Wie Branding meine Beziehung zu Social Media gerettet hat

GASTBEITRAG VON GROSCHENPHILOSOPHIN BIANCA JANKOVSKA – Social Media ohne Branding ist nur eine halbrunde Geschichte. Das seh nicht nur ich so: Ich hab heute prominente Verstärkung mitgebracht! Autorin, Journalistin und Bloggerin Bianca Jankovska, bekannt auch als groschenphilosophin, erzählt in ihrem Gastbeitrag, was sie in letzter Zeit über Branding und Authentizität auf Social Media gelernt hat. Amuse-toi!


Brand me like one of your French Girls

Kann sich noch jemand an diesen Blogeintrag erinnern, den ich im Dezember gepostet habe? Ich war damals ziemlich unzufrieden mit meinem Social-Media-Verhalten. Vor allem mit meiner Art, Instagram zu nutzen – einer Mischung aus Zwang, Stalking und Sucht, in der ich alle fünf Minuten mein Handy rauskramte um „irgendetwas nachzusehen“. Nachdem ich entschieden hatte, mein Privatleben so gut es geht aus diesem Internet rauszuhalten stellte ich mir die Frage: was möchte ich eigentlich mit meinem Account anstellen, ohne ihn komplett einzustellen?

Umstellen war letztlich die Antwort und große Aufgabe der letzten Monate. Ich habe viele Creative Business Podcasts gehört und mir ganz konkret überlegt: 

  • Wen möchte ich mit meinem Account ansprechen? 
  • Was möchte ich mit meinem Account beruflich erreichen? 
  • Und: wieso sollten mir andere folgen, wenn es doch so viele spannende Menschen da draußen gibt? 

Ich wusste schnell: da geht mehr. Meine Brand groschenphilosophin existiert schließlich nicht erst seit gestern. Allerdings habe ich sie, gelinde gesagt, ziemlich ungünstig genutzt – meist „privat“ nämlich. Der Blog fungierte zwischen 2014 und 2015 als Art Tagebuch mit popkulturellen Referenzen und ab November 2016 als Artikel-Ablage. Von Instagram gar nicht erst anzufangen. 

Ist es das, was ich mit der Welt teilen möchte? Bestimmt nicht. 

 

First things first: die Nische definieren   

Journalistinnen und Journalisten gibt es da draußen genug. Es werden jeden Tag so viele Artikel geschrieben, dass die Menschen gar nicht mehr dazu kommen, sie zu lesen. Was also wollte ich machen? Die Kernbereiche meiner Arbeit herausarbeiten und an ein Publikum tragen, das sich genau für meine Themen interessiert. Außerdem: es gibt mich eben nicht zweimal auf dieser Welt, auch wenn ich kein Patent auf meinen Look habe (noch nicht, haha!).

Ich schreibe über Modern Work Life & Health und wie man die ersten Jahre im 9 to 5 Berufsleben überlebt. Ich schreibe über mein Leben als europäische (und manchmal auch) digitale Nomadin und ich schreibe über Alltagskultur – und das sollte sich auch auf meinem Instagram-Account wiederspiegeln.  

Deshalb möchte ich euch heute fünf Learnings weitergeben, die ich im letzten halben Jahr in Bezug auf Branding und Authenticity gelernt habe. 

 

Bianca Jankovska
Bianca Jankovska

 

Learning #1: Auf meinem Blog und meinem Insta-Account geht es in erster Linie nicht um mich

Auf meinem Account ging es bis Ende letzten Jahres nicht um die Menschen, die mich lesen, sondern um mich. Ich. Ich. Ich. Ich. Ich habe gepostet wie zu Facebooks besten Zeiten, ohne mir eine Story dazu zu überlegen, und von meinen Schuhen bishin zu Partys und Artikeln alles geshared, was man sich vorstellen konnte. Einheitlichkeit? Fehlanzeige. 

Instagram war mein Tagebuch. Nur: welchen Mehrwert bot das für Menschen, die nicht mit mir befreundet waren? Entweder sie konnten einen Einblick in mein Privatleben erhaschen, was mir heilig ist, oder sich mühsam durch einen inkonsistenten Feed aus Selfies, Foodporn und Urlaubsfotos wühlen. 

Mein Insta ist heute Latergram. Immer. Ich poste nie „spontan“ – und wenn, dann nur in meinen Storys. Bevor ich poste, überlege ich: 

  • Was möchte ich erzählen? 
  • Welche Werte transportiere ich dabei wie?
  • Interessiert es jemanden außer mir selbst?
  • Deckt es einen meiner drei Themenbereiche ab? (Wenn nein, dann weg damit. Niemand muss die hundertste Food-Bowl sehen)
  • Passen die Visual Aesthetics? 

Diese Überlegungen bringen mich schon zum zweiten Punkt. 

