Bei Journalisten nachspioniert – Heute im Interview: Kristina Inhof, ORF

Kristina Inhof ist die sympathische Sportreporterin und Moderatorin des ORF, die viele noch von der Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich kennen. Als Field-Reporterin bittet sie regelmäßig Fußballer und Trainer zu Interviews. Die 28-Jährige hat außerdem bereits an der Seite von Andi Knoll die Live-Shows von “Die große Chance der Chöre” moderiert und Karrierestationen bei den Fernsehsendern W24, PULS4 und Sky Sport News hinter sich. Im Blog-Interview hat Kristina Inhof mir erzählt, wie sie zu ihrem Beruf als Sportreporterin gekommen ist, wie ihr Alltag als Sportjournalistin aussieht und wie es ihr als Frau in der Männerdomäne Fußball geht.

Kristina Inhof ORF
Kristina Inhof, ORF

Frau Inhof, Sie haben bereits sehr jung, mit 23 Jahren, beim Fernsehsender W24 als Moderatorin begonnen und von da an eine steile TV-Karriere hingelegt. Wie sind Sie zum Sportjournalismus gekommen?

Danke für das nette Kompliment und prinzipiell das Interesse an meiner Person! Die Sportrichtung habe ich eingeschlagen, da ich von 2009 bis 2012 in Wien Sportwissenschaften studiert hab (abgeschlossen) und direkt nach dem Studium auf ein PULS4-Casting für die UEFA Champions League aufmerksam wurde. Das Casting hab ich gewonnen und durfte ab Herbst 2012 mit meinen Kollegen die Fußballspiele der Champions League präsentieren.

 

Frauen haben es im Sportjournalismus nicht immer unbedingt leicht. Wie geht es Ihnen in der Männerdomäne Fußball – zum einen mit den Sportlern und den vielen männlichen Fans da draußen und zum anderen in der (so nehme ich an) männerdominierten Redaktion?
Erst letztens habe ich eine Journalisten-Kollegin mit zu einer Bundesliga-Produktion genommen, weil sie das ganze Mal hinter den Kulissen erleben wollte. Von Regie-Besprechung bis hin zu den Interviews mit den Spielern usw. Sie war richtig erstaunt, dass ich tatsächlich die einzige Frau bei dieser Produktion mit insgesamt 20 Personen war. Für mich ist das aber nix Neues und ich hab mich schon längst dran gewöhnt, dass wir Frauen im Team in der Unterzahl sind. Vermutlich ist dieser Job auch nur für Frauen gemacht, die mit solch einer Situation gut umgehen können und sich in dem männerdominierten Metier wohlfühlen. Meine Kollegen schätzen mich aber genauso wie jeden anderen im Team auch, wobei ich im Laufe der Zeit gelernt hab, auf diverse Sprüche und Witze schlagfertig zu antworten. Bei den Sportlern bemerke ich keinerlei Probleme, ich denke weder gehen sie mit mir sanfter um noch hauen sie verbal mehr drauf als bei einem Mann. Wenn sie emotional aufgeladen sind nach einem Spiel und das raus muss, dann kann es auch mal mich erwischen.

 

Sie stehen als Field-Reporterin viel am Spielfeld und haben bereits jede Menge Interviews gemacht. Was haben Sie dabei gelernt? Haben Sie einen Geheimtrick für Interviews?
Grundsätzlich kann ich jetzt, nach knapp über einem Jahr solcher Field-Reporter-Interviews sagen, dass ich durch das Learning-by-Doing am meisten gelernt habe. Und in einem Jahr lernt man wirklich viel. Da hat man mal tolle Interviews, mal miese Interviews, mal eine Schlagzeile im Web weil ein Sportler bei mir grantig war und und und! Aber im Prinzip macht die Erfahrung das Meiste aus und es schadet natürlich nicht, dass mich die meisten Spieler und Trainer nach diesem einen Jahr schon kennen und wissen, was sie erwartet. Weil böse Fragen stelle ich nicht. Ich stelle kritische Fragen, aber bohre nicht in offenen Wunden herum. Das ist nicht mein Stil.

 

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag als Sportjournalistin aus?
Extrem unregelmäßig. Wobei eines kann ich mit Sicherheit sagen: Ich arbeite fast jedes Wochenende. Denn Sport findet dann statt, wenn die Mehrheit der Leute frei hat um zuzuschauen. Also Abends und am Wochenende. Für mich ist das aber ok, ich mag es gerne dafür mal Montag oder Mittwoch untertags freizuhaben und meine Termine erledigen zu können. Wenn ich Abends z.B. eine Studio-Sendung hab wie die Champions League News in der Zib24, komme ich gegen 17/18 Uhr ins Büro am Küniglberg, bereite mich auf die Partien durch Internetrecherche vor, gehe meistens noch vor dem Anpfiff in die Maske um dann um 20:45 Uhr die Matches zu schauen. Parallel dazu schreibe ich schon an meinen Moderationen und bin dann je nachdem wann die Zib24 beginnt (rund um Mitternacht) kurz vor Sendebeginn im Studio. Bei Außenproduktionen wie z.B. der Bundesliga haben wir ca. 3 Stunden vor Anpfiff Treffpunkt im Stadion, Regiebesprechung, individuelle Vorbereitungszeit und dann starten auch schon Interviews, sowie der Sendevorlauf live on air. Aber die meiste Arbeit ergibt sich für mich als Field Reporterin erst während (Halbzeitpause) / nach dem Match, weil dann die meisten Interviews zu machen sind.

 

Wie recherchieren Sie? Besuchen Sie auch Pressekonferenzen, etwa von Fußballvereinen?
Das Internet ist doch heutzutage die beste Methode um schnell an Infos zu kommen. Mittlerweile übertragen viele Teams ihre Pressekonferenzen sogar schon Live auf den Social Media Plattformen, so dass man gar nicht mehr hin muss. 😉 Aber je nach Möglichkeit, besuche ich natürlich auch solche Sport-Termine.

 

Welche Erfahrungen haben Sie mit Pressesprechern und PR-Leuten gemacht? Haben Sie Wünsche und Anregungen?
Ich kann nur über die Pressesprecher der Fußball-Vereine in Österreich sprechen und finde das lockere Verhältnis, das da zu den Journalisten gepflegt wird, sehr ansprechend. Man ist sofort per Du, es wird versucht, den TV Stationen entgegen zu kommen und alle angefragten Interview-Partner zur Verfügung zu stellen. Ich habe also noch keine einzige negative Erfahrung gemacht.

 

Sie sind auch auf Social Media sehr aktiv. Viele Journalistinnen werden dort tagtäglich mit Hasspostings, Shitstorms und Sexismus konfrontiert. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Gott sei Dank ist mir so etwas noch nie passiert, obwohl ich doch sehr nahbar für meine Social Media Fans bin. Ich poste auch private Fotos, solange nicht meine Familie mit drauf ist. Da ziehe ich eine klare Grenze. Familie und Partnerschaft sind Privatangelegenheit. Sonst dürfen mich meine Follower jedoch überall hin mitbegleiten. Ich schau doch auch gerne anderen Kollegen oder Celebrities beim Sportln, Ausgehen oder Urlauben zu. Daher pflege ich meine Social Media Kanäle sehr, weil es mir in erster Linie auch Spaß macht.

 

Herzlichen Dank für das flotte Interview und viel Erfolg und Spaß weiterhin auf Ihrer Laufbahn!

 

Weitere Infos unter:

 

Foto: Kristina Inhof (Copyright: ORF)

 

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