11 Fragen, die du dir vor dem Start deines Podcasts stellen solltest

Gastbeitrag von Katrin Gildner – Podcasts werden immer beliebter, kein Wunder, immerhin kann man mit kaum einem anderen Medium seinem Publikum so nahe sein, wie mit Podcasts. Wenn du auch schon einmal darüber nachgedacht hast, einen Podcast zu starten, dann solltest du dir vorab ein paar Dinge überlegen. Welche das sind, verrät uns Podcasterin Katrin Gildner. Katrin hat bereits längere Podcast Erfahrung durch ihre Podcasts Heul nicht mach doch und Erzähl davon


Hast du dich bereits vom Podcast-Fieber anstecken lassen? Bevor du dir ein Mikrofon schnappst und loslegst, solltest du dir ein paar Fragen stellen. 

 

#1: Warum möchte ich diesen Podcast machen?

Es lohnt sich immer, vor dem Start einen Schritt zurück zu treten und sich Gedanken über das Warum zu machen. Ist es dir ein inneres Bedürfnis, in deinem Podcast über ein bestimmtes Thema zu sprechen (Passion Project) oder verfolgst du ein konkretes Ziel, zum Beispiel deine Expertise für dein Thema zu zeigen oder neue Kundinnen zu gewinnen?

Diese Klarheit über dein Warum und deine Ziele helfen dir sowohl kurzfristig für die Kommunikation beim Launch, als auch langfristig, weil sie dich motivieren.

Im Idealfall schreibst du deine Ziele auf und überprüfst regelmäßig, ob du auf dem richtigen Weg bist.

 

#2: Worüber möchte ich sprechen?

Das (Ober-)Thema für deinen Podcast weißt du sicher schon. Wenn du ein Hundetrainer bist, willst du über Hundehaltung und -erziehung sprechen. Als Ernährungsberaterin willst du über Ernährungsmythen aufklären.

Diese Themen sind jedoch viel zu breit. Um gute Podcastfolgen zu erstellen, musst du interessante Unterthemen finden.

Eine gute Methode dafür ist die Mindmap. Schreibe dein Oberthema in die Mitte und entwickle daraus Kategorien und konkrete Episodenthemen. Dein Ziel sollte sein, dass du relativ einfach 30 oder gar 50 verschiedene Themenideen in deine Mindmap schreibst.

Bei einem wöchentlichen Podcast hättest du damit das erste Jahr quasi abgedeckt!

In diesem Schritt kannst du auch überlegen, ob du verschiedene Podcast-Formate entwickeln willst. Bleiben wir beim Beispiel des Hundetrainers: er könnte Solofolgen aufnehmen, aber auch mit seinen Kundinnen und Kunden über ihre Erfolge sprechen (Case Study) oder eine Expertin (z.B. Tierärztin) zu einer bestimmten Frage interviewen.

Mindmap Podcast

 

#3: Was macht meinen Podcast hörenswert?

Wie auch bei anderen Content-Kanälen musst du für dich Klarheit in Bezug auf deine Ziele, deine Zielgruppe, deine Inhalte und dein Alleinstellungsmerkmal schaffen.

Niemand will einen Podcast hören, der allen und jedem gefallen will. Sei ganz ehrlich zu dir selbst: Warum sollte jemand deinen Podcast anhören? Was ist daran toll, was besonders?

Wenn es bereits andere Podcasts zu deinem Oberthema gibt, solltest du dir die Frage stellen, wie du dich von diesen abhebst. Im Idealfall erstellst du ein Konzept, das sich wie eine rote Linie durch alle Bereiche deines Podcasts schlängelt.

 

#4: Wie verpacke ich meinen Podcast nach außen?

Egal, wie toll deine Inhalte sind – bevor irgendjemand sie hört, muss diese Person sich dafür entschieden haben, die Folge anzuklicken und herunterzuladen. Es ist also absolut essentiell, dass du dir Gedanken um eine attraktive Verpackung und Präsentation machst.

