Influencer Marketing – Welche Möglichkeiten unbezahlter Kooperationen gibt es?

Obwohl sich das Influencer Marketing immer weiter professionalisiert und dabei sehr viel Geld fließen kann, gibt es auch andere gute Möglichkeiten, unbezahlte Kooperationen und Partnerschaften mit Influencern einzugehen. Denn oftmals geht es erst einmal um den Beziehungsaufbau im Sinne der Influencer Relations. Gerade am Anfang eines neuen Kontaktes steht zuerst einmal der Aufbau nachhaltig guter Beziehungen zu Influencern im Mittelpunkt. Dabei spielt natürlich auch die eigene Marke eine Rolle: Je interessanter sie für den Influencer ist, je mehr “Lovebrand”, desto eher wird er bereit sein, für seine Lieblingsmarke auf seinen digitalen Kanälen einzutreten.

Auch für die Zusammenarbeit mit Micro Influencern, die (noch) eine kleine Reichweite haben oder sehr nischig unterwegs sind, muss meist nicht gleich Geld in die Hand genommen werden. Ein interessantes Angebot oder eine vernünftige Gegenleistung (Barter-Deal) ist für Anfänger oftmals interessant. Diejenigen jedoch, die ein Geschäft aus ihrem Content gemacht haben und davon leben, sollten als Geschäftspartner anerkannt werden, wie jeder andere Kooperationspartner auch. Ich bin absolut dafür, Influencer fair zu bezahlen und nicht auszunützen!

Bei unbezahlten Kooperationen muss uns aber auch klar sein, dass der Influencer nicht verpflichtet ist, über unsere Marke zu schreiben, denn es handelt sich hier um Earned Media, nicht Paid Media, wo eine Zusammenarbeit vertraglich festgehalten und abgegolten würde. Hier ist man also ganz auf den Goodwill des Influencers angewiesen. 

Daher empfehle ich zuerst Schritt 1: vernetzen und unterstützen.

 

Vernetzen und unterstützen

Hast du einen Influencer ins Auge gefasst, der für dich interessant sein könnte, dann versuch doch zuerst einmal, Kontakt zu ihm herzustellen. Folge ihm auf allen seinen Kanälen, interagiere mit seinem Content, hinterlasse ihm ehrliche, wertvolle Kommentare und like seine Beiträge und teile auch mal was. Zeig ihm, dass du aufrichtiges Interesse an seiner Arbeit hast. In einem nächsten Schritt kannst du den Kontakt von der digitalen Welt in die analoge Welt bringen: Schlag einmal ein unverbindliches Kennenlernen vor und lade den Influencer zu dir ins Unternehmen, in die Agentur oder auf einen Café ein. Stell ihm dein Unternehmen und Produkte oder Services vor und lade ihn zum Testen ein. Kennt ihr euch erst einmal und weiß der Influencer von deiner Wertschätzung seiner Arbeit, sind auch die nächsten Schritte viel leichter.

 

Relevante Informationen bereitstellen

Jetzt kennt dich der Influencer und hat vielleicht bereits gefallen an deiner Marke gefunden (wenn nicht, ist es wohl nicht der passende Influencer für dich, der authentisch und glaubhaft für dich eintreten kann). Nun kannst du ihm speziell für ihn relevante Infos zukommen lassen: Neuigkeiten, Hintergrundinfos, spannende Stories rund um deine Marke – alles was für ihn und besonders für sein Publikum interessant sein könnte, kannst du ihm bei Interesse zukommen lassen. Überleg dir aber wirklich gut, was genau du ihm anbietest und werde auf keinen Fall spammy damit.

Presseaussendungen solltest du ihm auf keinen Fall schicken, denn diese sind auf Journalisten zugeschnitten und haben eine ganz andere Funktion. Ein Influencer, der seine eigenen Kanäle betreibt, hat originären Content und interessiert sich nicht für offizielle Unternehmensmitteilungen. Überleg dir stattdessen, was aus deinem Haus wirklich zu ihm und seinem Content passen könnte.

 

PR Samples anbieten

Neben den Informationen kannst du natürlich auch deine Produkte oder Dienstleistungen dem Influencer kostenlos zum Testen anbieten oder einfach schenken. Das sind PR Samples oder auch Rezensionsexemplare, wenn es um Bücher geht. Dabei solltest du jedoch beachten, dass du niemals unangekündigt und ungefragt Produkte an Influencer schickst, denn das wird selten gerne gesehen. Influencer, die dein Päckchen bekommen haben, machen dann zum Beispiel ein Unboxing Video auf Instagram Stories oder berichten über dein Produkt, machen einen Produkttest, schreiben eine Rezension, je nachdem. Sei bitte auf die ehrliche Meinung des Influencers gefasst – dein Produkt muss ihm nicht unbedingt in jederlei Hinsicht gefallen und er wird das auch ehrlich gegenüber seinen Followern kommunizieren. Darin besteht nun einmal die Qualität der persönlichen Empfehlung, die Influencer aussprechen und für die sie ja auch geschätzt werden. Denn Influencer Marketing ist am Ende des Tages Empfehlungsmarketing von einem Influencer an seine Follower.

Setze aber niemals einen Influencer unter Druck, deine Marke zu promoten, nur weil du ihm etwas zugeschickt hast. Das ist selten wirksam und wird auch eure weitere Beziehung zerstören. Wenn du willst, dass ein Influencer garantiert über dich schreibt, musst du mit ihm eine bezahlte Kooperation eingehen. 

