Blog-Coaching für PR-Leute #1: Warum wir uns jetzt mit Blogs auseinandersetzen sollten

Heute starte ich die neue SERIE “Blog-Coaching für PR-Leute” und steige gleich mit der Frage ein: Warum sind Blogs relevant für uns PR-Menschen und warum sollten wir uns überhaupt mit ihnen beschäftigen? Können wir uns nicht auf Facebook, Twitter und Instagram konzentrieren, wenn wir schon “irgendwas mit Social Media” machen sollen? Definitiv: Nein! Blogs werden mittlerweile von vielen Unternehmen als Teil ihrer PR-Strategie gesehen. Und das zu Recht: Blogs haben sich in den letzten Jahren stark professionalisiert, nicht nur die Corporate Blogs, auch die privaten Blogs. Jeden Tag entstehen neue Blogs, 2016 waren es weltweit mehr als 330 Millionen Blogs allein auf den Blog-Plattformen WordPress und Tumblr.* 

Berührungspunkte zwischen PR-Leuten und Bloggern gibt es viele. Zum einen sind Blogger spannende Kooperationspartner im Sinne der Influencer Relations. Zum anderen werden auch PR-Leute manchmal selbst zu Bloggern, wenn sie eigene Blogs gestalten, Corporate Blogs oder Agenturblogs zum Leben erwecken oder Mitarbeiterblogs betreuen. Dennoch sind Blogs als PR-Instrument und Blogger Relations noch nicht überall in der österreichischen PR-Welt angekommen, so ist zumindest mein Eindruck. Mit meiner neuen SERIE “Blog-Coaching für PR-Leute” will ich daher eine Hilfestellung für euch geben, wenn ihr selbst noch wenig mit Blogs zu tun hattet.

Im ersten Teil der Serie wollen wir uns damit beschäftigen, warum Blogs für uns PR-Leute überhaupt relevant sind, warum wir uns jetzt mit ihnen auseinandersetzen sollten und wie wir sie in unseren PR-Maßnahmenmix aufnehmen können. Ich erspare mir an dieser Stelle die Erklärung, was ein Blog (“der” oder “das” Blog geht übrigens beides) ist und setze dieses Wissen unter uns PR-Leuten jetzt einfach mal voraus. Nur so viel: Typisch für Blogs sind regelmäßige neue Inhalte zu einem spezifischen Thema, die persönliche Sichtweise des Bloggers und oftmals kostenlose Wissensvermittlung, etwa bei Fachblogs.

 

Blogs in Österreich

Wahrscheinlich habt ihr mitbekommen, dass sich die Bloggerszene in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt und professionalisiert hat. Blogger führen nicht mehr einfach ihr Tagebuch als Weblog im Internet weiter, wie das früher der Fall war. Hinter vielen – auch persönlichen – Blogs steht ein konkreter Plan, was damit erreicht werden soll. Damit einher geht auch eine stärkere Kommerzialisierung: Viele private Blogger wollen ihre wertvollen Inhalte zu Recht refinanzieren. Natürlich gibt es auch die schwarzen Schafe, die mit Paid Content nur auf das schnelle Geld aus sind bzw. auf viele kostenlose Produkte und Reisen hoffen. 

In Österreich gibt es dem weltweiten Trend folgend auch einen starken Zuwachs an Blogs, wobei wir qualitativ zu weiten Teilen noch lange nicht da sind, wo amerikanische oder auch deutsche Blogs heute schon stehen. Die Bloggerin Petra Köstinger hat auf ihrem Blog Digitalschmankerl 2015 eine Umfrage unter österreichischen Bloggern gemacht. Demnach sind die heimischen Blogger überwiegend weiblich (62%) und zwischen 18 und 40 Jahre alt. Blogheim.at, eine digitale Plattform für die österreichische Blogosphäre, verzeichnet aktuell rund 1.600 Blogs. Das dürften jedoch längst nicht alle Blogs sein, denn es gibt weiterhin zahlreiche private Blogs, die sich dort nicht registrieren lassen haben. Corporate Blogs finden sich dort ebenfalls selten.

