Warum eine Pressemitteilung an Blogger nichts mit Blogger Relations zu tun hat

Bei manchen Kommunikationsabteilungen oder PR-Agenturen hat man das Gefühl, dass sie unter Blogger Relations verstehen, einfach auch Blogger in den Presseverteiler aufzunehmen. Aber das ist keine gute Idee. Diese Methode wird nämlich in den allermeisten Fällen nicht nur nichts bringen, sondern womöglich auch dem Urheber der Pressemitteilung einen Imageschaden zufügen. 

Auch ich bekomme für diesen Blog – einen Blog, der sich immerhin um PR und digitale Kommunikation dreht – immer wieder Presseaussendungen zugeschickt. Manchmal haben sie am Rande mit meinen Themen zu tun (zum Beispiel Eröffnung neuer Eventlocations oder Personalwechsel in Kommunikationsagenturen), meistens aber gar nichts. Ich muss gestehen, dass mich das fast immer ärgert, zumindest aber zum Schmunzeln bringt. Es zeigt doch, dass sich die Aussender der Pressemitteilung erstens überhaupt nicht mit meinem Blog beschäftigt haben, denn sonst wüssten sie, dass das jeweils nicht mein Thema ist. Und zweitens zeigt das, dass dem Aussender nicht ganz klar ist, wie man an Blogger herantritt und welche Art von Information oder Zusammenarbeit für sie in Frage kommt. Drittens kommt in meinem Fall auch noch die Metaebene dazu, dass ich regelmäßig über Blogger Relations und Influencer Marketing schreibe und immer wieder genau davon abrate, Pressemitteilungen an Blogger zu verschicken. Ergo haben sie weder meinen Blog gelesen, noch Blogger Relations an sich verstanden.

 

“Es nervt, wie bin ich nur auf dem Verteiler gelandet?!”

In einer (nicht repräsentativen) Umfrage in der Facebook-Gruppe “Österreichs Blogger*innen”, die ich letzte Woche durchgeführt habe, hat sich meine Vermutung auch bei Bloggern verschiedenster Branchen bestätigt: 30 Teilnehmer (also alle) wählten auf die Frage “Du bist Blogger und eine Pressemitteilung flattert in deine Mailbox – wie findest du das?” die Antwortoption “Es nervt, wie bin ich nur auf dem Verteiler gelandet?!”, keiner wählte die Option “Spannend, ich schreib darüber gleich auf meinem Blog!”. Teilnehmerin Dani Terbu fügte noch die Option “Es bringt nix, aber das wissen wir schon seit 2012…circa” hinzu, die ebenfalls von 24 Personen gewählt wurde. Stellt sich damit die Frage, warum das noch immer gängige Praxis ist, obwohl man es doch schon lange besser wissen müsste.

Wenn überhaupt eine Presseaussendung verschickt wird, so sollte sie wenigstens perfekt zu den Themen des Bloggers passen, was aber so gut wie nie vorkomme, meinte etwa Carolina Hubelnig, Bloggerin des bekannten Salzburg Blogs Gute Güte. Sie bekommt täglich 10 bis 12 Pressemitteilungen zugeschickt, von denen jedoch 99,5% keine Relevanz für sie haben. Der eine oder andere Blogger erhofft sich durch die zugesendete Presseinformation zumindest einen Kontakt zum aussendenden Unternehmen für eine eventuelle spätere Kooperation. Immerhin zwei Bloggerinnen meinten dann doch, dass sie bereits Presseaussendungen auf ihrem Blog verarbeitet hätten.

 

Genug gejammert, nun will ich erklären, warum Pressemitteilungen an Blogger nichts mit Blogger Relations zu tun haben.

 

Blogger sind keine Journalisten

Anders als journalistische Medien bzw. klassische Medien, die meist als Berichterstatter agieren, generieren Blogger ihre Inhalte aus sich heraus. Aus dem eigenen Interesse und der eigenen Leidenschaft. Sie betreiben ihr eigenes Medium und erstellen anderen, einzigartigen Content als in klassischen Medien. Sie sind nur sich selbst und natürlich ihren Lesern verpflichtet. Sie genießen eine hohe Glaubwürdigkeit bei ihren Lesern durch ihre authentischen und persönlichen Beiträge. Sie werden für ihren Content nicht bezahlt, erst im Rahmen von verschiedenen Unternehmenskooperationen oder durch eigene Produkte oder Dienstleistungen können sie sich ihren kostenlosen Content refinanzieren.

Möchte man gerne, dass ein Blogger einen Beitrag über das eigene Produkt oder Unternehmen verfasst, so gibt es im Grunde zwei Möglichkeiten: Ein individuelles, geniales Thema, zu dem der Blogger nicht nein sagen kann, weil es so gut zu seinem Blog passt und seine Leser brennend interessiert, oder eine bezahlte oder mit einem Gegengeschäft finanzierte Kooperation, bei der genau festgelegt ist, was der Inhalt und Umfang der Kooperation ist. Die meisten Blogger würden niemals eine Presseaussendung einfach abschreiben! Davon haben sie gar nichts, denn ihr Publikum ist an ihren persönlichen Zugängen interessiert und nicht an glatten Unternehmensinformationen. Eine Pressemitteilung abtippen untergräbt am Ende die Glaubwürdigkeit eines Bloggers.