Du hast verschiedene Optionen für die Präsentation deines Podcasts:

  • Titelbild (quadratisch, prägnant gestaltet)
  • Titel
  • Beschreibungstext
  • Kategorie(n)

Wenn du dich in deiner Lieblings-Podcast-App umschaust, wird dir auffallen, dass viele Titelbilder ähnlich gestaltet sind: Ein Foto der Person sorgt für mehr Wiedererkennungswert, der Titel in großer Schriftgröße ist auch auf kleinen Geräten gut lesbar und die Gestaltung passt zur restlichen Corporate Identity der Person.

Bei den Texten lohnt es sich, sich ein wenig Zeit zu nehmen, um ansprechende Texte mit passenden Keywords zusammenzustellen.

 

#5: Sollte ich selber hosten oder einen externen Hoster nutzen?

Für das externe Hosten gibt es Podcast-Hoster, z.B. podcaster.de und Podigee in Deutschland oder Libsyn in den USA. Du bezahlst monatlich nach Minuten oder für den Speicherplatz der neuen Dateien.

Aber: manche von euch haben bestimmt auch eine Website. Wenn man dafür eh schon bezahlt und WordPress nutzt, ist auch selber hosten möglich, z.B. mit Podlove PluginVorteil: keine zusätzlichen Kosten, unabhängig von weiterem Dienstleister

Aber aufpassen: Es kann sein, dass das in eurem Webhostingvertrag untersagt wird. Also vorher nachlesen!

 

#6: Erscheint mein Podcast in Staffeln oder als stetige Veröffentlichung?

Die meisten Podcasts erscheinen regelmäßig (wöchentlich). Wenn dir das zu viel erscheint oder du dich nicht verpflichten willst, regelmäßig zu publizieren, kannst du auch mit Staffeln arbeiten.

Eine Staffel könnte etwa immer aus zehn Folgen bestehen. Nach ein paar Wochen oder Monaten Pause geht es dann mit der nächsten Staffel weiter. Idealerweise steht eine Staffel unter einem thematischen Bogen. So machst du dir sogar die inhaltliche Planung einfacher!

 

#7: Nehme ich meinen Podcast solo oder mit Gästen auf?

Solofolgen sind selbstverständlich einfacher zu planen und zu produzieren, können aber auch langweilig werden.

Unterhaltsame oder lehrreiche Interviews mit relevanten Gästen können eine echte Bereicherung für deinen Podcast darstellen. Man braucht jedoch ein wenig Fingerspitzengefühl, um das Gespräch gut zu führen. Darüber hinaus erfordern Interviews mehr Planung und können (wenn sie remote aufgenommen werden) für eine schlechtere Tonqualität sorgen.

 

#8: In welcher Situation möchte ich aufnehmen?

Diese Frage ist entscheidend für die Auswahl eines Mikrofons und anderer Anschaffungen.

Drei Beispiele:

  1. Nimmst du alleine zuhause oder im Büro auf, reicht ein relativ günstiges Mikrofon, das du per USB an deinen Computer anschließt. Mit zusätzlichem Zubehör wie einem Popschutz kannst du die Qualität verbessern.
  2. Wenn du oft unterwegs bist und mobil (womöglich sogar reportageartig) produzieren möchtest, empfiehlt sich ein Aufnahmegerät. Dieses speichert die Files auf einer SD-Karte und du bist unabhängig vom Computer.
  3. Wenn du mit mehreren Gästen sprichst und eine möglichst gute Qualität anstrebst, empfiehlt sich eine Lösung aus Aufnahmegerät plus Mikros oder Headsets

 

#9: Mit oder ohne Musik?

Viele Podcasts beinhalten Musik in Form eines Intro-Jingles, zum Teil auch als Outro und Trenner. Ein Jingle sorgt für mehr Wiedererkennungswert und kann den Ton des Podcasts prägen. Verschiedene Portale bieten Podcast-Musik per Lizenz an. Wer es ganz individuell haben will, kann sich seinen Jingle selber komponieren lassen.

Es ist jedoch kein Muss – einige erfolgreiche Podcasts kommen ganz ohne Musik aus!

 

#10: Wie viel Wert lege ich auf technische Perfektion?

Diese Frage irritiert dich vielleicht, aber zu deinem Podcast-Konzept gehört auch die Überlegung, wie wichtig es dir ist,

  • dass der Ton klar & professionell ist?
  • dass keine Atem-, Schluck- oder Hustengeräusche hörbar sind?
  • dass der Ton stets perfekt ausgesteuert ist?