Die bekanntesten österreichischen Blogs wie Mimikama, dariadaria. oder Die Tagespresse sind mittlerweile auch vielen Menschen ein Begriff, die sich wenig mit dem Internet auseinandersetzen. Ich glaube ich bin auch nicht alleine mit meiner Einschätzung, dass Blogs weiterhin an Relevanz zunehmen werden und als Online-Medium nicht mehr wegzudenken sind. Derzeit geht der Trend hin zu Vlogs, das sind Blogger, die über Videos z.B. über YouTube kommunizieren, meist zusätzlich zu einem klassischen Blog. 

 

Bloggen um zu leben?

Kann man vom Bloggen leben? Schwierig, aber ein paar österreichische Blogger können das mittlerweile. International ist sicher Chiara Ferragni mit ihrem Modeblog The Blonde Salad ein Paradebeispiel. Sie hat mit ihrem Blog ein Millionenbusiness aufgezogen, zahlreiche Mitarbeiter beschäftigt und verkauft mittlerweile auch eigene Produkte. Aber davon sind die allermeisten Blogger noch weit entfernt. Auch wenn einige Blogger ausgezogen sind, um sich mit Kooperationen eine goldene Nase zu verdienen, betreiben die meisten Blogger ihren Blog neben einem Brotjob aus Leidenschaft für ein Thema. Und diese Leidenschaft übertragen sie auch auf ihre Fans, womit wir schon beim nächsten Punkt wären: Blogs schaffen Vertrauen durch ihre Authentizität.

 

“Der Blogger ist authentisch, daher vertrau ich ihm”

Blogs sind bei ihren Lesern so beliebt, weil die Leute ihnen vertrauen. Hier finden sie ehrliche, authentische Berichte, persönliche Erfahrungen und Meinungen von Menschen wie du und ich. Gerade die Subjektivität der Blogposts macht diese glaubwürdig und interessant. Blogger, die es gut machen, bauen sich das Vertrauen ihrer Community langfristig auf und fühlen sich auch für ihre Community verantwortlich. Sie schreiben nicht einfach trockene Berichte, sondern erzählen ihre Geschichten über mehrere Kanäle hinweg, schaffen neue Perspektiven und inspirieren. Diese harte Arbeit – denn Bloggen ist harte Arbeit – wird von ihrer Community mit Interaktionen belohnt. Bloggen lebt auch vom Involvieren der Fans, die die Blogposts kommentieren, via Social Media teilen und liken. Blogger wiederum verlinken auf Beiträge anderer Blogger oder nehmen sie in ihre Blogroll auf, wodurch richtige Blog-Netzwerke entstehen. Ein Blog gilt somit auch als Dialoginstrument und fördert die offene Auseinandersetzung über Themen.

 

Auch Corporate Blogs haben Fans

Ähnlich sieht es übrigens mit Corporate Blogs aus, die Corporate Publishing Tool sind. Auch sie werden von ihren Kunden geschätzt, wenn sie authentisch von Mensch zu Mensch und zeitnah informieren und nicht wie eine Werbeplattform für das eigene Unternehmen daherkommen. Sprich, nicht unter jeden Blogpost schreiben: “Und das kannst du auch bei uns kaufen” oder ähnlich. Unternehmen, die einen Corporate Blog betreiben, kommen als persönlicher und ansprechbar daher und geben den Kunden das Gefühl, ernst genommen zu werden und in einen Dialog treten zu wollen. Durch sie können Kunden Produkte besser kennenlernen, Hintergründe zu ihrer Entwicklung erfahren, beim Herstellungsprozess über die Schulter schauen, oder auch Tipps zur Anwendung bekommen.

Blogs eignen sich auch für das Storytelling: Man findet hier keine klassische Produktaufzählung, sondern bekommt anhand der Blogposts Einblicke in die Kompetenzen und den Charakter eines Unternehmens. Ein Blog bietet Kunden auch über die Kommentarfunktion die Möglichkeit, direktes Feedback zu den Produkten zu geben. Dadurch eignen sich Corporate Blogs auch als Tool zur Marktforschung.

Kurz: Es geht hierbei um den Vertrauensaufbau, die Imagestärkung und die Interaktion zwischen Unternehmen und Kunden. Corporate Blogs helfen darüber hinaus dem Vertrieb und sind nicht zuletzt zeitnahes und unkompliziertes Tool für die Krisenkommunikation. Hier kann ich als Unternehmen schnell und unkompliziert eine erste Stellungnahme abgeben und weiter informieren.

