Jobtitle PR-Lady? – Annäherung an eine problematische Bezeichnung

In Zeiten, in denen #girlboss in aller Munde ist, scheint auch die “PR-Lady” wieder häufiger aufzutauchen. Zugegeben: Eine Stellenausschreibung, in der explizit nach einer “PR-Lady” gesucht wird, wird man zwar so schnell nicht finden, der Begriff findet sich aber sehr wohl regelmäßig in den Medien oder besser gesagt in den einschlägigen Klatschspalten. Neben der PR-Lady scheint auch noch die PR-Tante, das PR-Mädl oder gar die PR-Tussi herumzuschwirren. Ist das nötig? Man spricht ja auch nicht von PR-Lords, PR-Onkeln, PR-Burschen oder PR-Machos. Oder von der Journalisten-Lady oder der Grafiker-Tante. Für mich selbst würde ich die Bezeichnung PR-Lady niemals wollen und ich glaube, dass es den meisten Kolleginnen genauso geht. Ich hab mich auf die Spuren dieser Bezeichnung begeben, weil sie mich stört und weil ich sie unfair und herablassend finde, auch ohne Ultra-Feministin zu sein.

Unfair, weil sie verniedlicht, was eine erfahrene PR-Expertin tut. Sie ist schließlich keine edle Dame, deren Aufgaben nur das Schwelgen im Luxus, Feiern von Partys und Repräsentieren ihrer selbst sind, wie der Begriff “PR-Lady” ein wenig impliziert. Ein Job in der PR ist keinesfalls ein Job, der einem nichts abverlangt, außer fein und vornehm zu sein. Da kommen wir schon zur ersten Ursache, den Vorurteilen:

 

Vorurteile gegenüber der PR-Branche

Auf ihren Highheels stöckelt sie Prosecco schlürfend durch die Agentur, um mit ihren Kolleginnen den neuesten Gossip zu tauschen. Sie läuft regelmäßig bei Events auf und macht Party mit Promis. Das sind typische Klischees über das Leben in der PR. Die gängigen Vorstellungen von einer glänzenden PR-Welt werden nicht zuletzt von Hollywood-Filmen und Fernsehserien erzeugt. Natürlich feiern PR-Leute auch mal – etwa einen gewonnen Pitch, einen erhaltenen PR-Award, den Geburtstag der Chefin – aber ich denke nicht mehr als in anderen Branchen auch.

 

Unklare Berufsbezeichnung in der PR

PR-Leute haben mit einem Problem zu kämpfen: Es gibt keine klare Berufsbezeichnung für sie! Während Ärztinnen, Anwältinnen, Gärtnerinnen, Journalistinnen und Fotografinnen einen genauen Jobtitle haben, müssen wir von uns selbst als PR-Leuten, PR-Menschen, PR-Profis, PR-Managern, PR-Beratern, Communications Managern oder Pressesprechern sprechen, um nur einige zu nennen. Es sollte uns zu denken geben, dass ausgerechnet wir Experten für Kommunikationsarbeit selbst keinen eigenen Überbegriff für unseren Beruf definiert haben.

 

Manche akzeptieren & forcieren den Begriff

Ich denke, dass es die meisten Kolleginnen stört, wenn sie mit “PR-Lady” tituliert werden. Es gibt aber tatsächlich PR-Frauen, die sich am Begriff “PR-Lady” nicht stören und sich sogar selbst aktiv als solche bezeichnen. Es sind aber meist Damen eher älteren Semesters und seltener die junge Generation, wobei ich auch solche Fälle schon gesehen habe. So stößt man beim Googeln etwa sehr oft auf eine gewisse PR-Lady von einer Wiener Luxus-PR-Agentur. Auch eine ehemalige Chefin von mir taucht als singende PR-Lady regelmäßig in den Gazetten auf. Zuletzt machte eine bekannte Schönheitssalon-Besitzerin auf sich aufmerksam, die auch mit einer eigenen Agentur durchstarten will. 

 

Sprachgebrauch & Gleichberichtigungsdebatte

Sprache prägt unsere Vorstellung. Und trotzdem bin ich kein Fan des übertriebenen Genderns. Der Fall hier ist aber anderes, denn es geht nicht darum, die weibliche Version einer Berufsbezeichnung zu finden, sondern darum, dass für die Frauen in der PR eigens neue Begriffe geschaffen wurden, eben die oben genannten. Liegt es vielleicht auch daran, dass in der PR mehr Frauen arbeiten als Männer? Mit den Begriffen “PR-Lady” & Co. werden aber Frauen in der PR degradiert und verniedlicht. Wer tiefer in diese Thematik einsteigen will, dem empfehle ich den Text Ich bin so eine PR-Tante, und du? auf Edition F.

 

Eine mögliche Lösung

Vielleicht sollten wir schlicht und einfach “PR-Frau” sagen, wenn schon hervorgehoben werden muss, dass es um eine Frau geht. Oder ganz einfach und noch besser “PR-Expertin”! Mich würden jetzt eure Erfahrungen mit dem Begriff “PR-Lady” interessieren: Seid ihr schonmal so bezeichnet worden? Könnt ihr diesen Begriff akzeptieren oder stört ihr euch auch so daran wie ich? Hinterlasst mir gerne einen Kommentar, lasst uns darüber diskutieren!

 

Foto: Pixabay.com Pinterest-Grafik Jobtitle PR-Lady

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  • Hey,
    vielen Dank für deinen Beitrag. Er hat mich wirklich zum Nachdenken angeregt 🙂
    Ich stehe dem Begriff PR-Lady relativ neutral gegenüber. Viel schlimmer finde ich PR-Tante, NOCH schlimmer Presse-Tante.
    Ob man nun PR-Frau oder PR-Lady sagt, das macht für mich keinen großen Unterschied. Aber das ist ja auch echt ganz persönliche Meinung.
    Mir ist der Begriff PR-ManagerIn am liebsten. Kommunikationsexpertin finde ich auch OK.
    Viele Grüße
    Verena

    • Danke für deine Meinung, Verena! Spannend!
      Vielleicht ist es auch ein bisschen ortsabhängig, wie man das auffasst. Je nachdem welche Konnotationen man mit dem Begriff hat.
      Wie auch immer, es soll sich niemand persönlich angegriffen fühlen, jeder wie er mag.

      Ich freue mich jedenfalls, wenn ich zum Nachdenken anregen kann. 😉
      Liebe Grüße, Sylvia

  • Liebe Sylvia,
    Super, dass du das Thema aufgegriffen hast. Mich stört diese Bezeichnung enorm, denn sie verniedlicht und spricht uns Pr-expertinnen die Professionalität ab. Eine österreichische Frauenzeitung schreibt durchwegs von PR-LADIES, was ich umso befremdlicher finde, als diese Zeitschrift sich an emanzipierte Frauen richtet. Als jemand, der eine fachspezifische Ausbildung hat und seit Jahren in der Öffentlichkeitsarbeit arbeitet, möchte ich als PR-Expertin oder PR- Fachfrau bezeichnet werden.

    • Liebe Christine,

      danke für deine Zeilen! Du hast recht, da haben wir eh schon Mal drüber diskutiert. 😉

      Liebe Grüße, Sylvia