Bei Journalisten nachspioniert: Katharina Domiter, WOMAN

Bei Journalisten nachspioniert: Katharina Domiter, WOMAN

 

Katharina Domiter ist Redakteurin bei der großen österreichischen Frauen- und Lifestylezeitschrift WOMAN und betreibt daneben ihren eigenen Lifestyleblog “Hunga, Miad & Koid” . Ich lese auf beiden Kanälen die Geschichten und Interviews von Kathi immer wieder gerne und habe sie daher gebeten, ein bisschen spionieren zu dürfen. Im Rahmen der Interview-Reihe “Bei Journalisten nachspioniert” habe ich mit Kathi daher über ihre Arbeit als Redakteurin und Bloggerin gesprochen, wollte wissen, wie sie recherchiert und wie sie mit PR-Leuten zusammenarbeitet. 

 

Liebe Kathi, du bist bei WOMAN Redakteurin für die Bereiche “Real Life” und “Stars & Stories”. Wie bist du ursprünglich zum Journalismus gekommen? Wie hat deine Karriere als Journalistin begonnen?

Schon im Kindergarten wollte ich lesen und schreiben lernen, was mir meine Mama dann auch beigebracht hat. Ich konnte gar nicht abwarten, bis ich in die Schule komme. Bei der TV-Serie GZSZ – Gute Zeiten, schlechte Zeiten – hat eine Journalistin, Saskia, mitgespielt. Das wollte ich dann auch machen. Nach meiner Matura hab ich Publizistik studiert und herausgefunden, dass mir Journalismus tatsächlich liegt und bin dann auch in der Branche gelandet. Ich hab ein paar Praktika gemacht wie zum Beispiel in der ATV Sportredaktion, hab als freie Journalistin gearbeitet und bin dann schlussendlich bei WOMAN gelandet. Da bin ich mittlerweile seit acht Jahren. Ich schreibe für die Ressorts „Real Life“ und „Society“ und kümmere mich auch um die Crossmedia Koordination.

 

Wie hat sich deine Arbeit in den letzten Jahren durch den digitalen Wandel geändert?

Wenn wir Leute für Fälle-Geschichten suchen, ist es leichter geworden, via Facebook oder mittlerweile auch Instagram welche zu finden. Über Social Media kannst viel mehr Leute erreichen, auch solche, mit denen du normalerweise gar keine Berührungspunkte hast. Andererseits: Die exklusiven News über Promis, wie etwa Hochzeiten oder Schwangerschaften, gibt es für uns kaum noch, weil die Stars mit diesen Infos – eben über Social Media – selbst rausgehen. Unsere Aufgabe ist es dann, dass wir ausführlichere Geschichten oder große Interviews dazu machen.

 

Wie ist dein Tagesablauf als Redakteurin?

Wir erscheinen alle zwei Wochen und dieser Rhythmus bestimmt unser Tagesgeschehen. Heute, Donnerstag, hatte ich zum Beispiel Abgabe. Nächste Woche Montag findet die Themensitzung für die nächste Ausgabe statt. Dann geht es darum, dass wir die Geschichten, die wir dort festlegen, umsetzen.

 

Heute habt ihr Redaktionsschluss, angenommen jetzt würde dich ein PR-Berater anrufen…

Das ist keine gute Idee in der Abgabezeit! (lacht) Da sitzen wir konzentriert und schreiben die Geschichte und sind nicht wirklich offen für neue Anfragen.

 

Wie recherchierst du? Nutzt du Social Media?

Es kommt ganz darauf an, je nach Geschichte. Ich lasse mich durchaus über Facebook und Instagram inspirieren. Dort bekommt man auch ein gutes Gefühl dafür, was andere beschäftigt. Social Media ist für mich aber nur eine von vielen Quellen. Auch den Kontakt mit Menschen im ,echten Leben‘ finde ich sehr wichtig.

 

Wie können Unternehmen bei dir mit professioneller digitaler Kommunikation punkten?

Wenn jemand einen guten Social-Media-Auftritt, eine gute Website und vor allem gute Fotos hat, ist das auf jeden Fall ein Bonus. Alles, was professionell rüberkommt, ist kein Nachteil.

 

Bekommst du auch PR-Anfragen via Social Media?

Ich bekomme auf Facebook und Instagram immer wieder Anfragen von PR-Leuten. Die Grenzen zwischen privat und beruflich sind da längst verschwommen. Umgekehrt teile ich meine Artikel auf meinem privaten Facebook-Profil oder zeige sie auf Instagram. Somit darf ich nicht überrascht sein, wenn mir dort wer was Jobspezifisches schreibt. Mich stört das auch nicht, auch wenn ich dann meistens darum bitte, mir zu mailen – damit das Berufliche nicht unter den privaten Dingen untergeht.

 

Bist du schon einmal mit Haters oder Trollen konfrontiert worden?

Nein.

 

Wie viel hast du generell mit PR-Leuten zu tun?

Im Bereich “Real Life” weniger, dafür in der Society. Mit den zuständigen Pressesprechern macht man sich die Termine und das Freigabeprozedere für Interviews aus. Es gibt aber auch Promis, die sich die PR alleine organisieren. Was dabei immer wichtig ist: Ein exklusiver Zugang. Denn wenn jemand in 20 anderen Medien dasselbe sagt, ist es für uns wenig interessant.

 

Was denkst du über Pressemitteilungen, bekommst du viele zugeschickt?

Genug! Ich finde sie nicht schlecht, als Überblick und Orientierung. Neuerdings fällt mir aber auf, dass sehr viel nachtelefoniert wird, was mich nicht wirklich stört. Kolleginnen aus anderen Ressorts wie etwa in der Moderedaktion werden aber bestimmt häufiger angerufen als ich.

