PR 101 – So kommst du auf den Radar von Journalisten

Presseberichte sind sehr wertvoll für Selbständige und Kleinunternehmer, denn der Wert eines unabhängigen journalistischen Beitrags wird im Allgemeinen als sehr hoch anerkannt. Viele Unternehmer machen sich selbst auch einen gewissen Druck: “Jetzt muss dann bald die Presse über mich schreiben” oder “Wie lange dauert denn das bis zum ersten Abdruck in einer Zeitung?” hab ich schon das eine oder andere Mal von meinen Kunden gehört.

Die wichtigste Botschaft, die ich dir heute mitgeben will, lautet: Habe Geduld!

 

PR ist keine schnelle Lösung sondern es dauert eben meist ein wenig, bis man erste Resultate sieht. Deswegen heißt es auch Public Relations, die Beziehungen zur Öffentlichkeit. Beziehungsaufbau und langfristiges Denken ist in der Pressearbeit daher ganz wichtig. Worüber berichtet wird, entscheidet alleine der Redakteur bzw. die Redaktionsmannschaft und liegt nicht in deiner Hand.

Journalisten warten nicht darauf, dass sie endlich über dich schreiben können. Wenn du schnelle Lösungen sehen willst, musst du Geld in die Hand nehmen und Anzeigen oder Advertorials (ähnlich einem redaktionellen Beitrag, aber bezahlt) schalten. In der Regel haben Journalisten mehr als genug Inhalte, über die sie schreiben können und wollen keine kostenlose Werbung für dich machen. Jeden Tag flattern mehr als hundert Pressemitteilungen in ihren Posteingang, sie warten daher bestimmt nicht auf eine weitere Pressemitteilung, die zufällig von dir daher kommt.

Viel mehr ist es so, dass Redakteure einen Redaktionsplan mit thematischen Schwerpunkten haben, sowie je nach Art des Mediums natürlich auch über tagesaktuelles Geschehen berichten. Das bedeutet, sie wissen genau, worüber sie schreiben wollen und was sie gerade dafür brauchen, und was nicht. In der Redaktionssitzung setzen sich die Redakteure eines Mediums regelmäßig zusammen und besprechen die geplanten Inhalte. Das kann täglich sein, etwa bei einer Tageszeitung oder der Newsredaktion eines TV-Senders, oder wöchentlich oder monatlich etwa bei Magazinen, Fachmedien oder längerfristig geplanten Sendungen.

Redakteure haben somit einen Plan, worüber sie schreiben werden und machen sich dann an die Recherche nach Informationen, Experten und Fällen, über die sie berichten können. Jetzt wäre es ganz gut, wenn sie dich auf ihrem Radar hätten um über dich zu schreiben! Und wie du das schaffen kannst, möchte ich dir in diesem Beitrag skizzieren.

 

Achte auf eine gute digitale Auffindbarkeit

Auch Journalisten googeln, ums zu recherchieren. Wenn sie bei ihrer Suche auf dich und dein Unternehmen stoßen und dort finden, wonach sie gesucht haben, etwa einen Experten zu einem Thema oder Fallbeispiele: Bingo! Das bedeutet, dass du unbedingt darauf achten solltest, dass du dein Business im Netz optimal präsentierst. Mit einer klaren Website, mit Social Media Präsenzen, die kontinuierlich und gut bespielt sind in dem Sinne, dass erkenntlich ist, wofür du stehst und welchen Mehrwert du bieten kannst.

Das unverzichtbarste Instrument für eine gute digitale Sichtbarkeit ist meiner Meinung nach jedoch ein Blog. Warum? In deinem Blog kannst du dich immer wieder mit Texten zu deinem Thema äußern und baust dir damit einen Status als Thought Leader auf. Das gilt übrigens nicht nur für Dienstleister jeglicher Art, sondern auch für kleine Unternehmen: Bist du zum Beispiel die Inhaberin eines Shops für Yogazubehör und bespielst deinen Blog laufend mit Informationen rund um das Thema Yoga, wirst auch du zum sichtbaren Experten dafür. Wichtig ist jedoch, laufend hochwertige Inhalte zu erstellen und diese auch so zu optimieren, dass Suchmaschinen sie leicht finden können.