Die Frage hat Einfluss darauf, welches Equipment du dir zulegst und wie du deine Aufnahme in der Postproduktion bearbeitest.

Der “DIY”-Charme kann durchaus nett sein. Wer mehr will, muss den Umgang mit der Technik professionell erlernen oder die Bearbeitung outsourcen.

 

#11: Wie verbreite ich meinen Podcast?

Zumindest die Eintragung in iTunes sollte Pflicht für jede Podcasterin und jeden Podcaster sein. Nicht nur Apples eigene Podcast-App, sondern auch zahlreiche andere Apps greifen auf das iTunes-Verzeichnis zurück.

Darüber hinaus musst du jedoch überlegen, wie der Podcast unter die Leute kommt. Promotest du ihn über deine persönlichen oder beruflichen Social-Media-Kanäle? Legst du eigene Kanäle an? Welche MultiplikatorInnen kannst du gewinnen? Denke auch an simple Mittel wie die Verlinkung in der E-Mail-Signatur.

 

Podcast starten

 

 

Und zum Abschluss noch drei Fragen, die du dir nicht stellen solltest:

 

Meine Stimme klingt komisch – bin ich überhaupt für einen Podcast geeignet?

Ich garantiere dir – jede Person findet ihr eigene Stimme erst mal “komisch”, wenn man sie das erste Mal aufgenommen hört. Das ist ganz normal und du wirst dich schnell daran gewöhnen. Wenn du auch nach einer Weile noch unzufrieden bist, kannst du darüber nachdenken, ein Stimmtraining in Anspruch zu nehmen.

Jede Woche starten neue Podcast – muss ich da auch noch mitmischen?

Welche Kanäle du grundsätzlich für dein Projekt oder dein Business verwendest, ist eine individuelle und strategische Entscheidung, die dir an dieser Stelle niemand abnehmen kann. Wenn du jedoch grundsätzlich Lust aufs Podcasten hast, solltest du dich von der vermeintlichen Konkurrenz nicht abschrecken lassen. Im Idealfall hast du ja ein ein tolles Konzept mit Mehrwert und Alleinstellungsmerkmal ausgearbeitet. Wenn nicht, schau dir die dritte Frage nochmal genau an.

Sollte ich dieses Mikro für 200€, oder dieses Aufnahmegerät für 250€ kaufen?

Ob dein Podcast ein Hit oder ein Flop wird, kann von vielen Faktoren bestimmt werden. Die Technik gehört jedoch sicher nicht dazu. Man kann auch mit Einsteigerequipment tolle Resultate erzielen, wenn man sich mit der bestmöglichen Bedienung auseinandersetzt.

Upgraden kannst du später immernoch!

Wie immer gilt: erst ausprobieren, bevor man investiert! Bei deinem ersten Besuch in einer Kletterhalle wirst du vermutlich auch erst (wenn auch widerwillig) in die müffeligen Leih-Schuhe steigen, statt dir sofort alles selber anzuschaffen.

 

Fazit

Einen Podcast zu erstellen ist kein Hexenwerk. Im Gegenteil, mittlerweile kann man etwa mit der App Anchor im Handumdrehen und ohne zusätzliches Equipment mit dem Podcasten loslegen! Es lohnt sich dennoch, wenn du dir Zeit nimmst, die oben stehenden Fragen in Ruhe zu beantworten. Für dein Konzept ergeben sich dadurch hoffentlich die ein oder anderen Erkenntnisse und Geistesblitze.

 

Hörtipp:

Podcast-Folge #machdoch´nen Podcast

 

Über die Autorin

Katrin Gildner

Katrin aka Kato ist Podcasterin und Mentorin für Passion Projects.

Ihr Podcast Heul nicht, mach doch! richtet sich an alle mutigen Macherinnen und Macher, die ihr Passion Project umsetzen und die Welt ein kleines Stücken besser machen wollen.

Ein weiteres Projekt ist erzähl davon, das sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Luisa im Rahmen ihrer Masterarbeit in Medienwissenschaft an der Uni Tübingen entwickelt hat. Vereine, Hochschulgruppen und soziale Initiativen sollen dabei unterstützt werden, ihre Vision erfolgreich zu verwirklichen – durch eine bessere Kommunikation.

 

 

 

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