Was man über die neue Nachhaltigkeitsberichterstattung wissen muss

Was man über die neue Nachhaltigkeitsberichterstattung wissen muss

Seit Anfang 2017 ist die Nachhaltigkeitsberichtserstattung in der EU für bestimmte Unternehmen Pflicht. Unternehmen müssen darin transparent darlegen, welche Auswirkungen ihre Arbeit auf Umwelt, Soziales und die Gesellschaft hat. In Österreich sind Schätzungen von RespACT (Austrian Business Council for sustainable development) zufolge rund 125 Unternehmen von der Offenlegung nicht-finanzieller Informationen betroffen. Ich hab mir mal angeschaut, welche Arten von Unternehmen einen Nachhaltigkeitsbericht vorlegen müssen und was eigentlich verlangt wird.

Hier sind die wichtigsten Fakten in Kürze:

 

Was ist ein Nachhaltigkeitsbericht?

Der Nachhaltigkeitsbericht ist wie der Geschäftsbericht ein Bestandteil der Informationspolitik eines Unternehmens. Er informiert die Stakeholder über ökonomische, ökologische und soziale Aspekte des Unternehmens. Damit ist er auch Instrument der Unternehmenskommunikation und dient der Kommunikation positiver und negativer Auswirkungen der Nachhaltigkeit. 

Nachhaltigkeitsberichte sind Nachfolger der Umweltberichte und etablierten sich im deutschsprachigen Raum Ende der 1990er Jahre. Mit einem Nachhaltigkeitsbericht lassen sich zugleich auch Nachhaltigkeitsmaßnahmen im Betrieb steuern und weiterentwickeln. 

 

Wer muss einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen?

Die EU gibt vor, dass große Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern und Unternehmen im öffentlichen Interesse ab dem Geschäftsjahr 2017 zu einem Nachhaltigkeitsbericht verpflichtet sind. Unternehmen im öffentlichem Interesse meint etwa kapitalmarktorientierte Unternehmen, Banken und Versicherungen. Die Bilanzsumme an zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren muss über 20 Mio. Euro und / oder Umsatzerlöse über 40 Mio. Euro aufweisen. Unternehmen, die in den Konzernabschluss ihres Mutterunternehmens mit Sitz in der EU einbezogen sind, sind von der Pflicht befreit (Konzernklausel).

Aber auch für Klein- und Mittelunternehmen kann der Nachhaltigkeitsbericht zu einem Thema werden, obwohl sie nicht direkt von der Berichtspflicht erfasst werden. Als Lieferanten von berichtspflichtigen Unternehmen können sie indirekt von den Richtlinien betroffen sein, wenn diese bestimmte Kennzahlen zur Nachhaltigkeit einfordern.

 

Worüber muss berichtet werden?

Die EU-Richtlinie und wichtige Berichterstattungsstandards wie die Global Reporting Initiative (GRI) und der UN Global Compact geben folgende Themen vor:

  • Umwelt
  • Soziales
  • Mitarbeiter
  • Menschenrechte
  • Lieferkette und Lieferantenbeziehungen
  • Anti-Korruptionspolitik
  • Diversität

Hierbei sollte über speziell über Belange berichtet werden, die relevant für die Geschäftstätigkeit sind, und auf Konzepte, Risiken und Ergebnisse eingegangen werden. Auch die Auswahl der Themen muss transparent gemacht werden.

 

Wie soll berichtet werden?

Der Nachhaltigkeitsbericht kann in den jährlichen Lagebericht integriert werden, als gesonderter Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht werden, oder die Angaben zur nichtfinanziellen Erklärung wird dem Geschäftsbericht beigelegt. Es muss jährlich berichtet werden. Es gilt das “Comply or Explain”-Prinzip, wonach Unternehmen, die über geforderte Themen keine Angaben machen, klar begründen müssen, warum das für sie nicht relevant ist. Der Berichtsrahmen kann frei gewählt werden, jedoch muss man eine Angabe darüber machen, welchen Rahmen man verwendet. Ein beliebtes Berichterstattungssystem ist beispielsweise die Global Reporting Initiative (GRI). 80 Prozent aller Unternehmen weltweit, die Nachhaltigkeitsberichte erfassen, arbeiten mit den GRI Standards.

respACT bietet auf ihrer Website einen praktischen Leitfaden zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Dort wird der Weg zu einem solchen Report in sechs Schritten anschaulich erklärt, von der Vision und Strategie bis hin zum Gestalten und Verbreiten.

Den Bericht bieten viele Unternehmen mittlerweile vor allem als Online-Version an und agieren so zugleich ressourcenschonend. Oder sie bieten eine knappe Print-Zusammenfassung an und stellen den kompletten Bericht samt Tabellen und weiteren Details ins Internet.

 

PR für die Nachhaltigkeitsberichtserstattung

Den fertigen Bericht sollte man bei seinen Interessengruppen bekannt machen und kann ihn auch als PR-Instrument einsetzen. Aber: Nachhaltigkeit muss jeden Tag aufs Neue glaubwürdig gelebt werden und sollte integraler Bestandteil der gesamten Unternehmenskommunikation sein. Es reicht nicht, einen schönen Bericht zu verfassen, wenn die Anspruchsgruppen am Engagement des Unternehmens für Nachhaltigkeit zweifeln.

Schon in der Konzeptionsphase sollte überlegt werden, wer die strategisch wichtigen Stakeholder sind, an die der Bericht gerichtet ist, etwa Kunden, Verbände und NGOs, Investoren, Politiker, Medien, aber auch die eigenen Mitarbeiter. Mit der Verbreitung des Berichtes wird idealerweise gleich zu einem Dialog über das Nachhaltigkeitsengagement des Unternehmens eingeladen. Der fertige Bericht kann dann etwa im Rahmen einer Pressekonferenz den Medien vorgestellt werden oder durch eine Presseaussendung, bei einer Mitarbeiterveranstaltung oder einem Kundenevent oder er wird bei einem Tag der offenen Tür verteilt.

 

Zum Weiterlesen:

 

Foto: Unsplash.com

 

 



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.