Daneben gibt es noch einen weiteren, nicht unwichtigen Faktor: Blogs sorgen durch ihre regelmäßige Aktualisierung mit neuen Blogposts und somit frischen Inhalten langfristig für ein besseres Suchmaschinenranking (Stichwort SEO) und damit für eine bessere Sichtbarkeit des Unternehmens und seiner Produkte im Internet. Google würdigt den ständigen neuen Content. Blogging ist somit auch eine gute Methode, um eine schnelle Sichtbarkeit im Web zu erreichen. Viele Unternehmen haben das bereits erkannt und betreiben auch deswegen einen eigenen Corporate Blog. Manche Unternehmen sind bereits noch einen Schritt weiter und sorgen mittels Mitarbeiterblogs für das Wissensmanagement und den Austausch unter Kollegen.

 

Blogs sind ein wertvolles Medium…

Kennt ihr die Lebensdauer von Facebook-Posts? Es sind 5 Stunden. Bei Twitter sind es gar nur 18 Minuten. Blogposts haben im Social-Media-Kosmos die höchste Lebensdauer, nämlich 2 Jahre! Schon allein deshalb sind Blogs ein wichtiger Bestandteil im Social-Media-Mix. 

Häufig werden Blogger jedoch von Medien wegen ihres geringen journalistischen Stils kritisiert, aber das ist Unsinn, denn Blogger wollen gar keine Journalisten sein (außer die Blogger, die bereits Journalisten sind, und das sind gar nicht so wenige). Blogger ticken anders als Journalisten, worauf ich noch in einem späteren Teil dieser Serie eingehen werde. Während Journalisten neutral und distanziert berichten, brennen Blogger für ihr Thema und sprechen damit auch genau jene Community an, die sich auch für dieses Thema interessiert. Das macht Blogger wiederum zu interessanten Kooperationspartnern für Unternehmen, die dadurch bestimmte Zielgruppensegmente erreichen können, die sie über klassische Medien nicht erreichen. Empfiehlt der Blogger guten Gewissens ein Produkt seiner Community, kann das in Zahlen gemessen weitaus mehr bringen als eine Presseaussendung oder Werbemaßnahme.

Durch einen eigenen Blog kann quasi jeder eigene Inhalte im Internet veröffentlichen und mit anderen Menschen teilen. Blogger konsumieren somit nicht nur Inhalte (anderer Blogger), sondern produzieren auch eigene Inhalte. Man nennt sie in der Fachsprache daher Prosumenten. Damit hat die Blogosphäre, die Gesamtheit aller Blogs, die digitale Medienlandschaft nachhaltig verändert bzw. beeinflusst diese weiterhin stark.

Blogs bieten einen weiteren Vorteil: Sie sind der eigene Kanal des Bloggers bzw. des Unternehmens und zählen damit zu den Owned Media. Das macht unabhängig von anderen Plattformen wie etwa den sozialen Medien. Wer einen Blog betreibt, kann seine Beiträge veröffentlichen, auch wenn es Facebook einmal nicht mehr geben sollte und Twitter doch noch irgendwann mal eingeht. 

 

… bergen aber auch Risiken

Informationen, die im Social Web verbreitet werden, durchlaufen keine Filterung durch den Gatekeeper Journalist. Das ist auf der einen Seite gut, weil Inhalte freier zirkulieren können. Wir sprechen ja auch vom Mitmachweb oder Web 2.0 – alle User können ihre Erfahrungen und Meinungen miteinander teilen. Das Risiko dabei ist klar: Es können auch Falschmeldungen, Verleumdungen oder Hetzkampagnen entstehen und sich daraus Unternehmenskrisen entwickeln. Ein Skandal im Social Web findet dann meist auch schnell den Weg in klassische Medien. 

Auf die “dunkle Seite” des Content Marketing, wozu ja auch Corporate Blogs zählen, macht uns Johannes Vetter, Kommunikationschef des OMV-Konzerns, aufmerksam. Er sagt, “Content Marketing hat uns der Teifl gebracht” und meint damit, dass gesteuerte Informationen ohne Zwischenbewertung durch kritische Journalisten den Unternehmen letztendlich die Glaubwürdigkeit rauben. Lest den Artikel und bildet euch eure eigene Meinung – ich würde sagen, die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Es kommt immer darauf an, wie man an das Content Marketing herangeht, welchen ethischen Guidelines man folgt.