 

Learning #2: Stimmt die Ästhetik nicht, kennt sich keiner aus 

Ein professioneller Feed ist für mich abwechslungsreich, ästhetisch konsistent und nicht mit Mirror-Selfies überladen, die man im Vorbeigehen bei Karstadt geschossen hat. Außerdem wechseln sich Flat-Shots, Wide-Shots, Portraits und Fluchtpunkte (Straßenfotos, anyone?) ab. 

Wenn ich noch ein bisschen Zeit übrig habe, plane ich meinen Feed mit der Later-App, um zu sehen, welches Foto künftig an welcher Stelle im Feed sitzen soll. So vermeide ich Wiederholungen und Farbkompositionen, die sich beißen.

Faustregel: möchte ich das Farbschema meines Feeds ändern, webe ich die „neue“ Farbe schon mal in die nächsten drei, vier Posts ein, sodass dann kein allzu abrupter Wechsel stattfindet. Beth Kirby erzählt in ihrem Podcast übrigens genau dazu mehr. 

 

Learning #3: Professionalität hilft dabei, eine gesunde Beziehung mit Social-Media zu entwickeln

Ich, Bianca Jankovska, bin nicht mein Account, Groschenphilosophin. Klar, ich erstelle die Inhalte und teile sie, ich bin aber nicht mehr beleidigt, wenn mir jemand entfolgt, weil diese Person in ihrem Leben vielleicht schon „weiter“ ist. Meine Inhalte sind nicht für meine Freunde von früher gedacht, sondern für mein Publikum. 

Jetzt, wo es nicht mehr um mich, sondern um die anderen – euch – geht, fällt es mir leichter, mich von Instagram zu distanzieren, da ich weiß: ich präsentiere hier nur einen ganz kleinen Ausschnitt meiner Persönlichkeit. 

Ich nutze meinen Instagram-Account strategisch, was nicht bedeutet, dass ich mich zu einem kühlen „Sell Out“ entwickle, sondern zu einer Person, die man mit gewissen Inhalten in Verbindung setzt. 

Umso „weiter“ ich mich privat von meinem Account entferne, umso mehr kann ich den Leuten zurückgeben, die da sind, um mich zu lesen. Ich freu mich über jeden und jede einzelne Person, die dazu kommt, hänge aber nicht mehr stundenlang ab um zu gossipen und dadurch in eine gedankliche Abwärtsspirale zu geraten. Denn…

 

Learning #4: Branding hilft, den Fokus zu bewahren 

Wenn ich mal irgendwann wieder betrunken aus einer Bar stolpern sollte und dabei Lust habe, den Abend zusammenzufassen, mache ich das in einer Sprachnachricht an meine beste Freundin auf WhatsApp – nicht auf meinem öffentlichen Instagram-Account, der mein kleines Business repräsentiert. 

Denn dort gilt: Consistency is key. Ja, es mag kleinlich und langweilig wirken. Es hilft aber auch, Alltägliches und Privates dort zu belassen, wo es hingehört und sich auf Instagram weniger auf das Stalken von Privatpersonen oder andere destruktive Verhaltensweisen zu stürzen, und stattdessen etwas zu kreieren, das man selbst gerne gesehen hätte. 

Ansonsten befolge ich die Regel: 10 Minuten pro Tag scrollen. Liken, kommentieren, interagieren. Dann wieder weg damit – und ran an den Schreibtisch. 

 

Learning #5: Your vibe creates your Tribe  

Das, was wir auf Instagram posten, ist das, was wir von uns zeigen und erzählen wollen. Wenn ich ehrlich über die Negativa der Selbstständigkeit spreche, über den Neustart in Berlin oder Erfahrungen mit Hierarchien – dann ziehe ich damit genau die Menschen an, denen ich mit meinen Geschichten helfen kann.

Und das fühlt sich wirklich gut an. Branding hat mir in dem Sinne die Freude an Social Media zurückgegeben, weil ich heute mit klarem Fokus auf meine Inhalte und einer nachhaltigen Strategie an dem arbeite, was ich transportieren möchte und mir so ein Online-Business aufbaue, das nicht nur dadurch getragen wird, dass ich bestimmte Leute in der Branche kenne oder einflussreiche Freunde habe (schön wär’s!). Es trägt sich dadurch, dass ich den Fokus von MIR auf EUCH gedreht habe, ohne meinen Content groß zu verändern. Es sind die Captions, die den Unterschied machen, die andere anregen, mitzudiskutieren. Die Ausschnitte, die ich bewusst gewählt habe, um sie zugänglich zu machen. 

Letztlich funktioniert das, was ich mache, weil es Menschen gibt, die ich erreichen konnte. Die das, was ich schreibe, lesen und im besten Fall lieben und mich bei den kleinen und großen Schritten unterstützen.

 

Bianca Jankovska
Bianca Jankovska, Autorin

 

 

Wie-Branding meine Beziehung zu Social Media gerettet hat

 

 

Titelfoto: Unsplash.com

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