 

Interviews, Gastartikel und Roundup-Posts

Diese Variante gefällt mir besonders gut: Frag doch mal deinen ausgewählten Influencer, ob er dir ein Interview geben würde für deinen Blog oder deinen Podcast. Oder biete ihm an, einen Gastartikel bei dir zu schreiben, wenn das thematisch gut passt. Vielleicht kannst du sogar einen Gastartikel-Tausch vereinbaren oder ein gegenseitiges Interview, wobei das meist etwas schwieriger ist – Influencer sind zu Recht meist sehr kritisch bei der Auswahl ihres eigenen Contents und nicht jeder von ihnen akzeptiert Gastbeiträge. Es muss halt gut passen und du musst es ihm schmackhaft machen. Eine weitere Möglichkeit sind Roundup-Posts. Dabei stellst du eine Frage an mehrere Experten für ein Thema, zum Beispiel an verschiedene Influencer deiner Nische, und bittest sie, dir ein Statement zu schicken plus Foto. Die gesammelten Statements veröffentlichst du auf deinem eigenen Blog. Ein Beispiel dafür findest du in meinem Beitrag Blogger Relations aus Expertensicht.

Der Vorteile dieser Maßnahmen ist, dass die beteiligten Influencer in der Regel diese Beiträge auch auf ihren Kanälen streuen werden, was dir unheimlich viel Reichweite bringen kann. Auch für den Beziehungsaufbau eignen sich diese Ideen besonders gut, wichtig ist dann einfach, in gutem Kontakt zu bleiben.

 

Blogger Events, Kurse und Workshops

Hast du schon einmal daran gedacht, ein Blogger Event zu veranstalten? Der Name ist vage, denn dahinter können sich viele kreative Veranstaltungsarten verbergen. Zum Beispiel ein Produktlaunch, zu dem du Blogger einlädst oder die Präsentation besonderer Highlights aus deinem Portfolio. Schließen sich mehrere Unternehmen zusammen, die eine ähnliche Gruppe an Bloggern ansprechen und gemeinsam neue Marken und Produkte vorstellen, spricht man von Pressdays, wie zum Beispiel die Austrian Press Days oder die German Press Days.

Oder wie wäre es mit einem gemütlichen Get-to-Gether: Dabei können sich auch Blogger untereinander kennenlernen und in angenehmer Atmosphäre dein Unternehmen kennenlernen. Oder du lädst Influencer zu einer Betriebsbesichtigung ein, wenn du etwa einen interessanten Herstellungsprozess hast. Eine andere Idee wäre es, Influencer zu Workshops einzuladen, wo sie Wissen aus deinem Unternehmen erlernen können. Ein Beispiel, dass mir hier sehr gut gefällt, waren die Apo Talks der Österreichischen Apothekenkammer: Bloggerinnen wurden eingeladen, an einem Workshop über Heilpflanzen für Frauen teilzunehmen und sich selbst an Pflanzenmedizin zu probieren (Beispiel Die kleine Botin).

 

Bloggerreisen

So wie Journalisten auf Pressereisen kannst du Influencer zu Bloggerreisen einladen, entweder individuell oder in der Gruppe. Das ist eine beliebte Option vor allem in der Tourismusbranche. Dabei reist der Influencer in dein Hotel, in deine Tourismusregion oder in dein Ausflugsziel und berichtet währenddessen via Social Media und im Anschluss vielleicht auch auf seinem Blog darüber. Es kann aber auch für andere Branchen passen, einen Influencer wohin zu schicken, damit er etwa ein Produkt wie ein Auto testet. Eine individuelle Bloggerreise kann besser auf die Interessen des einzelnen Influencers zugeschnitten werden. Sie hat auch den Vorteil, dass Content aus der Reise nicht gleichzeitig bei vielen Bloggern aufpoppt, sondern eine bessere Streuung durch unterschiedliche Reisen unterschiedlicher Blogger stattfindet.

Aber auch bei Bloggerreisen ist klar: Je bekannter ein Blogger bzw. Influencer ist und je geringer der Gegenwert der Reise ist, wird er vielleicht zusätzlich ein Entgelt für die Teilnahme an der Reise verlangen.

 

Affiliate Marketing

Vielleicht hast du Produkte oder Services, für die sich ein Affiliate-Marketing-Agreement eignen würden? Dabei bekommt der Influencer über jede Bestellung über den Affiliate Link einen gewissen Prozentsatz des Kaufpreises ausgezahlt. Damit sich das auszahlt, muss der Influencer jedoch genau jene Zielgruppe ansprechen, die an deinen Produkten oder Services Interesse haben und die über ihn bestellen würden. Auch eine gewisse Mindestreichweite des Influencers ist absolut vorteilhaft.

 

 

Nicht vergessen: die korrekte Kennzeichnung

Wichtig ist auch bei unbezahlter Zusammenarbeit, dass korrekt gekennzeichnet wird: Sobald dein Unternehmen oder deine Produkte vom Influencer erwähnt werden, müssen sie mit “Werbung” oder “Anzeige” am Anfang eines Beitrages gekennzeichnet werden. Auch Affiliate Links müssen gekennzeichnet werden. Als Auftraggeber ist man immer mitbeteiligt und haftbar, daher solltest du besonders darauf achten, dass Influencer, mit denen du zusammenarbeitest, korrekt kennzeichnen.

Bestimmt hast du auch vom aktuellen #abmahngate und den strengen Urteilen rund um Influencerin Vreni Frost gehört. Wie du aktuell am besten Werbung kennzeichnest, kannst du in diesen 10 Tipps von LEAD digital nachlesen.

 

Erzähl doch mal, welche Ideen zum Beziehungsaufbau mit Influencern und für weitere unbezahlte Kooperationen hast du noch? Hinterlass mir gerne einen Kommentar!

 

 

Influencer Relations - unbezahlte Möglichkeiten

 

 

 

Foto: Unsplash.com 

 

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