Bei Journalisten nachspioniert – Interview mit Beate Wittmann, ORF Steiermark

Es ist wieder Zeit für ein Journalisteninterview aus meiner Interview-Reihe “Bei Journalisten nachspioniert” und diesmal hab ich eine für mich ganz besondere Interviewpartnerin mitgebracht: Meine Schwester Beate Wittmann, Kulturredakteurin beim ORF Steiermark. Beate arbeitet bereits seit mehr als zehn Jahren beim ORF Steiermark, zunächst in der Online-Redaktion, doch schon bald ist sie in die Kulturredaktion gewechselt (nun in Karenz) und hat sich damit einen großen Traum erfüllt.

Wir Schwestern sind uns in vielen Punkten ähnlich und so auch in dem Punkt, dass wir beide für unsere Themen brennen, sie für den Kulturjournalismus und ich für die PR. Beate war daher gerne bereit, sich meinen Fragen für den Blog zu stellen und aus ihrer Erfahrung als Kulturredakteurin zu berichten.

 

“Mit Künstlern zu arbeiten braucht viel Feingefühl”

 

Beate Wittmann ist Kulturredakteurin beim ORF Steiermark
Beate Wittmann, ORF Steiermark

Beate, du bist Kulturredakteurin beim ORF Steiermark. Kannst du bitte meinen Blog-Lesern erzählen, wie dein Werdegang zur Kulturredakteurin gelaufen ist?

Für Kunst habe ich mich eigentlich schon als Kind interessiert. Als ich dann zum Studium nach Wien kam, wurde ich mit dem Theater-Virus infiziert und habe daher Theaterwissenschaft sowie Skandinavistik studiert. Eigentlich wollte ich Theaterregisseurin werden und habe Hospitanzen im Burgtheater sowie im Theater in der Josefstadt gemacht, und bin dann über eine befreundete Journalistin beim deutschen Sender SWR auf die Idee gekommen über Kunst zu berichten. Mir ist es ein Anliegen, Kunst zu vermitteln. In der Kulturredaktion des Südwestrundfunk in Baden-Baden habe ich dann mein erstes Praktikum absolviert, es folgte die APA-Kultur und schließlich ging es (nach erfolgreich bestandenem Assessmentcenter) für einige Monate zu Ö1. Aus privaten Gründen bin ich dann ins Landesstudio Steiermark gewechselt wo ich von 2006 bis 2010 vor allem in der Onlineredaktion gearbeitet habe und seit dann in der Kulturredaktion, wo ich für Radio und Fernsehen leidenschaftlich gerne Beiträge mache.

 

Was sind die besonderen Herausforderungen, vor denen Kulturjournalisten stehen?

Da kann ich natürlich nur für mich sprechen. Mit Künstlern zusammen zu arbeiten bringt insoferne Herausforderungen, weil die meisten sehr sensibel sind und eher ungern Interviews geben, da bedarf es viel Feingefühl, was nicht immer einfach ist, wenn ein Mikrofon oder eine Kamera auf einen gerichtet ist. Meist habe ich auch wenig Zeit mit dem Künstler “warm zu werden”, weil Interviews meist kurz vor , in der Pause oder nach einer Veranstaltung stattfinden und die meisten  Künstler da ohnehin ohnehin angespannt oder schon müde sind.

 

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für dich aus?

Einen typischen Alltag gibt’s bei mir nicht. Manchmal drehe ich schon in der Früh, um dann noch am selben Tag Beiträge für Radio und oder Fernsehen daraus zu machen (die Kulturredaktion des Landesstudios beliefert sämtliche Sendungen des ORF, von Steiermark heute und Radio Steiermark über die ZiB, bis zum Ö1 Morgenjournal und mehr…). Oder ich fange gegen Mittag an und arbeite zunächst fürs Radio um dann am  Abend zu drehen, das kann schon mal bis in die Nacht gehen, wenn z.B. Die ZiB 24 noch einen Beitrag will oder das Ö1 Morgenjournal. Zu tun ist jedenfalls immer sehr viel und ich stehe meistens vor einem großen Abgabedruck, weil alle Beiträge rechtzeitig für die Sendungen fertig sein müssen und nicht eine Minute später. Da heißt es Nerven bewahren! Fürs Radio arbeite ich fast alles alleine, Tonmeister habe ich nur für stundenfüllende Sendungen wie eine Literatur Spezial-Sendung oder eine Jazzsendung, die ich eine Zeit lang gestaltet habe, zur Unterstützung. Fernsehen ist dagegen Teamarbeit, da muss auch die Chemie zwischen Kameraleuten, Cutter und Redakteur stimmen, damit es wirklich passt!

