Ist PR eine Raketenwissenschaft oder kann das jetzt jeder selber machen?

Immer wieder taucht speziell unter kleinen Unternehmen und Start-ups die Frage auf: “Was ist eigentlich PR?” Viele glauben, PR ist eine Presseaussendung auszuschicken und spätestens am nächsten Tag ist sie in allen Medien abgedruckt und die TV-Sender rennen einem die Türen ein. Das kann doch gar nicht so schwer sein, denken viele PR-Laien.
 
Zeit, mal Klartext zu sprechen. Hier ist mein Plädoyer für uns PR-Leute! 

 

Do-it-yourself PR der letzte Schrei?

Wenn man sich aktuell so auf Social Media umschaut, bekommt man wirklich den Eindruck, das Selbstlerner-PR der neueste Trend ist. Da gibt es 1-minütige Tutorials zu “Alles über PR” bis zu Webinaren, in denen man in nur 30 Minuten die Geheimnisse einer PR-Strategie erfahren kann und Facebook-Gruppen, in denen die Mitglieder einander in Fragen rund um Pressearbeit helfen. All diese Angebote richten sich an Laien in der PR und sind zum Teil auch von sehr guter Qualität. Sie suggerieren jedoch teilweise, dass PR ein Kinderspiel ist, das jeder nebenbei machen kann.

 

PR ist keine Raketenwissenschaft…

Meine Antwort: Man muss nicht PR studiert haben, um einem Journalisten eine Story zu verkaufen. PR ist keine Raketenwissenschaft! Ich glaube durchaus, dass sich auch Laien das Wissen aneignen können, eine simple Strategie für die eigene Pressearbeit zu entwerfen. Denn darum geht es vielen jungen Unternehmen: nur um die Pressearbeit. Wer das auf sich nehmen will, muss sich dann eben die Zeit nehmen und sich damit auseinandersetzen, wie er sich positionieren will, wer seine Dialoggruppen sind, welche Kommunikationsziele er verfolgt, welche Medien für ihn in Frage kommen, wie er an Journalisten kommt usw. Möglich ist das auch für Laien, die kein Budget für professionelle PR-Beratung haben, keine Frage.

 

Allerdings sind die Möglichkeiten dann auch wieder begrenzt. Es stellt sich die Frage: War das eine gute Strategie, die ich mir da selbst entwickelt habe? Habe ich nicht vielleicht Medien übersehen, die noch besser zu meinem Unternehmen passen? Was tu ich, wenn ich kritische Anfragen von Medien bekomme, bin ich darauf auch vorbereitet? Kommt der von mir selbst verfasste Pressetext bei Journalisten gut an, oder schade ich mir womöglich sogar damit? Wie promote ich mich überhaupt selbst ohne den objektiven Blick von außen? Gerade das fällt vielen Unternehmern besonders schwer. Und: Muss ich gar am Ende zu einem erfahrenen PR-Profi laufen, der mir die Kastanien aus dem Feuer holt?

 

… braucht aber spezifisches Know How und Ausdauer

Hinzu kommt, dass PR eine langfristige Maßnahme sein sollte. Wie schon der Name sagt, geht es bei Public Relations darum, Beziehungen zu verschiedenen relevanten Teilöffentlichkeiten aufzubauen und diese zu pflegen. Darüber kann man sich langfristig ein Image schaffen. Das geht nicht von heute auf morgen mit einer einmaligen Aktion, so wie im Marketing oder in der Werbung. Die Kosten von PR sind außerdem zwar geringer als Kosten für Marketing und Werbung, dafür muss man aber mehr Zeit, Empathie für Journalisten und ich behaupte auch mehr Hirnschmalz investieren. Wenn wir beim Beispiel Pressearbeit bleiben, dann ist es durchaus normal, dass man sich einige Abfuhren von Journalisten einhandelt, bis man eine Story wirklich “verkauft” hat. Damit rechnet auch jeder vernünftige PR-Berater. PR verlangt eben eine gewisse Hartnäckigkeit – schnelle Erfolge gibt’s selten. Anpassungen in der Strategie und neue Anläufe gehören einfach dazu.

Abgesehen davon, besteht PR aus so viel mehr, als nur Pressearbeit. PR kennt so vielfältige Spielwiesen wie interne Mitarbeiterkommunikation, Unternehmenskommunikation, Online-PR und Social Media Kommunikation, Krisenkommunikation, CSR, Sponsoring, Corporate Identity, Personality PR, Lobbying, Corporate Publishing, Event PR, Blogger Relations und und und.  

 

Meine Antwort an Laien in der PR ist daher: Wer viel Zeit und Liebe für PR hat, der möge es ruhig selbst ausprobieren. Dann bekommt er zumindest ein Gefühl für die Arbeit von PR-Leuten und kann in einem späteren Gespräch mit einem Profi besser seine Wünsche argumentieren. 😉

 

Wie argumentierst du gegenüber PR-Laien den Wert unserer Arbeit? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen.

  

PR Raketenwissenschaft

 

 

Foto: Kaboompics.com 

 

 

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