viele Geschichten-Angebote ich jeden Tag bekomme. Vieles ist interessant, passt aber nicht in unser Portfolio. Manches ist nett gemeint, aber eine Zusammenfassung von dem, was wir selbst schon oft geschrieben haben. Anderes passt rein – wir können das aber natürlich nicht eins zu eins übernehmen. Oft hilft es, ein Thema in einen größeren Kontext zu setzen. Hilfreich ist vor allem natürlich ein aktueller Anlass… das muss aber mehr sein, als ein Sektempfang, den jemand gibt, weil er sein Produkt vorstellen will.

 

Was sollten PR-Leute beachten, wenn Sie dir eine Geschichte schmackhaft machen wollen?

Ich beneide sie nicht um ihren Job – sie müssen natürlich ab und zu nachhaken, ob eine Mail angekommen ist, ob das Thema interessant ist, ob jemand aus der Redaktion zu einem angekündigten Termin kommt. Und Journalisten können manchmal sehr ungehalten sein, wenn an manchen Tagen ständig PR-Vertreter anrufen und nach einer Mail fragen, die sie einem vor Wochen geschickt haben. Es ist oft ein sehr schwieriges Verhältnis. Ich habe gute Erfahrungen mit PR-Leuten gemacht, die sich am Anfang der Zusammenarbeit die Mühe machen und nachfragen, wann/wie oft/in welchen Zeitabständen und welche Themen interessant und sinnvoll sind. Da kann man sich vorher beschnuppern und bekommt ein besseres Gefühl dafür, wie die Zusammenarbeit am besten funktionieren kann.

Laila Daneshmandi Bungee Basics
Bungee-Basics (c) KURIER/Jürg Christandl

 

Was geht gar nicht? Hast du vielleicht auch schon kuriose Erfahrungen mit PR-Leuten gemacht?

Da gibt es so manche Erfahrung, hahaha. Es geht gar nicht, alle paar Tage anzurufen und nachzufragen, wenn man eh schon sagt, dass man nicht abschätzen kann ob/wann man was darüber macht. Es geht gar nicht, nach einem Termin zu fragen und plötzlich in der Tür zu stehen, obwohl es hieß, dass man keine Zeit hat.

 

Mit dem Bodyblog schreibst du auch einen beliebten Blog. Was sind für dich die größten Unterschiede zwischen dem journalistischen Schreiben und dem Bloggen?

Der Bodyblog ist sehr persönlich aus meinen eigenen Eindrücken und Erfahrungen geschrieben. Da möchte ich den Lesern einen Eindruck verschaffen, wie es mir ergangen ist und ihnen vielleicht ab und zu ein Schmunzeln entlocken. So eine Kolumne ist auch ein journalistisches Genre, aber eben bewusst subjektiv. Das ist natürlich etwas ganz anderes als ein normaler Artikel oder ein Reportage, wo es darum geht, möglichst objektiv zu berichten, ein Thema von mehreren Seiten zu beleuchten und die wichtigsten Fakten zusammenzutragen.

 

Laila Daneshmandi
American Football (c) KURIER/Franz Gruber

Was wünscht du dir für deine Medienprodukte für 2018?

Natürlich viele spannende Berichte und noch mehr Leserinteresse. Bei den Kontakten mit PR-Leuten wäre es schön, wenn die Zusammenarbeit ausgewogener wäre. Manche bieten dauernd dieselben Dinge an (freilich auch auf Druck ihrer Kunden) und anderen muss man hinterherlaufen, weil man ein Foto oder eine Information von ihnen braucht. Schön wäre auch, wenn die Menschen öfter kommentieren bzw. schreiben würden, wenn ihnen etwas gut gefallen hat. Es ist schade, wenn gute Arbeit selbstverständlich genommen wird und kaum passiert einmal ein Fehler oder es geht einem etwas gegen den Strich, lassen manche ihre Wut in einem Mail aus.

 

Liebe Laila, herzlichen Dank für das coole Interview und viel Erfolg für deine neue Aufgabe als Ressortleiterin! 

 

 

 

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