Fallstricke bei Pressereisen – So geht’s garantiert schief

Pressereisen sind toll: Sie ermöglichen Journalisten einmal weg vom Redaktionsalltag zu kommen, sie geben ihnen die Möglichkeit zur Vorortrecherche, geben ihnen Einblicke in Produktionsprozesse oder einen Blick hinter die Kulissen. Zusätzlich bekommen die teilnehmenden Journalisten die Gelegenheit,  ihre Kollegen von den anderen Medien besser kennenzulernen. Allerdings gilt es, Pressereisen gut durchzudenken und zu planen, damit sich der Kosten-Nutzen-Aufwand rentiert.

Damit nichts schief geht, hab ich eine kurze Auflistung an Fallstricken bei Pressereisen erstellt.

 

Das Thema nicht gründlich überlegen

Pressereisen sind mit einem hohen organisatorischen und finanziellen Aufwand verbunden, es wäre daher schade, wenn sie bei Journalisten keinen Anklang finden und sich niemand dafür anmeldet. Das kann passieren, wenn man das Thema nicht gründlich überlegt und keinen Mehrwert für die teilnehmenden Journalisten herausarbeitet. Frei nach einem bekannten Spruch könnte man hier sagen: Die Pressereise muss dem Journalisten schmecken, nicht dem Unternehmen. Der Anlass der Pressereise sollte daher in den Augen der Journalisten einen echten Neuigkeitswert haben und  etwas bieten, das für seine Leser von Interesse ist. 

 

Das Programm überfrachten

Es ist schon gut, sich ein sinnvolles, reichhaltiges Programm für die teilnehmenden Journalisten zu überlegen. Schließlich wollen diese auch etwas geboten bekommen, wenn sie sich schon von ihrer Redaktion wegbewegen und auf die Reise machen. Man will ihnen auch möglichst viel zeigen und interessante Themen und Gesprächspartner anbieten. Dennoch sollte das Programm nicht zu vollgestopft werden. Journalisten brauchen meist zwischendurch Zeit, um sich an ihre Texte zu machen oder wollen eigenständig weiterrecherchieren. Etwas Freiraum für die individuelle Gestaltung ist daher immer empfehlenswert.

 

Zu viele Journalisten einladen – und dann wieder ausladen

Manchmal gibt es die Vorgabe, eine Mindestanzahl an Journalisten zu einer Pressereise mitzunehmen. Es ist aber eine schlechte Idee, vorsichtshalber zu viele Journalisten  gleichzeitig einzuladen, weil du davon ausgehst, dass nicht alle zusagen werden. Es ist richtig peinlich, wenn dann doch acht zusagen, während man aber nur Platz für maximal sechs Journalisten hat. Zwei Journalisten musst du dann wieder absagen und das kommt nicht gut an, spätestens wenn dieser durch die Berichterstattung der Konkurrenz mitbekommt, wer einen Platz auf der Reise ergattert hat. Daher ist es besser, zunächst nur so viele Journalisten einzuladen, wieviele Plätze es garantiert gibt und nach und nach “Ersatzleute” nachzunominieren.

 

Vergessen alle Tickets zu buchen

Ja, auch das gibt es in der Realität: Alles ist perfekt geplant, aber dann stellt sich am Flughafen heraus, dass man ein Flugticket zu wenig gebucht hat. Das ist nicht nur peinlich, das ist richtig richtig ärgerlich und kann sich schädigend auf die Beziehung zum betroffenen Journalisten und sogar auf die Reputation des Unternehmens zumindest in Journalistenkreisen auswirken. Daher sollten alle organisatorischen Belange doppelt und dreifach überprüft werden: Stimmen alle Zeiten? Habe ich an alles gedacht? Hab ich alle Tickets gebucht? Hat jeder Journalist alles was er braucht? usw. 