 

Blogs im PR-Maßnahmenmix:

 

PR-Leute bloggen selbst

Wie kommen wir PR-Leute ins Spiel mit den Blogs? Zum einen nutzen wir Blogs als Kanal für unsere Botschaften und werden selbst immer öfter zu Bloggern: Wir sind verantwortlich für Agenturblogs, Corporate Blogs, Mitarbeiterblogs oder unsere eigenen Fachblogs. Daher sollten wir uns gründlich mit Blogs auseinandersetzen und dieses Medium kennen- und beherrschen lernen. 

 

PR-Leute betreiben Blogger Relations

Zum anderen haben wir erkannt, dass Blogger als sogenannte Influencer wichtige Markenbotschafter für Unternehmen sein können und nehmen daher zusehends Blogger in unsere Zielgruppen auf. Wir gestalten Blogger Relations und bewirken damit Empfehlungsmarketing. Das heißt wir bauen idealerweise langfristige Beziehungen zu Bloggern auf, erkennen die Spielregeln der Blogosphäre an und agieren fair und transparent mit ihnen. Blogger Relations gelten mittlerweile als anerkannte Kommunikationsdisziplin und es liegt an uns, diese Beziehungen gut zu gestalten und strategisch gezielt einzusetzen. Zum Thema Transparenz bei Blogger Relations könnt ihr auch hier nachlesen.

 

PR-Leute denken Journalistenbedürfnisse mit ein

Ein weiterer Aspekt spielt eine Rolle: Natürlich suchen auch Journalisten heutzutage im Internet nach Informationen und stoßen dabei mitunter auf Blogbeiträge. Sind diese gut recherchiert und gut aufbereitet, können sie diese als Recherchequelle nutzen. Für uns PR-Leute gilt daher, eigenen teilbaren (Corporate) Blog Content anzubieten, aber auch auf Blogger als Multiplikatoren zu setzen, um auch auf diesem Weg Journalisten zu erreichen. Es kommt immer häufiger vor, dass Medien Themen aus Blogs aufgreifen oder mit Bloggern zusammenarbeiten, ihnen eigene Kolumnen geben usw. Nicht wenige Journalisten betätigen sich selbst als Blogger, so wie etwa die ehemalige Profil-Journalistin Ingrid Brodnig, die auf Brodnigs Blog über Themen rund um die Digitalisierung schreibt.

 

Habt ihr bis hierher gelesen? Super! Dann habt ihr euch den Extra-Grund, warum wir uns mit Blogs auseinandersetzen sollten, selbst erarbeitet: Blogs haben nämlich auch den Vorteil, dass man mit ihnen lange Texte mit hochwertigen Inhalten publizieren kann. Während alle Welt auf Instagram die kurzweiligen Stories anschaut oder durch den Facebook-Feed scrollt, dürfen Blogposts in die Tiefe gehen und wer sich wirklich interessiert, nimmt sich auch die Zeit dafür. Lange Texte sind definitiv noch nicht out – zumindest nicht auf Blogs!

 

Serie: Blog-Coaching für PR-Leute

Wie geht’s weiter mit meiner neuen Blog-Serie “Blog-Coaching für PR-Leute”? Im zweiten Teil meiner Serie, in der ich Blog-Basiswissen für PR-Leute vermitteln will, geht es darum, wie man gute Blogtexte schreibt und was der Unterschied zu PR-Texten ist. 

Ich hoffe dieses Blog-Coaching ist euch von Nutzen. Hinterlasst mir doch einen Kommentar, wie es euch bislang so gefällt und welche Themen ihr noch gerne dabei haben wollt. Diese Aufforderung mein ich ernst: Kommuniziert mit mir! Denn ich bin auch ein Blog und will Interaktion mit euch! 😉

 

*Quelle: c’t wissen Bloggen 2016

Mehr Blogstatistiken hat Sven Lennartz vom Blog Conterest zusammengetragen: Wieviele Blogs gibt es eigentlich?

 

Blog-Coaching für PR-Leute

 

Ähnliche Beiträge

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  • Liebe PR-Spionin,

    vielleicht ist mein Blog-Beitrag “Was ist ein Blog?” eine gute Ergänzung? Dort unternehme ich den Versuch einer Erklärung für “digital immIgrants”.
    ich freu mich schon auf #2 des Blog-Coachings.

    LG Eva