PR Spionin meets: The Travel Blog aka ladyvenom

PR Spionin meets: The Travel Blog aka ladyvenom
Wer sind denn eigentlich „die Blogger“, über die wir immer sprechen, wenn es um Blogger Relations geht? Sollten wir uns nicht intensiver mit ihnen befassen, eingehender als mit Journalisten? Daher starte ich heute eine dritte Interviewreihe mit Bloggern, neben meinen bereits etablierten Interviewreihen mit PR-Leuten und Journalisten. 
 
Ich freu mich ganz besonders, dass Marion Vicenta Payr meine erste Interviewpartnerin unter den Bloggern ist. Ihr kennt sie wahrscheinlich hauptsächlich von ihrem Instagram-Kanal @ladyvenom, den sie bereits seit 2011 sehr erfolgreich führt. Mit knapp 300.000 Followern ist sie auch eine der bekanntesten Instagramerinnen Österreichs. Seit 2017 schreibt die Berufsfotografin auch ihren Reiseblog thetravelblog.at
 
Marion hat Journalismus an der FHWien studiert und verfasst außerdem Beiträge für andere Reisemedien wie den TUI Blog und das Billa Hin & Weg Magazin. Daneben hält sie Workshops zu Themen wie “Influencer Marketing”, “Social Branding” und “Instagram Marketing”, spricht bei Konferenzen und berät Unternehmen zu Social Media und Blogger Relations. Marion kennt also nicht nur die Blogger- bzw. Influencer-Sichtweise, sondern kann auch aus der Auftraggeber-Perspektive erzählen und auch davon wollte ich in unserem Interview mehr wissen.
 
ladyvenom Marion Vicenta Payr
Copyright: ladyvenom | The Travel Blog
 
Marion, du hast dir als @ladyvenom einen Namen als eine der bekanntesten Instagramerinnen des Landes gemacht, bist aber auch international bekannt. Deinen Reiseblog thetravelblog.at hast du vergleichsweise spät ins Leben gerufen. Kannst du uns ein bisschen die Geschichte dazu erzählen, wie du auf Instagram so erfolgreich wurdest?
 
Meine Instagram-Karriere ist ein echter Zufallstreffer gewesen! Als ich mich 2011 auf Instagram angemeldet habe, hatte ich einen “soliden” Job (im Marketing eines Medienunternehmens) und wollte nur die lustigen Filter verwenden. Schnell bin ich aber dem sozialen Charakter des Netzwerks erlegen und habe mich auf der ganzen Welt mit Instagramern ausgetauscht. Zu der Zeit war Instagram ja noch klein und überschaubar – wenn man so aktiv war wie ich, hat man sich schnell kennengelernt. 2012 wurde ich dann von Instagram als Suggested User ausgewählt – das brachte ein enormes Wachstum meines Accounts. Ich wurde 2 Jahre lang auf der Liste geführt und damit immer neuen Nutzern vorgeschlagen, bis ich 2014 etwa 300.000 Follower hatte. Unglaublich! Doch trotzdem war nicht absehbar, dass ich mich damit 2016 selbstständig machen würde.
 

Was hat dich dann dazu bewogen, deinen Blog zu starten und welche Rolle spielt er innerhalb deiner Kanäle?

Mir war schnell klar, dass es zu riskant ist sich auf nur einen Kanal zu verlassen. Vor allem auf einen Kanal, den man selbst nicht steuern kann. Der eigene Blog ist quasi die Arbeitslosenversicherung. 😉 Sollte Instagram meine Reichweite irgendwann zu stark einschränken oder auf andere Arten meinen Arbeitsalltag erschweren, habe ich mit dem Blog etwas Eigenes, Unabhängiges aufgebaut. Im Vergleich zu Instagram ist mein Blog ein Zwerg, aber er wird für meine Kunden zunehmend wichtiger.
 
 
Kann deinen Job als Reisebloggerin bzw. Instagramerin eigentlich jeder machen? Was sind die besonderen Schwierigkeiten und Herausforderungen dabei? 
 
Ich glaube fest daran, dass nicht jeder Reisende auch ein guter Reiseblogger wäre… 🙂 Wobei es auch verschiedene Arten von Reisebloggern gibt. Mein Blog ist insofern anders, als ich eher wenig von meiner Person einfließen lasse – es ist kein Reisetagebuch, sondern tatsächlich eher eine Art Reiseführer. Natürlich mit meinem persönlichen Stempel und meiner Empfehlung.
 
