“Folge mir auf Vero” – ein mysteriöser Social-Media-Hype

In den letzten Tagen häufen sich knapp formulierte Posts vor allem von Influencern mit dem schlichten Inhalt “Folge mir auf Vero”. Wie die Lemminge – so kommt es mir vor, sorry – folgt einer nach dem anderen nach. Meist ohne den Trend zu hinterfragen und oft begleitet mit einem “Tschüß Instagram”. Vielleicht hast du jetzt auch Fragezeichen in den Augen: Was ist Vero überhaupt? Und wieso sind da jetzt auf einmal “alle”? Auf Twitter stellen bereits die ersten Marketers die Frage: “Weiß schon jemand, wie wir dieses Vero für uns nützen können?”. Zeit, sich Vero anzuschauen.

Vero ist eine Social Media Plattform, die gerade wie aus dem Nichts gehypt wird. Dabei gibt es Vero bereits seit 2015. Ich hab mich gefragt, warum Vero gerade jetzt so gehypt wird, bin aber noch an der Antwort dran. Ein Blick auf Google Trends zeigt allerdings tatsächlich, dass die Nachfrage nach Vero in den letzten Tagen explosionsartig gestiegen ist:

 

Vero-auf-Google-Trends
“Vero” auf Google Trends (weltweit)

 

Vero verlangt vor allem eins: Geduld!

Wenn man sich für die App anmelden möchte, braucht man derzeit etwas Geduld. Die Server sind eigenen Angaben zufolge überlastet, Ursache dürfte der große Run auf Vero sein. Nach ein paar Fehlstarts hab auch ich es letztendlich vor ein paar Tagen geschafft, mich bei Vero anzumelden. Das Warten geht hier aber munter weiter: Einmal drin, bekommt man auch immer wieder die Meldung, dass beim Serverdienst eine Zeitüberschreitung aufgetreten ist.

Die Anmeldung auf Vero soll übrigens für die erste Million User auf Lebenszeit kostenlos sein, daher ist sie vermutlich so gefragt. Danach will sich Vero mit Abonnements finanzieren. Die App wirbt weiters damit, einen Gegenentwurf zu den derzeitigen Riesen Facebook und Instagram darzustellen: kein Datensammeln, keine Algorithmen und keine Werbung. Hier soll alles “echt” sein, den Namen macht man sich zum Programm. Das Motto von Vero lautet demnach auch “True Social”. Hier sollen die User wieder verstärkt sie selbst und authentisch sein, manche sprechen bereits von “the next Instagram” – was auch immer uns das jetzt sagen soll. Auch wenn keine Werbung zugelassen sein soll, so könnte die App doch für Influencer Marketing tatsächlich interessant werden, weil die Posts ohne Algorithmus chronologisch ausgespielt werden. Influencer erhoffen sich dadurch wieder eine bessere Sichtbarkeit. 

 

 

“Create something more authentic”

Ein soziales Netzwerk, in dem jeder er selbst sein kann, will Vero sein. Vero hat sogar ein Manifest geschrieben, hier ein Auszug daraus:

A FALSE SENSE OF CONNECTION LEFT US LONELIER THAN EVER.

IN REAL LIFE, PEOPLE ARE NEVER PRESENTED WITH A ONE SIZE FITS ALL AUDIENCE. WE SHARE DIFFERENT THINGS WITH DIFFERENT PEOPLE.

MOST SOCIAL NETWORKS REDUCE EVERYONE TO A FRIEND OR A FOLLOWER. THIS ENCOURAGES US TO ONLY SHARE THE PARTS OF OUR LIVES WE THINK ARE THE MOST INTERESTING.

WHEN YOU CAN CONTROL WHO SEES WHAT, YOU CAN BEHAVE IN A WAY THAT IS MORE NATURAL, WHICH WE BELIEVE ENDS UP BEING BETTER FOR YOU.

SO WE DECIDED TO CREATE SOMETHING MORE AUTHENTIC.

WE CREATED A SOCIAL NETWORK THAT LETS YOU BE YOURSELF. HENCE THE NAME VERO. MEANING TRUTH.

Quelle: Vero Manifesto

 

Klingt ja an sich nicht schlecht. Vero will, dass wir auch banale Dinge teilen, und zwar je nach Bedarf mit verschiedenen Gruppen: den engen Freunden, Freunden, den Bekannten und den Followern. Rein theoretisch zumindest, denn das Posten ist aufgrund der ständigen Serverüberlastung derzeit recht schwierig.

Posten kann man Links, Bilder (mit Link!), Orte, aber auch Musik, Film und Buchtipps. Was mir fehlt sind einfache Textposts, die es jedoch angeblich auch gibt. Hashtags findet man auf Vero ebenfalls. Eine weitere Funktion ist das Chatten, was aber so revolutionär nicht ist.

 

vero screenshot
Die Bedienoberfläche von Vero

 

Viel Schein, wenig Sein?

Offenbar hat diese Plattform bereits ihre ersten reichweitenstarken Influencer: Der amerikanische Regisseur Zack Snyder  mit 86.000 Followern wird mir hier etwa vorgeschlagen. Interessanterweise kann ich jene Personen, die wie bereits am Anfang erwähnt verkündet haben bei Vero zu sein, nicht über die Suche finden. Ich schieb das jetzt mal auf den hohen Traffic auf der Plattform. 

Ansonsten kann ich derzeit mit Vero noch nicht viel anfangen, es ist noch recht einsam hier und die Funktionen lassen auch zu wünschen übrig, zumal es keine Textposts gibt und die Serverüberlastung immer wieder dazwischenfunkt. Auch optisch ist sie nicht mein Fall, sehr dunkel und die Nutzung ist auch nicht gerade intuitiv. Ich bin außerdem skeptisch, ob diese App wirklich etablierte Networks wie Facebook und Instagram ablösen können wird. 

Wenn Vero weiterhin so schlecht funktioniert, wird sich dieser Hype wohl bald in Luft auflösen, zumal die App zwar ein hehres Ethos hat, aber in der Praxis bzw. in der Nutzung zu Wünschen übrig lässt. Auf Twitter vermelden übrigens bereits erste User, dass sie sich von der App wieder abgemeldet haben. Auch heftige Kritik macht sich bereits an diversen Dingen breit: Anmeldung und auch Abmeldung von der App, Datenschutz und Konditionen, aber auch über die Gründer der App (mehr dazu in den Lesetipps unten).

Ich werde die App vorläufig angemeldet bleiben und schauen, was weiter passiert. Ich möchte aber allen, die noch nicht dabei sind, raten, noch ein bisschen zuzuwarten und sich nicht überstürzt anzumelden, bis mehr Klarheit über die App und die Hintergründe hinter dem Hype herrschen.

 

vero

 

Zum Weiterlesen:

t3n: Vero – Wer steckt hinter der Hype-App? 

Bento: Was steckt hinter dem Hype um die App Vero?

Lead: Und dann kam Vero?

Leonie Rachel: Warum die Vero App nicht funktionieren wird

Bemoreimpulsee: Warum #Vero nicht das neue #Instagram wird

 

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