 

Blogger Relations funktionieren anders als klassische PR

Bei Blogger Relations geht es nicht darum, möglichst viele Blogger mit derselben Presseaussendung zu belästigen, sondern eine persönliche Empfehlung des Bloggers zu erwirken. Weil Blogger normalerweise einen großen Einfluss auf ihre eigene Community haben, ist ihre Empfehlung so besonders wertvoll. Die jeweiligen Blog Leser folgen in der Regel dem Blogger, weil er sich mit seinen persönlichen Erfahrungen, Tipps und seinem Wissen einbringt. Genau das wollen sie lesen, nicht dieselbe Medieninformation, wie sie sie schon in normalen Medien (on- oder offline) lesen können.

Blogger wollen keine kostenlose Werbung für Unternehmen machen, schließlich sind sie keine Verkäufer. Stattdessen wollen sie guten, relevanten, originären Content für ihre Leser erstellen. Und das hat selten etwas mit einseitiger Information aus dem Mund eines Unternehmens zu tun, wie sie ja durch Pressemitteilungen daherkommen, sondern mit dem Kontext, den der Blogger dazu liefert. Mit ein Grund, weshalb Produkt Reviews, Erfahrungsberichte und Anwendungssituationen bei Blogger Relations so gut funktionieren. Der Blogger spinnt eine Story um die Marke, wendet das Produkt an oder zeigt den Lifestyle rund um eine Marke.

 

Die Presseaussendung ist ein Text für Journalisten, nicht für Blogger

Das Format Pressemitteilung wurde für Journalisten geschaffen und ist auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten. Es folgt einem bestimmten klassischen Aufbau und ist neutral verfasst. Journalisten haben gelernt, mit Presseaussendungen zu arbeiten, Blogger nicht. Ein Blogger kann daher selten etwas mit so einem Format wie einer aktuellen Pressemitteilung anfangen. Sie ist viel zu unspezifisch und allgemein für ihn. Basis-Presseinformationen, die Grundsatz-Infos über Marken und Unternehmen verbreiten, können dem Blogger jedoch sehr wohl eine Hilfe sein, wenn eine Kooperation vereinbart wurde.

Besonders schlimm finde ich übrigens auch aus eigener Erfahrung Pressemitteilungen an Blogger, die mit “Sehr geehrter Redakteur, sehr geehrte Redakteurin” beginnen. Bin ich eine Redakteurin? Nein? Hab ich auch einen Namen? Ja!

 

Wer also eine Pressemitteilung an die Blogger in seinem Medienverteiler schickt, hat also keineswegs Blogger Relations betrieben!

 

Eines haben Blogger Relations aber mit Pressearbeit gemeinsam: Blogger sollten wie Journalisten gut recherchiert werden, damit sie zum eigenen Thema und zur eigenen Marke passen. Beliebigkeit in der Auswahl bringt hier wie dort nichts. Beziehungen zu Bloggern sollten auch ebenso wie zu Journalisten langfristig aufgebaut werden. Ein Blogger möchte nicht als gesichtslose Nummer mit “Hallo Blogger” angeschrieben werden, vielmehr sollte man ihm zeigen, dass man sich mit seinen Inhalten wirklich befasst hat.

 

Man sollte auch nicht vergessen, dass Blogger oft sehr gut untereinander vernetzt sind. Ein Journalist, der eine unpassende Pressemitteilung erhält, wird diese meist gleich löschen. Der Blogger hingegen tauscht sich darüber im schlimmsten Fall unter seinesgleichen aus oder macht seinem Ärger auf seinem Blog Luft oder etwa auf einem Portal wie Zaubereffekt – Kooperationsanfragen aus der Hölle. Aus unprofessionellen Blogger Relations wird damit schnell ein Imageschaden.

 

Wie gehst du Blogger Relations an? Schreib mir gerne einen Kommentar!

 

Blogger Relations entstehen nicht aus Pressemitteilungen

 

 

 

Foto: Haute Stock

 

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  • Viel Wahres drin, wobei ich es ganz so absolut stehen lassen würde. Ich blogge zB. neben meiner Agwnturtätigkeit zum Thema Carsharing und brauche daher tatsächlich die Pressemeldungen der Hersteller um auf dem laufenden zu bleiben. Auch sollte eine Pressemeldung für den Redakteur heute genauso aussehen, wie beschrieben: ein geniales Thema an dem er nicht vorbeikommt. Anders bringen nämlich auch Pressemeldungen an Journalisten heute nichts mehr. Aber klar: Blogger Relations sind was Anderes, genau wie Public Relations mehr ist als Pressemeldungen versenden.

    • Lieber Thore,
      das sehe ich genauso wie du, dass es für den einen oder anderen Blogger durchaus auch passend sein kann, Pressemitteilungen zu nutzen, um Up-to-Date zu bleiben. Alleine ist es aber wohl zu wenig. Danke für deine Ergänzung!

      Liebe Grüße
      Sylvia