Meine Art zu reisen hat sich durch diesen Job (und ich nenne das bewusst Job) sehr geändert und ist längst nicht so unbeschwert wie es auf den Fotos aussieht. Ich mache keinen Urlaub mehr, sondern ich recherchiere, mache Zeit- und Ablaufpläne, produziere Content, stimme mich mit Kooperationspartnern ab, sitze nach einem ganzen Tag voller Eindrücke am Computer um Bilder zu sichern, zu sichten und zu bearbeiten und Notizen zu schreiben.
 
 
Was macht aus deiner Sicht einen guten Blogger aus?
 
Einen guten Blogger macht vieles aus. Ein Verständnis für seine Zielgruppe, eine authentische Art Geschichten zu erzählen (sei es durch Bilder, Texte oder Videos), ein Pflichtbewusstsein gegenüber seiner Leserschaft, Mut auch mal Nein zu sagen (auch zu verlockenden Angeboten) – wenn sie nicht zu einem passen, Verhandlungsgeschick, aber vor allem auch Kreativität und die nötige Portion Biss. Ich denke, ich bin gar nicht so ein guter Blogger, weil ich diese Art von Biss und Immer-dran-Bleiben nicht so mitbringe. Ich nehme mir auch mal Zeit offline und poste einige Tage nichts auf Instagram. Dabei müsste man eigentlich IMMER ON sein. Dafür ist mir aber mein Privatleben, meine Gesundheit und mein Geisteszustand zu wichtig. 😉
 
 

Das klingt vernünftig! Du nutzt auch die Storytelling-App Steller, die hierzulande noch wenig bekannt ist. Kannst du uns ein bisschen was dazu erzählen?

 
Steller kam 2014 wie gerufen. Die App hat eine Lücke gefüllt, die Instagram (und Facebook) offen gelassen hat. Nämlich die Möglichkeit Bilder und Texte (und auch Videos) zu einer echten Geschichte zusammenzufügen. Und das alles in einer App – ohne viel technischen Aufwand – und mit einer lebendigen Community dahinter.
 
Leider ist diese Community in den letzten Jahren nicht so stark gewachsen, wie ich mir das für Steller gewünscht hätte und ich kann daher nicht einschätzen wohin sich die App entwickeln wird. Das war mit ein Grund für mich, meinen eigenen Blog zu starten um eine Langform für meinen Content zu finden.
 
 

It’s been one month of #Florida already and I just noticed that I haven’t shared one photo of it yet. . It’s not that I wouldn’t love to, but this is our retreat – the one time we really take a step back from our busy daily lives and sort of recollect ourselves and our energies. . We’ve been coming here since over 10 years and it feels like our second home. There’s no pressure to explore or discover new places here – and that’s actually helping us to let go of the content production machine we’re constantly running. . I hope you don’t mind that it was a little quiet here the last weeks, but next week there will be a new destination waiting for us to be discovered! . #travelblogger #offduty . #igersvienna #igersaustria #igersviennaontour #austrianblogger #viennablogger #exploretocreate #createscenery #welcometonature #welivetoexplore #discovernature #createexplore #wekeepmoments #theweekoninstagram #diewocheaufinstagram #visualsofearth #sombrescapes #visualscollective #exploreourearth #fiftyshades_of_nature

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Als Content Creator bist du auch auf digital Storytelling spezialisiert Was macht für dich gutes digital Storytelling aus? Wie gehst du es an?
 
Das ist eine schwierige Frage, weil es für mich meist eher intuitiv kommt. Ich plane meine Reisegeschichten nicht im Vorhinein (und wenn ich es tue, dann ändere ich sie nachträglich meist doch noch). Gute Stories müssen einen irgendwie überkommen habe ich das Gefühl. Natürlich klappt das nicht auf jeder Reise (speziell, wenn einem zu wenig Zeit gegeben wird), aber im Idealfall merkt man schon während der Reise worüber man anschließend erzählen möchte.
 
Natürlich gibt es handwerkliche Regeln (und ich habe ja ursprünglich Journalismus studiert), aber ich glaube fest daran, dass man nicht alles über diese Regeln lernen kann und ein Gespür dafür braucht, wie gute Geschichten funktionieren. Wo steigen Leute aus beim Lesen? Wie hält man sie bei der Stange? Wie baut man einen Spannungsbogen? Das sind Fragen, die man sich stellen sollte.
 
 

Du erstellst aber nicht nur deinen eigenen Content, sondern kooperierst auch mit Unternehmen und gibst dein Wissen zu Influencer Marketing unter anderem bei Workshops weiter. Was sind für dich entscheidende Faktoren für gute Kooperationen?

