Influencer-Interview mit Viktoria Egger

Influencer-Interview mit Viktoria Egger

Viktoria Egger ist digital Consultant, Bloggerin und Influencer Marketing Expertin. In unserem Interview habe ich sie zu ihren besten Tipps und aktuellen Trends zum Thema Influencer Marketing und zu ihrer eigenen spannenden Geschichte als Bloggerin befragt.

Liebe Viktoria, du bloggst selbst schon sehr lange, zunächst auf modeltalk.at dann auf weibi.at, jetzt auf bohoquartier.com, aber auch auf deinem Agentur-Blog auf august.at. Erzähl doch bitte mal, warum du damals mit deinem ersten Blog gestartet bist. Was war die Intention dahinter?

Ich bin ein sehr technikaffiner und kommunikativer Mensch. Als ich 1995 meinen ersten Computer mit Internetanschluss vor mir hatte, bin ich schnell auf die Idee gekommen eigene Websites und Foren zu betreiben, um mein Wissen zu teilen und mich mit anderen zu verbinden. Allerdings kam ich immer wieder an meine technischen Grenzen. Gott sei Dank wurden mit der Zeit dann Programme und Plattformen veröffentlicht, welche es mir vereinfachten mich mit anderen online auszutauschen, aber vor allem auch meine Meinung zu teilen.  Myspace, Tumblr, Journaler & Co – wie sie alle hießen. 2007 nutzte ich dann das erste Mal WordPress und war schnell Feuer und Flamme. Dass das ein Blog werden würde, wurde mir erst mit der Installation klar und so habe ich anfangs mit Modeltalk.at einen Mode-/Models-Blog gehabt, welchen ich immer weiterentwickelt habe. Für 2020 plane ich vorrangig auf August.at über genau diese Verbindung zwischen Technologie und Kommunikation vermehrt zu bloggen.

Wie hat sich dein Blog dann weiterentwickelt und welche Auswirkungen hatte das Bloggen für dich?

Aus einem Spaß wurde mein Beruf. Der Blog hat mir ermöglicht sehr früh alle Online-Marketing-Tools auszuprobieren, die ich testen wollte. Sobald ich von etwas Neuem gehört habe, habe ich es auf meinem Blog installiert und ausprobiert. Das tue ich heute noch immer. Der Blog ist für mich auf der einen Seite ein Sprachrohr geworden, auf der anderen Seite aber eine Möglichkeit mich komplett dem zu widmen für das mein Herz brennt: Online Marketing. Es war immer eine Growth-Hacking-Basis für mich – nämlich die Seite mit dem ich alles, was ich lese, auch testen kann. Im Endeffekt hat der Blog mir ermöglicht zu einer Zeit in der es noch keine Ausbildungen in diesem Bereich gab, Dinge auszuprobieren und selbst zu erfahren, ob das funktionieren kann. Heute unterstützt es mich dabei, sowohl mein Wissen ständig zu erweitern, als auch Tools und Hacks auszuprobieren.  

Du hast dich ja bereits sehr früh – seit 2012 – beruflich und mit deiner Agentur August Digital aufs Influencer Marketing spezialisiert. Was interessiert dich daran besonders?

Grundsätzlich bin ich als digitale Consultant tätig und durch meine langjährige Erfahrung sowie mein Wissen rund um digitale Themen hab ich das Glück ein sehr breites Spektrum an digitalem Marketingwissen anbieten zu können. Influencer Marketing ist deswegen für mich interessant geworden, weil es Unternehmen ermöglicht, Themen und Produkte wie noch nie zuvor zu emotionalisieren. Influencer sind Meinungsbildner in ihren Communities. Sie können Themen und Produkte vorantreiben und als Teil von Growth Strategien schnell sowie vor allem qualitativ hochwertige Inhalte produzieren. Welche genau die Menschen ansprechen, die ich erreichen möchte. Es erfordert aber meiner Meinung nach auch sehr viel Feingefühl Influencer und Brands zusammenzuführen und gemeinsam Inhalte zu kreieren, welche wirklich das erreichen, was diese Kooperationen erreichen sollen. Das macht mir persönlich sehr viel Spaß. Genauso wie die Zusammenarbeit mit sehr kreativen Menschen, die einfach “ihr Ding” machen. In ihrem Gebiet Experten sind und Emotionen von tausenden Menschen bewegen können. Dazu gehört aber auch eine gewisse Verantwortung, weswegen ich heute nicht für jedes Unternehmen Influencer Marketing anbiete und auch mehr die etwas schwierigeren Kommunikationsthemen annehme als vielleicht andere.  

 

Viktoria Egger
Viktoria Egger (© Katharina Axmann)

 

Was macht aus deiner Sicht einen „guten“ Influencer aus? Worauf achtest du, wenn du Influencer für Unternehmenskooperationen auswählst?

