Die dunkle Seite der PR – PR-Praktiken aus der Hölle

Was für ein reißerischer Titel, nicht? Immerhin soll PR ja höheren Zielen folgen, etwa zum Beziehungsaufbau zwischen einer Organisation und ihren Bezugsgruppen beitragen. Ich selbst bin PR-Beraterin aus der Überzeugung heraus, mit guter Kommunikationsarbeit viel Positives bewirken zu können und das für alle in die Kommunikation involvierte Parteien.

Leider gibt es dann aber auch vereinzelt Fälle, die mich an der Ethik mancher PR-Treibender zweifeln lassen. Ganz aktuell hat mich das Dirty Campaigning im österreichischen Nationalrats-Wahlkampf wieder zum Nachdenken gebracht. Konkret geht es um die Causa Silberstein und damit zusammenhängenden unmoralischen Angeboten unter PR-Leuten, so zumindest das Gerücht. Geklärt ist aktuell noch nichts. Ich spare mir, die Details hier zusammenzuschreiben, über den Fall wird ohnehin in allen Medien gerade intensiv berichtet.

 

Schmutzwäsche – Dirty Campaigning

Ich hab mich jedenfalls gefragt, ob derartige Praktiken überhaupt unter dem Deckmantel “PR” laufen dürfen. Immerhin haben sie meiner Meinung nach das Potential, unsere ganze Branche in Verruf zu bringen. Ich bin jetzt keine Expertin für politische PR, aber zumindest Wikipedia zufolge ist Dirty oder auch Negative Campaigning eine Form politischer Öffentlichkeitsarbeit, bei der versucht wird, den politischen Gegner in ein schlechtes Licht zu rücken, um das eigene Ansehen zu erhöhen. Sachliche Argumente geraten dabei in den Hintergrund, die persönliche Auseinandersetzung steht im Vordergrund. Mich schüttelts jedes Mal, wenn ich lese, dass Leute mit dem Jobtitel “PR-Berater” und “Pressesprecher” maßgeblich ihre Finger beim aktuellen Fall im Spiel haben. Ich bin froh, dass sich der PRVA (Public Relations Verband Austria), dessen Mitglied ich auch bin, dazu geäußert hat und sich von derart unseriösen, unethischen und teilweise illegalen Online-Aktivitäten selbst ernannter „PR-Berater“ distanziert, denn diese hätten nichts mit professioneller Öffentlichkeitsarbeit zu tun. „Derartige äußerst fragwürdige Praktiken schaden sowohl der Kommunikationsbranche, als auch der Gesellschaft und der Demokratie“, so PRVA-Präsidentin Julia Wippersberg in einer Aussendung vom 4. Oktober. Finde ich auch!

Wenn ich so darüber nachdenke, gibt es aber noch weitere Praktiken, die auch mir schon untergekommen sind:

 

Vertuschung – Issue Management

Issue Management ist ja an sich nichts Schlechtes. Es ist eine Methode, unternehmensrelevante Themen frühzeitig zu erkennen, um entsprechend darauf reagieren zu können. So weit, so legitim. Problematisch wird es meiner Meinung nach dann, wenn die aufkeimenden Themen sich als echte Krisen entpuppen, wo es um die wirtschaftliche oder persönliche Schädigung von einzelnen Personen oder Gruppen geht, und diese aber vertuscht werden sollen. Dieser Praktik bedient sich schon mal der ein oder andere Konzern. Da geht es nur noch darum, wie verhindert wird, dass eine Geschichte in die Medien kommt, weil sie potentiell rufschädigend für das Unternehmen ist. Man darf aber nicht vergessen, dass auf der anderen Seite beispielsweise schwer gesundheitlich geschädigte Menschen oder auch wirtschaftlich geschädigte Geschäftspartner stehen, die als kleine Partei gegen einen großen Konzern nichts auszurichten haben. Würden Journalisten sich die Mühe machen, etwas genauer hinzuschauen und tiefer zu recherchieren, bekämen sie jedoch genügend Material zusammen, sofern es der Konzernkommunikation nicht “gelingt”, das zu verhindern…

 

Gehirnwäsche – Mitarbeiterkommunikation

Alle Welt spricht gegen ein Produkt, weil es nachweislich Gefahrenpotential birgt, nur die Mitarbeiter der Firma sind dem Produkt loyal erlegen. Wie ist das möglich? Ganz einfach: durch geschickte Mitarbeiterkommunikation. Da werden ganze Kampagnen ausgerollt, damit Mitarbeiter die Unternehmensbotschaften in- und auswendig lernen. Da werden Argumentationsleitfäden erstellt, damit die Mitarbeiter immer die “richtigen”, vom Unternehmen gewünschten Argumente bei der Hand haben, sollten sie doch einmal in Erklärungsnot geraten. Da werden Mitarbeiterversammlungen einberaumt, in denen die höchste Führungsebene den Mitarbeitern nochmals die Argumente eintrichtert. Da werden alle Mitarbeiter darauf eingeschworen, nur ja nichts der Presse zu sagen. Noch Fragen?