 
Die Basis für eine gute Kooperation ist Vertrauen. Dazu müssen Unternehmen lernen, sich auf Influencer einzulassen und zu akzeptieren, dass diese genau wissen, was ihre Zielgruppe interessiert. Ich halte deswegen auch nichts von automatisiertem Influencer Marketing oder Einkauf von Influencer-Leistungen über Datenbanken. Für Vertrauen braucht es eine persönliche Beziehung zu dem Influencer.
 
Das führt mich gleich zu nächsten Punkt: Influencer Marketing sollte in Zukunft weniger aktionistisch werden. Die Entwicklung in Richtung nachhaltiger, langfristiger Zusammenarbeit zeichnet sich aber bereits ab.
 
 

Kannst du uns ein Best Practice aus deiner eigenen Geschichte nennen?

 
Mit ŠKODA verbindet mich jetzt schon eine längere Partnerschaft. ŠKODA wollte neue Zielgruppen erschließen und daher nicht mehr nur mit Autojournalisten und -bloggern zusammenarbeiten. So entstand letztes Jahr die #madeforaustria Instagram-Kampagne, die ein so großer Erfolg war, dass wir dieses Jahr mit #StartTheArrow ein noch größeres Projekt angehen konnten. Gemeinsam mit 7 anderen Instagramern habe ich einen Foto Contest ins Leben gerufen, bei dem der Gewinner mit uns nach Alaska fliegen wird. Im September ist es soweit und ich bin schon sehr gespannt, wer gewinnen wird! 

 

 

Wie wählst du aus den an dich gestellten Anfragen Kooperationspartner aus und welche Art von Anfragen lehnst du sofort ab?

 
Ich wähle sehr bewusst nur Partner aus, die ein Verständnis für meine Kanäle und die Bedürfnisse meiner Zielgruppe mitbringen – und deren Unternehmen oder Produkte auch zu mir passen. Ich lehne daher alles ab, was sich nicht im Rahmen einer authentischen Reisegeschichte erzählen lässt.
 
Ein Beispiel: Wenn ein Autohersteller möchte, dass ich sein Auto auf einem Rennkurs teste und dann einen Testbericht darüber verfasse – lehne ich ab. Wenn ein Autohersteller möchte, dass ich mit meinem Auto durch Wien fahre und dabei lustige Challenges absolviere – lehne ich ab. Wenn aber nun derselbe Autohersteller mich nach Lappland einlädt um dort bei einem Icedrive teilzunehmen und nebenbei auch mit dem Auto das Land erkunden kann – dann kann ich zusagen. Denn so kann ich das Produkt im Rahmen einer Reisegeschichte vorstellen, die meine Leser auch interessiert.
 
Daher ist es besser Unternehmen stecken nicht zu viel Arbeit in die Kreation einer Kampagne, bevor der Influencer in diese eingebunden wird. So könnte man sich viel Aufwand ersparen. Deswegen plädiere ich immer für Co-Kreation mit Influencern.
 
 
Welche Ratschläge möchtest du PR-Leuten an die Hand geben, wenn sie mit „Influencern“ kooperieren? Was wären aus deiner Sicht die wichtigsten drei, vier Punkte, auf die sie Acht geben sollen?
 
1. Weniger auf die Zahlen achten und mehr auf inhaltliche Qualität und Zielgruppenfit. Ich weiß wie verlockend es ist in einem Reporting am Schluss eine große Zahl stehen zu haben. Aber ich weiß auch, dass erfolgreiche Influencer Kampagnen davon leben, dass der Inhalt gut ist und an die richtigen Leute ausgespielt wird. Besser 1.000 wirklich am Produkt interessierte Leser, als 100.000, die eigentlich nur an Spiegelselfies interessiert sind.
 
2. Nicht alles hinter verschlossenen Türen entscheiden und die Influencer erst zur Beauftragung kontaktieren. Es gilt Influencer Relations aufzubauen und mit diesen gemeinsam Projekte ins Leben zu rufen.
 
3. Langfristig denken. Welche Influencer passen wirklich zu meinem Unternehmen und wie kann ich diese länger an mich binden. Das bildet die Basis für authentische Kommunikation und echte Erfolge.
 
4. Influencer bezahlen. Gerade in der PR-Branche sehe ich oft, dass Influencer wie Journalisten behandelt werden. Dabei gibt es so viele Unterschiede. Der wesentlichste ist, dass Influencer nicht von einem Auftraggeber bezahlt werden um Content zu produzieren – sie sind ihre eigenen Auftraggeber. Daher müssen sie auch ihre eigene Anzeigenabteilung sein und Preise für ihre Inhalte aufrufen.
 