 

Trete selbst in den Radar von Journalisten

Die zweite Möglichkeit ist, sich aktiv in das Sichtfeld von Journalisten zu bewegen. Dazu recherchierst du in einem ersten Schritt, welche Medien überhaupt für dich von Nutzen wären. Gibt es etwa Fachmedien in deinem Bereich? Oder Zeitungen, Magazine oder Wochenendbeilagen, wo du mit deiner Geschichte ganz gut dazu passen könntest? Denke unbedingt auch an Online-Medien und große Blogs und Blogazine.

Versuche nicht stur daran zu denken, dein Business in der Presse zu promoten, sondern versuch auch ein Gespür dafür zu bekommen, worüber in dem jeweiligen Medium berichtet wird und denk dann um die Ecke. Könntest du etwa irgendwo deine Expertise anbieten? Oder passt deine Hintergrundgeschichte in einem speziellem Medium ganz gut dazu? Hast du eine starke Meinung zu einem Thema oder launchst du demnächst ein Produkt, um das du eine Story erzählen kannst?

Wenn du geeignete Medien gefunden hast, recherchierst du das Ressort, das über dich schreiben sollte und identifizierst ein bis zwei zuständige Redakteure mittels Impressum oder auf der Website. Schau, ob diese Redakteure auf Twitter unterwegs sind und folge ihnen dort. Twitter ist meiner Meinung nach der beste Social Media Kanal, um Kontakte zu Journalisten aufzubauen. In manch einem Fall lohnt sich aber auch die Recherche auf Facebook. Interagiere dann regelmäßig mit den Posts der Journalisten, in dem du Kommentare schreibst oder ihre Tweets retweetest. Aber bitte: Mach es sehr dezent und nett und nicht penetrant und lästig! Versuch einfach, dir einen freundlichen Kontakt aufzubauen und ins Gedächtnis des Journalisten zu kommen.

Manch einer von den Journalisten kündigt es auch an, wenn er auf der Suche nach Quellen ist. Wenn dann etwas für dich passendes dabei ist und du gleich reagieren und dich anbieten kannst, bist du schon einen großen Schritt weiter gekommen. Du kannst auf Twitter auch Listen anlegen, in die du alle für dich relevanten Journalisten hinzufügst. So kannst du schneller auf ihre Tweets reagieren.

Du kannst natürlich auch hergehen und einen Journalisten eines für dich besonders wichtigen Mediums auch versuchen, persönlich kennenzulernen. Schlage einfach freundlich ein Treffen vor, bei dem du von deinem Business erzählen kannst und auch versuchst herauszufinden, welche Punkte für den Journalisten besonders interessant sein könnten für eine spätere Berichterstattung. Journalisten sind viel beschäftigte, meist unter Zeitdruck stehende Menschen, daher wird diese Vorgangsweise nicht überall passend sein. Aber gerade bei Fachmagazinen oder thematischen Medien kann das durchaus ein gangbarer Weg sein.

 

Finde passende Anlässe für deine PR

Wie oben schon beschrieben, arbeiten Journalisten mit Redaktionsplänen. Die rücken sie natürlich nicht raus, aber viele Medien geben zumindest ihre Themenpläne für Sonderthemen auf Anfrage her oder stellen sie auf ihre Website. Themenpläne nutzen viele Medien, um thematische Schwerpunkte in ihre Berichterstattung zu bringen, nicht zuletzt, um damit auch Anzeigenkunden zu gewinnen. Schau also, ob du Themenpläne deiner Wunschmedien auftreiben kannst. Such etwa auf der Website unter “Mediadaten”, “Anzeigen” oder “Über uns” und dergleichen. Wirst du nicht fündig, dann ruf in der Redaktion (nicht beim Journalisten) an und bitte um den Themenplan. Hast du dann den Themenplan, findest du heraus, ob ein geeigneter Schwerpunkt dabei ist und dann nimmst du rechtzeitig Kontakt mit dem zuständigen Redakteur auf und schlägst dein Thema vor.