 

Wie recherchierst du? Nutzt du auch PR-Quellen und wenn ja, welche?

Wie die meisten Kollegen recherchiere ich viel im Internet, aber auch Opern, oder Theaterführer brauche ich häufig, weil ich ja nicht jedes Stück genau kennen kann. Bei Musik wird sich noch vorher gut eingehört. Über kleinere Kulturinitiativen etwas herauszufinden ist oft sehr schwierig, da erfrage ich vorab das meiste per Telefon.

Mit PR-Leuten arbeite ich auch viel zusammen. Da geht es meist weniger darum, dass sie auf ein Thema aufmerksam machen, weil in der Kultur ja selten was “ausbricht”, sondern eher um Hintergrundinformationen, oder Tipps für Drehorte. Je professioneller ein Künstler oder eine Kulturinstitution ist, desto häufiger gibt es auch PR-Leute oder Pressestellen. Ein kleines Theater z. B. oder ein junger aufstrebender Künstler kann sich das nicht leisten. Mit den Kollegen von der PR habe ich durchwegs positive Erfahrungen gemacht. Sie helfen mir Interviews zu organisieren, können aber auch sehr zweckdienliche Hinweise geben, damit ich den Drehplan organisieren kann. Wie lange dauert eine Inszenierung bis zur Pause bzw. Schluss? Welcher Hintergrund bietet sich für ein Fernseh-Interview an (bei Orten, die ich noch nicht kenne)? Gibt es spezielle unerwartete Einfälle von der Regie, auf die wir reagieren sollten, weil wir in der Regel nur ein Mal mitlaufen, also drehen usw.

 

Welche Do’s und Don’ts sollten PR-Leute beachten, wenn sie mit Kulturjournalisten zu tun haben?

Bitte nicht unter Druck setzen. Was geht, geht, aber wir können nicht über alles berichten, nur weil wir der ORF sind! Verhandlungen über Beitragslängen und die Häufigkeit eines Beitrags über eine Institution gehen gar nicht und liegen meist auch nicht in der Hand des Journalisten. Wenig befriedigend ist es auch, wenn mein Kameramann z.B. nur die ersten ein bis drei Lieder in deinem Konzert mitdrehen darf und ich dann zum Interview auch nur 5 Minuten mit Stoppuhr habe. Das hilft niemandem, weil das Interwiew meist nicht in Fluss kommt und einen schönen Beitrag mit ganz wenig Drehmaterial zu machen ist auch nicht einfach!

Mühsam empfinde ich es auch, wenn Pressetexte einer kunsttheoretischen Abhandlung gleichen und so kompliziert geschrieben sind, dass man sich den Text mehrfach durchlesen muss, um ihn halbwegs zu verstehen. Texte sollten kurz und prägnant verfasst sein und sollten ohne Lexikon verstanden werden können. Bei persönlichen Terminen kann ich mir hingegen viel besser ein Bild davon machen.

 

Du führst auch laufend Interviews mit Kulturschaffenden vor der Kamera. Wie gehst du Interviews an bzw. welche Tipps hast du für Interviews für uns?

Natürlich steht auch hier am Anfang die Recherche. Ich versuche also möglichst viel zum Thema zu erfahren, wobei auch die Presseleute oft hilfreiche Hinweise geben können. Dann muss ich natürlich einen passenden Ort für das Interview finden. Fürs Radio dürfen keine Hintergrundgeräusche stören, oder der Raum zu sehr hallen, fürs Fernsehen muss man auch immer den Hintergrund überlegen. Falls ich den Künstler nicht kenne, versuche ich auf jeden Fall etwas “warm” mit ihm zu werden, damit das Interview nicht zu überfallsartig kommt. Vor allem bei Kulturschaffenden mit wenig Medienerfahrung ist das nötig, weil sie oftmals recht nervös sind. Und dann versuche ich möglichst locker in ein Gespräch zu kommen. Künstler muss man ja selten auf eine Aussage festnageln, da geht es mehr darum ihr Empfinden, ihre Persönlichkeit zum Vorschein zu bringen. Als Tipp kann ich auch noch mitgeben nicht zu viel vorher inhaltlich zu zerreden, sonst wirkt es vor der Kamera zu unspontan.

 

Da bist du mit deiner empathischen Art wirklich die geborene Kulturjournalistin!

Danke, dass du uns mit hinter die Kulissen deiner Arbeit genommen hast, Beate! 🙂

 

 

Foto: Beate Wittmann (Copyright: ORF Steiermark)

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