Ein guter Influencer passt zu meinem Marketingziel wie die Faust aufs Auge. Ganz egal, ob ich jemanden möchte, der genau in der Bildsprache des Unternehmens spricht oder ich gerade eher anecken möchte und mir deswegen einen bestimmten Influencer suche. Sobald die Inhalte zum Ziel passen, sehe ich mir die Community an, die Zahlen, die dahinter stehen und dann wird direkt mit diesem Influencer gesprochen. Was mir persönlich wichtig ist, ist, dass ihnen wirklich das Unternehmen sowie Thema liegt und sie nicht eine Kooperation ausschließlich wegen dem Geld eingehen. Das ist oft schwierig, von Vorneherein die Motivation festzustellen bzw. herauszufinden. Vor allem bei Mikro-Influencern. Weswegen wir in der Zwischenzeit oft erst im zweiten oder dritten Kontakt wegen Kooperationen anfragen. 

Was sind für dich die 3 wichtigsten Punkte für gutes Influencer Marketing? Welche Ratschläge würdest du Unternehmen dazu geben?

  1. Überprüfen, ob Influencer Marketing das Tool ist, welche man einsetzen sollte oder ob man zuerst andere Hausaufgaben in seiner Online-Marketing-Strategie zu finalisieren hat
  2. Strategische Planung ist das Um und Auf – dabei unbedingt realistisch sein
  3. Grundsätzlich langfristig planen und regelmäßig mit Influencern in Kontakt stehen. So kann man sich auch in nicht so gut besetzten Gebieten eine “Influencer Crew” aufbauen

Wie entwickelt sich die Influencer-Marketing-Branche aus deiner Sicht gerade? Welche Trends siehst du?

Derzeit tut sich sehr viel. Die Zeit in der die Influencer-Plattformen wie die Pilze vom Boden schossen sind aber langsam wieder vorbei. Influencer Ads sind heute ganz normaler Bestandteil im Online Marketing. Langsam kommen aber viele darauf, dass es einen Unterschied darin gibt, ob ich Werbung durch Gutscheincodes mit Influencern mache oder ob ich wirklich Beziehungen mit ihnen aufbaue, interessante Inhalte mit ihnen gestalte, sie als Content Creators einsetze oder ich sie bei der Produkterstellung mitwirken lasse. Das Thema Content Creation wird seit einiger Zeit auch bei uns immer größer, da viele Influencer ihre Arbeit als Creator anbieten und somit Inhalte sehr schnell und professionell erstellt werden können. Immer mehr Agenturen sourcen diese Arbeiten erfolgreich an Influencer Creators aus.

Wann rätst du Unternehmen von Influencer Marketing ab?

Nachdem ich als Beraterin oft im Unternehmen bin, sehe ich sehr viele andere Baustellen, die vor dem Einsatz von Influencer Marketing sinnvoll wären.  Vor allem dann, wenn Unternehmen ihren digitalen Auftritt noch nicht richtig an die Bedürfnisse der Zielgruppe angepasst haben oder das Produkt noch nicht soweit ist, dass man sinnvoll mit Influencern arbeiten kann. In solchen Fällen rate ich ab. Oftmals passiert es auch, dass komplizierte und erklärungsbedürftige Themen mit zu wenig Budget hinterlegt werden. Das geht meistens schief, weswegen ich hier dann oft absage. Oder die Marketingabteilung wagt einen Versuch, ohne an einen Erfolg zu glauben – was bekannterweise auch nicht wirklich sinnvoll ist. 

Du berätst ja auch Blogger und Influencer – ist es in diesem Berufsfeld zuletzt schwieriger geworden und warum? Hast du einen speziellen Tipp für Influencer, den du immer wieder gibst?

In meinen Augen ist es für Blogger und Influencer viel leichter geworden:  Es werden Budgets freigegeben, die Unternehmen verstehen was man tut und es gibt eine Menge Agenturen und Berater die hier tätig sind. Das sind die besten Voraussetzungen, um ein Business daraus zu machen. Ein Problem vieler ist, dass sie sich nicht als Unternehmer wahrnehmen oder auch gar keine sind. Ich glaube eine Grundsatzfrage ist, ob man Geld verdienen möchte oder nicht. Und wenn man Geld verdienen möchte, dass man sich auch hier entscheidet wie ein/e UnternehmerIn zu agieren. Und dann geht es darum sich nicht auf die Spitzen der Eisberge der anderen zu konzentrieren, sondern darum die Arbeit zu tun, die man als UnternehmerIn tun muss. Dazu gehört es auch seine eigene UVP (unique value proposition) zu kreieren und nicht andere zu kopieren und zu glauben, dass weil diese so erfolgreich sind, man es auch auf die Art sein kann. Influencer leben davon, dass sie 100% sie selbst sind und das tun, von dem sie überzeugt sind. 

Deswegen hier 2 Dinge, von denen ich überzeugt bin, dass sie wichtig sind: 1. Entscheide, ob du das als Hobby oder Beruf betreibst. 2. Mache dein Ding und kopiere nicht. Inspiration ist okay, aber kopieren führt nicht zum Erfolg. 

Herzlichen Dank für das Interview!

Danke Dir!

 

 

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