 

Zu hohe Erwartungen haben

Wer sich hinsetzt und eine Pressereise plant, darf sich nicht erwarten, dass alle teilnehmenden Journalisten unmittelbar danach darüber berichten. Eine unmittelbare Veröffentlichung eines Medienberichts ist auch gar nicht das Ziel einer Pressereise, vielmehr geht es um das Anbieten von Gesprächen, direkten Recherchemöglichkeiten vor Ort und Hintergrundinformationen. Aber natürlich gibt es auch Pressereisen mit einem aktuellen Aufhänger, etwa zu Bilanzpressekonferenzen oder Kongressen, da geht man schon von einer zeitgerechten Berichterstattung aus. Ansonsten kann es sein, dass ein Journalist erst viel später in anderem Zusammenhang auf die Erkenntnisse der Pressereise zurückgreift, und das ist vollkommen okay.

 

Eine Veröffentlichung verlangen

Bei Pressereisen gibt es natürlich keine Veröffentlichungsgarantie, man darf keine Berichterstattung im Gegenzug für die Reise verlangen. Der Journalist bzw. seine Redaktion entscheidet alleine, ob, wann und wie über die Themen der Pressereise berichtet wird. Viele Medien befinden sich auch in einem ernsthaften Interessenskonflikt und müssen an die Wahrung ihrer journalistischen Unabhängigkeit denken. Journalisten dürfen daher auf keinen Fall unter Druck bezüglich der Veröffentlichung von Artikeln gesetzt werden oder mit Geschenken jeglicher Art bestochen werden. Das regelt auch der PRVA-Ehrenkodex, Punkt 17. Es ist mittlerweile auch bei vielen Medien Usus anzumerken, wenn ein Bericht aufgrund einer Einladung einer Firma zustandekommen ist. Um das Dilemma der fehlenden Berichterstattung zu vermeiden ist es ratsam, sich vorab gründlich Gedanken zu machen, wen man denn jetzt wirklich einlädt, für wen die Reise einen Mehrwert hat, sodass mit hoher Wahrscheinlichkeit berichtet wird.

 

… und was ist mit den Journalisten?

Aber nicht nur von Seiten der PR kann einiges bei Pressereisen schiefgehen, auch Journalisten können das Ihrige dazu beitragen. Etwa indem sie eine Reise sehr kurzfristig absagen (bei allem Verständnis für echte Notfälle), oder sich auf der Reise vollkommen danebenbenehmen. Einen lustigen Artikel dazu hab ich bei Bettina Blaß gefunden.

 

Welche Erfahrungen hast du mit Pressereisen gemacht? Bei welchen Punkten sollte man noch aufpassen?

Zum Weiterlesen: Checkliste für Pressereisen

 

Fallstricke Pressereisen

 

 

Foto: Pexels.com

 

Ähnliche Beiträge

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  • Schöner Artikel!
    Einen weiteren Aspekt möchte ich noch anmerken: das richtige Timing der Einladungen.
    In einigen Fällen ist das gar nicht so einfach. Handelt es sich bei den Zielmedien um Fachpresse, hat man es in der Regel mit sehr kleinen Redaktionen zu tun. Man sollte also nicht zu spät einladen, um sich die Lücke im Kalender des Journalisten zu sichern.
    Das aber ist manchmal gar nicht so einfach; insbesondere dann, wenn es z. B. zu Neueröffnungen, etwa von Hotels, geht. Denn diese werden auch gerne mal sehr spät terminiert, weil beispielsweise die tatsächliche Fertigstellung unklar ist.
    Gute Erfahrungen machte ich in solchen Fällen mit der Terminierung der Pressereisen zu einem deutlich späteren Zeitpunkt, denn: Viele Fachjournalisten lernen ein neues Hotel lieber im “normalen” Betrieb kennen als bei einem Eröffnungsevent. Auch zusätzliche Programmpunkte, um die Destination kennenzulernen, sind dieser Zielgruppe oftmals wichtiger als der rote Teppich.
    Bei Publikumsmedien kann das natürlich ganz anders aussehen. Hier stehen auch mal das Event und dessen Gäste im Vordergrund.
    Das Timing der Einladungen kann jedenfalls eine Herausforderung sein und sollte von Fall zu Fall wohl überlegt werden.
    VG
    Bastian