 

Angstmache – Awareness-Kampagnen

Soll man Ängste in der Bevölkerung schüren, um davon für seine eigenen Anliegen zu profitieren? Pfui, bitte nicht! Aber gerade das geschieht auch immer wieder. Ganz aktuell ist der Fall der Wiener Ärztekammer, die im Rahmen einer Plakatkampagne die Ängste diverser Patientengruppen vor unzureichender Behandlung aufgrund von bürokratischen Hürden thematisiert. Auf dem am meisten kritisierten Sujet, auf dem eine krebskranke Frau zu sehen ist, heißt es etwa: „Du kämpft mit dem Krebs. Dein Arzt kämpft mit den bürokratischen Hürden der Krankenkasse.“ Geschmacklos, wenn sich eine Interessensvertretung als bemitleidenswerter darstellt, als eine schwer kranke Frau. Auch wenn es wohl einige Missverständnisse bei den Botschaften dieser Kampagne gegeben haben soll, so ist der hinterlassene Eindruck doch der einer Panikmache.

 

Irreführung – PR-Gags

Der bekannteste Fall in den letzten Jahren ist wohl der der Pistenraupe, die eine vermeintliche Irrfahrt durch Deutschland gemacht hat, um in den Ort Seefeld gebracht zu werden. Das eigentliche Ziel war jedoch der österreichische Ort Seefeld. Die Geschichte war erfunden, ein “PR-Gag”, auf den zahlreiche Medien hereinfielen. Der dafür verantwortliche Tourismusverband Olympiaregion Seefeld wurde danach auch vom österreichischen PR-Ethik-Rat gerügt. Problematisch an diesem Fall war, dass die Irreführung – wenn auch angeblich nicht geplant – länger andauerte und nicht aufgeklärt wurde, trotz konkreter Medienanfragen. Dem Ehrenkodex des PRVA zufolge ist es für PR-Treibende unzulässig, bewusst Falschinformationen in Umlauf zu bringen. Es darf demnach auch nichts unternommen werden, was die Öffentlichkeit zu irrigen Schlüssen veranlassen könnte. 

 

Mit diesem Beitrag will ich auf keinen Fall die PR in ein schlechtes Licht rücken, vielmehr gehts mir darum aufzuzeigen, wie wichtig seriöse, professionelle, ethisch verantwortliche PR ist. 

 

Missstände aus der PR können übrigens dem PR-Ethik-Rat gemeldet werden: Beschwerdeformular des PR-Ethik-Rates

 

PR-Praktiken aus der Hölle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Unsplash.com 

 

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  • Hi Sylvia,

    sehr interessanter Artikel, über dieses Thema habe ich in letzter Zeit auch aufgrund verschiedener Anlässe nachgedacht.

    Ich finde allerdings, dass man als PR-Mensch in den meisten Fällen die Rolle des Anwalts bzw. Strafverteidiger für seinen Mandanten innehat. Und da muss man eben das bestmögliche Ergebnis für ihn rausholen.
    Maßnahmen wie Negative Campaining verbieten sich natürlich – schon allein, weil sie gegen das Gesetz verstoßen und im Übrigen in vielen Fällen das Gegenteil von dem bewirken, was sie bewirken sollen. Nämlich immer, wenn sie auffliegen.

    Bei den anderen Themen Issue Management oder Mitarbeiterkommunikation sehe ich die Dinge nicht ganz so kritisch wie du.

    Ich glaube zum Beispiel nicht, dass sich Mitarbeiter so einfach gehirnwaschen lassen. Ich würde von einem Mitarbeiter aber einfach generell eine gewisse Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber erwarten. Es wird ja niemand gezwungen, für Monsanto, Reemtsma oder für Krauss-Maffai zu arbeiten. Aber wenn man es dann tut, dann würde ich auch erwarten, dass man deren Produkte unterstützt.
    Und das Beispiel Glyphosat zeigt m. E. auch dass die Welt eben nicht so einfach schwarz und weiß ist. Es steht zwar für mich völlig außer Frage, dass Glyphosat der Umwelt in vielerlei hinsicht schadet. Andererseits gibt es momentan keine Alternative zu diesem Mittel, jedenfalls wenn die Produktivität der Landwirtschaft nicht erheblich einbrechen soll. Ähnlich beim Tabak: Natürlich ist Rauchen schädlich, aber was bedeutet das für den PR-Menschen der Tabak-Industrie? Muss der jetzt auch rumlaufen und verbreiten, was ohnehin jeder weiß – nämlich dass Rauchen schadet?

    Für mich ist hier eher die Frage: Bewegt sich die PR im Rahmen von Gesetzen oder von Kodizes? Moralisch zu argumentieren ist aber immer schwierig, weil moralische Argumente meist sehr subjektiv und dem Standpunkt des Verfassers geschuldet sind.

    Viele Grüße,
    Erik

    • Hallo Eric,
      absolut, da geb ich dir recht: Als PR-Mensch hat man Verantwortung darüber, welche Praktiken man einsetzt und sollte entsprechend auch den Riegel vorschieben, falls nötig. Was die Mitarbeiterkommunikation betrifft, ist es sicher komplexer und das hier ein – reales – Extrembeispiel. Aber welche Kodizes regeln das, außer vielleicht interne Richtlinien der Unternehmen – und die stehen solchen Praktiken ja eher nicht im Weg.
      LG Sylvia