 

Wohin entwickelt sich deiner Meinung nach Influencer Marketing generell? Und was hältst du eigentlich von dem Begriff „Influencer“?

 
Es gibt einen ganz wesentlichen Trend: Der zur Professionalisierung. Es gibt (endlich) eine lebhafte Debatte über inhaltliche Qualität, passende KPIs, Kreativität – jenseits von Followerzahlen und anderem Nonsense.
 
Der Begriff selbst wird (leider) nicht mehr weggehen, obwohl viele Influencer diesen vehement ablehnen. Ich selbst nenne mich auch eher Fotografin als Influencerin.
 
 

Social Media in 2 Jahren: Wohin geht die Reise?

 
2 Jahre sind in Social Media-Welten eine Ewigkeit. Da können neue Netzwerke entstehen, die alten den Rang ablaufen. Da können sich alte Netzwerke neu erfinden und wieder aufleben. Andere können sich völlig auflösen. Wer hier glaubt Prognosen abgeben zu können, muss mutig sein. 😉
 
Mein Gefühl für die nächsten Monate (und das jetzt nur auf Österreich bezogen): Instagram wird weiter an Macht gewinnen, Snapchat an Relevanz verlieren. Facebook wird mit neuen Funktionen wie Watch und Marketplace weiter das wichtigste Netzwerk in Österreich bleiben. Und die ganz Jungen erwischen wir auch weiterhin am ehesten bei Youtube.
 
Und dann gibt’s da noch Virtual & Augmented Reality und all das, was in der weiteren Folge damit passieren wird – es bleibt also spannend!
 

Sailing the Atlantic Ocean between Morocco and #Lanzarote. . This trip on a sailing boat with captain Manuel started with strong winds and then turned into a casual ride in the sunshine. We talked about both our heritages in Argentina, whale watching and life on an island. Unfortunately we didn’t see any dolphins and whales – that’s what Tenerife is for. . There’s still probably no better way to just zone out for a moment than on a boat (although there is cellphone reception out there 😉). #sailingaway . . . #diewocheaufinstagram #igersvienna #Igersviennaontour #huntgramaustria #igersaustria #austrianblogger #viennablogger #thetravelblogAT #lanzarote #making🇪🇸postcards #spain #canaryislands #canarias #islascanarias #latituddevida

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Die Abschlussfrage: Welche Reisen stehen dieses Jahr noch bei dir an und worauf freust du dich besonders?

 
Für mich geht es Anfang September nach Aruba (Südamerika), darauf bin ich sehr gespannt. Und nur kurz später steht dann die Alaska-Reise für ŠKODA vor der Tür. Ich hoffe wir sehen Wale und Bären – das wäre ein unglaubliches Erlebnis und ein krönender Abschluss für die tolle Kampagne. Aber vor allem freue ich mich darauf, dass uns ein Gewinner – einer unserer Instagram-Follower – begleiten wird. So wird aus einem Usernamen plötzlich ein Gesicht, eine Stimme, vielleicht sogar ein Freund!

 

Vielen Dank für diese Insights, Marion!  Ich bin schon gespannt auf deine nächsten Reisen, ganz besonders auf die Alaska-Reise! 
 
 
 

Noch mehr Interessantes von Marion Vicenta Payr:

 
Bis zum 30.8. habt ihr noch die Chance, an Marions Alaska-Reise-Gewinnspiel teilzunehmen, weitere Infos unter #startthearrow: Win a trip to Alaska with me!
 
Ihr habt Interesse daran, einen Social Media Workshop von Marion zu besuchen? Dann werdet ihr unter Social Media Workshops by Lady Venom fündig!
 
Marion schreibt auch immer wieder fundiert über Influencer Marketing, für deren Weiterentwicklung sie sich sehr einsetzt:

 

Jetzt seid ihr dran: Wie gefällt euch die neue Interview-Serie? Von welchen Bloggern wollt ihr noch mehr erfahren? Wen soll ich unbedingt interviewen? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen.

 
 

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2 thoughts on “PR Spionin meets: The Travel Blog aka ladyvenom”

  • „Wen soll ich unbedingt interviewen? “

    Mich! Das wäre mal ziemlich was anderes… und jetzt schreibe ich ja endlich auch auf Deutsch. Und bin ständig mehr auf YouTube unterwegs. Und weiss noch immer nicht so recht, warum eigentlich das Ganze . Oder doch.:-p

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