 

 

 

Wie wählst du eine Geschichte für die WOMAN aus? Was sind deine Auswahlkriterien?

Die Story muss zur Zielgruppe passen, es muss einen aktuellen Anlass geben, also einen Aufhänger. Sie darf auch noch nicht so „breitgetreten“ sein. Wenn die Geschichte schon in mehreren anderen Medien war, ist es für uns nicht mehr so bis gar nicht spannend. In der Redaktionssitzung schlägt jeder seine Ideen vor. Bei uns ist es Teil des Jobs, dass man sich Themen und auch die Zugänge überlegt.

 

No Go’s: Was geht für dich gar nicht in der Zusammenarbeit mit PR? Was nervt dich eventuell sogar an PR-Leuten?

Was gar nicht geht: Dass man Exklusivität verspricht und nicht hält. Das gibt es auch immer wieder, dass ein Beitrag dann plötzlich doch woanders auch noch erscheint. Interviews nachzuverhandeln ist auch ein schwieriges Thema. Da versuche ich, so nah wie möglich beim Gesagten zu bleiben und dem Interviewpartner trotzdem ein bisschen entgegenzukommen. Aber natürlich werden Inhalte nicht verändert. Unmögliche Anfragen oder besonders Außergewöhnliches ist mir aber noch nicht passiert.

 

Wie relevant sind Pressekonferenzen für dich? 

Zum Netzwerken und um up-to-date zu bleiben sind sie natürlich wichtig. Networking ist generell kein unwesentlicher Punkt in einem Kommunikationsberuf. Auf Pressekonferenzen kommt man eben auch mit Kollegen zusammen. Überhaupt lege ich sehr viel Wert auf persönlichen Kontakt.

 

Woman

 

Kommen wir zu deinem Blog, “Hunga, miad & koid”.  Neben deiner Arbeit als Redakteurin für die WOMAN bloggst du seit 2017 auf deinem Blog über die lustigen Geschichten deines Alltags. Warum hast du dich entschieden, einen eigenen Blog zu starten?

Ich wollte wieder mehr schreiben, unabhängig vom journalistischen Schreiben. Ich hab damals lange überlegt, weil viele Leute gesagt haben, “Blogs sind tot”. Mich hat auch gehemmt, dass ich gedacht habe, ich muss zu jedem Beitrag ein Foto veröffentlichen. Ich wollte es aber trotzdem gerne machen, habe angefangen zu schreiben und es hat sich relativ schnell herauskristallisiert, wie ich es mache. Ich wollte keinen klassischen Lifestyleblog, sondern das Schreiben sollte im Fokus stehen.

Ich glaube einfach das, was man gerne tut, kommt auch gut an. Mir macht das Bloggen einfach Spaß, es ist kein Zwang dahinter. Oft passiert daher auch wochenlang nichts, weil ich keinen festen Rhythmus habe. Ich habe auch noch nie an die Kommerzialisierung meines Blogs gedacht, darum geht es mir gar nicht.

 

 

Blog Hunga, miad & koid

 

 

Journalistische Arbeit vs. Bloggen: Was ist für dich der Unterschied zwischen dem Bloggen und dem journalistischen Schreiben? Wofür schlägt dein Herz mehr?

Der größte Unterschied: Ich muss mich am Blog nicht 1.000%ig daran halten, wie es wirklich war. Ich lass mich natürlich vom Alltag inspirieren, aber ich nehme mir auch die Freiheit heraus, Erzählungen von Freunden einzuflechten. Mein Blog ist nicht zu hundert Prozent autobiographisch, er ist keine Berichterstattung aus meinem Leben, das verwechseln manchmal einige. Wenn ich einen Post schreibe, schau ich nicht auf die Uhr, denn ich hab da keinen Stress dabei. Manchmal brauche ich fünf Minuten, manchmal länger. Wie es mir gerade Spaß macht und die Zeit da ist.

 

Hast du noch einen Abschluss-Tipp zum Thema Interview-Führung? 

Ich recherchiere natürlich vorab zu der Person, versuche herauszufinden, was sie beschäftigt und bewegt, weil es hilft nichts, wenn ich mit einem Thema daherkomme, mit dem das Gegenüber gar nichts anfangen kann. Ich  hab einen Leitfaden dabei, der zur Orientierung dient, aber lass mich beim Interview selbst sehr auf die Person ein. Wenn man merkt, dass jemand bei einem bestimmten Thema aufgeht und mit einem anderen wiederum nichts anfangen kann, wäre es ja nicht sehr geschickt, sich aufs zweite zu stürzen, nur weil man’s für sich im Vorhinein vielleicht so geplant hat. Das Format “Nighttalk” in der WOMAN führe ich als Facebook-Interview und hier ergibt eine spezielle Dynamik durch das Chatten. Für den Fotograf machen wir uns dann eigene Termine aus, bei denen ich auch dabei bin.

 

Wen würdest du unbedingt gerne noch interviewen?

Nina Proll! Auch Jane Fonda fände ich sehr spannend. Matthias Schweighöfer hätte ich ebenfalls sehr gerne im Gespräch. Die Liste könnte ich ewig fortführen, weil ich mich einfach für Menschen interessiere. Es gibt so viele, die etwas Gescheites oder Inspirierendes zu sagen haben.

 

Liebe Kathi, vielen Dank für das aufschlussreiche Interview! Ich freue mich sehr, dass du Zeit dafür gefunden hast.

 

 

PR-Geschichten-auswählen3

 

 

Ähnliche Beiträge

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.