Der Pressecorner des Grauens – Wie man es besser nicht macht

Wenn ich im Internet surfe, schau ich mir immer, ja wirklich immer auch den Pressecorner der entsprechenden Unternehmenswebsites an. Das ist wohl eine Berufskrankheit und geht vermutlich vielen PR-Leuten so. Im Laufe der Jahre hab ich dabei festgestellt, dass die meisten Pressecorner immer professioneller, besser geworden sind. Leider hat es sich jedoch noch nicht überall herumgesprochen, dass ein Pressecorner ein wichtiges PR-Instrument ist. Journalisten greifen gerne selbständig darauf zu und ein gut gemachter Pressecorner kann ihnen die Arbeit sehr erleichtern. Und gerade heutzutage, wo sowieso alle ihre Infos aus dem Web ziehen, ist ein schlechter Pressecorner wirklich eine ungenutzte Chance.

 

Hier sind meine Lowlights:

 

Gar kein Pressecorner

Ja, das gibts tatsächlich auch noch im Jahr 2017. Unternehmen, die auf ihre Webpräsenz alle möglichen Infos draufpacken, aber nicht dran denken einen Pressecorner einzurichten. Das ist wie ein Haus ohne Fenster – ein Schildbürgerstreich!

 

Passwortschutz

Stellt euch vor, ein Redakteur möchte ganz rasch über euer Unternehmen schreiben. Er sucht natürlich im Internet, freut sich schon, dass er den Pressecorner gefunden hat. Und dann das: Er steht vor verschlossenen Türen und müsste sich erst mühsam registrieren. Den Presse-Ansprechpartner erreicht er vielleicht auf die Schnelle am Telefon auch nicht und er hat keine Zeit noch länger zu warten, eine Deadline sitzt ihm im Nacken. Vermutlich gibt er jetzt auf und kübelt die Story – Pech gehabt! Von einem passwortgeschützen Pressecorner rate ich daher dringend ab. Eine Presseinformation ist ja schließlich dazu gedacht, gefunden und genutzt zu werden. Eine Ausnahme sehe ich bei Presseinformationen für Fachmedien, die nicht an Laien gehen sollen. So gibt es beispielsweise strengere Richtlinien für die Pharmakommunikation. Wenn Passwortschutz also doch sein muss, sollte das Passwort automatisiert geliefert werden, damit es schnell geht.

 

Kein Ansprechpartner

Das “liebe” ich auch: Wenn weder im Pressecorner selbst, noch in den Pressetexten ein Kontakt angeführt wird. Das ist nicht sehr serviceorientiert! Soll sich der unter Zeitdruck stehende Journalist mühsam durchtelefonieren, bis er an den richtigen Ansprechpartner gelangt? Besonders sympathisch finde ich es jedoch, wenn im Pressecorner auch ein Foto des Pressesprechers zu finden ist. Besteht die Pressestelle aus mehreren Personen mit unterschiedlichen Aufgabenfeldern, sollten diese ebenfalls im Pressecorner aufgelistet sein.

 

Pressecorner mit Pressespiegel verwechselt

Das sieht man häufiger bei kleineren Unternehmen oder EPUs: Ein Pressebereich, der ausschließlich aus den schönsten Clippings besteht. Das ist – mit Verlaub – kein Pressecorner, sondern eine Selbstbeweihräucherung. Außerdem ist das rechtlich bedenklich, denn ich darf nicht einfach Zeitungsausschnitte ins Internet stellen, sondern müsste mir die Freigabe des Urhebers einholen. Dazu fragt man am besten seinen Medienbeobachtungsdienstleister.

 

Kein Downloadbereich

Ein guter Pressebereich bietet Journalisten einen tollen Service an, und dazu zählen eben auch verwertbares Fotomaterial, Logos, Grafiken, die Unternehmensgeschichte, Factsheets, Hintergrundinfos, Organigramme, die Basis-Pressemappe, Audio- und Videodateien, Publikationen wie Geschäftsberichte, Jahresberichte, Broschüren usw. Ein Nachhaltigkeitsbericht ist übrigens seit diesem Jahr Pflicht für Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern, die im öffentlichen Interesse stehen (siehe auch diesen Artikel aus dem Extrajournal). Der Journalist wird es euch danken und wieder kommen!

 

Schlecht aufbereitetes Fotomaterial

Fotomaterial sollte selbstverständlich in ausreichender Bildqualität angeboten werden und Bildtexte und Copyright-Infos aufweisen. Idealerweise bietet man Bilder in 300dpi (für den Druck) und 72 dpi (Web) an. Bilder vom Vorstand oder der Geschäftsführung sollten in mehreren Varianten daherkommen, im Hoch- und Querformat, mal ernst, mal lachend – aber übertreibt es nicht! Journalisten werden sich auch über Produktfotos, Unternehmensbilder und noch mehr über allgemeine Bilder, die sie in dem Zusammenhang verwenden können, freuen. Natürlich sollten die Fotos zum honorarfreien Abdruck angeboten werden, spart euch aber Satzerl wie “Wir bitten um ein Belegexemplar.” Das ist weder zeitgemäß noch serviceorientiert!

 

Kein Archiv der Pressemitteilungen

Auch ältere Nachrichten können für Journalisten interessant sein, und sei es als Hintergrundinformation oder um eine Entwicklung einschätzen zu können. Auf ein Archiv zu verzichten ist daher ebenso eine vergeudete Chance. Wichtig ist dabei auch, Presseinformationen mit dem Veröffentlichungsdatum zu versehen. Ansonsten sind sie wertlos, weil sie nicht wirklich einordbar sind. Man fragt sich, ob die Informationen darin aktuell oder vielleicht sogar schon fünf Jahre alt sind. Ein seriös arbeitender Journalist wird nichts damit anfangen können.

 

Keine Suchfunktion

Wir alle wissen: Wer nicht suchen kann, kann nichts finden!

 

Keine Social Links

Seine Social Media Präsenzen zu verlinken oder einen eigenen Social Media Newsroom zu betreiben, gehört heute selbstverständlich dazu. Auch Journalisten stöbern gerne auf Social Media. Ein Corporate Blog ist ebenfalls eine Bereicherung für jedes Unternehmen. Aber das ist ein anderes Thema, das ich ein anderes Mal aufgreifen werde.

 

Das waren meine Pressecorner-Lowlights. Seht ihr das auch so ähnlich? Was geht für euch gar nicht?

 

Foto: unsplash.com

Der Pressecorner des Grauens - Wie man es besser nicht macht

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  • Sehr informativ, danke! Sollte man eigentlich allen Einrichtungen mit Pressearbeit weiterleiten…

    Meine Top-No-gos sind:
    – Pressekontakt nicht vorhanden oder sehr schwer zu finden.
    – Nur ein Kontaktformular als Kontaktmöglichkeit.
    – Kein Pressesprecher namentlich angegeben.