Ist gar nichts für dich dabei, dann recherchiere nach allgemeinen Anlässen, die zu deinem Thema passen: An welche internationalen Tage, geplanten Großereignisse oder Branchen-Updates könntest du dich mit einer passenden Geschichte rund um dein Business anhängen? Wenn du einen geeigneten Anlass gefunden hast, pitche dein Thema rund um diesen Anlass ebenfalls an den Journalisten deiner Wahl, sprich: Schreib ihm ein Mail mit deinem Themenvorschlag und biete dich für ein Interview oder für eine Zusammenarbeit an.

 

Schaffe selbst PR-Anlässe

Jetzt kommen wir in einen Bereich, bei dem du besser von der Erfahrung eines PR-Profis profitieren kannst, als selbst “herumzupfuschen”: der PR-Anlass, nicht zu verwechseln mit dem gemeinen “PR-Gag”. Ein PR-Anlass ist etwas, das du machst, um damit Presseberichterstattung zu bekommen und hier darf und soll man unbedingt kreativ werden. Daher ist es auch schwierig, hier etwas Allgemeines zu schreiben. Überlege dir, wie du dein Unternehmen, ein Thema, ein Produkt mit einem Anlass verknüpfen kannst, über den die Presse schreiben will. Das kann anfangen mit einem Event, zu dem du dann auch Journalisten einladest, oder eine Kampagne oder eine Aktion, die du veranstaltest, und so weiter. So ein PR-Anlass sollte gut durchdacht sein, um auch wirklich für Journalisten interessant zu sein, denn er ist oft mit viel Arbeit und / oder finanziellen Aufwendungen verbunden.

 

Biete dich an, wenn ein Thema in der Öffentlichkeit aufpoppt

Mein letzter Tipp für heute nennt sich im Fachterminus “Newsjacking”. Das bedeutet, dass du Themen rund um dein Business und generell die Nachrichten ständig verfolgst und wenn ein aktueller Fall eintritt, meldest du dich aktiv bei Journalisten und bietest deine Einschätzung oder dein Expertenwissen an. Das bedarf ebenfalls einer gewissen Geduld, bis ein Thema da ist, zu dem du Stellung beziehen kannst, dafür kann es dann ziemlich wirksam sein. Es gibt immer wieder Fälle, wo irgendein Ereignis eintritt und sich Menschen mit ihrem Expertenwissen dazu profilieren können und dann sogar von weiteren Medien angefragt werden, wenn sie erst einmal einem Journalisten Rede und Antwort gestanden sind.

Richte dir am besten Google Alerts ein, um zu deinen Themen am Laufenden zu sein und schnell reagieren zu können. Das ist kostenlos und unkompliziert. Auch bei Branchennews und allgemeinen Nachrichten solltest du logischerweise immer up-to-date sein.

 

Hier ist nochmals eine Schritt-für Schritt Zusammenfassung, wie du vorgehen kannst:

  1. Im ersten Schritt nimmst du dir deine digitalen Präsenzen vor und optimierst sie. Hast du schon einen Blog? Wenn nicht, ist jetzt vielleicht der richtige Zeitpunkt, einen zu starten!
  2. Im zweiten Schritt verschaffst du dir einen Überblick über die für dich passende Medienlandschaft und studierst die Publikationen eingehend.
  3. Dann baust du dir Kontakte zu den zuständigen Redakteuren auf. Beachte aber, dass das nicht in jedem Fall möglich sein wird.
  4. Recherchiere Themenanlässe oder schaffe PR-Anlässe
  5. Bleib up-to-date mit News und biete dich in einem geeigneten Fall als Ansprechpartner für Journalisten an

 

Hast du schon Erfahrung mit Pressearbeit gesammelt und ist schon über dich berichtet worden? Wie bist du es angegangen?

 

 

Foto: Kaboompics.com 

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