PR-Life: Was ich in über 10 Jahren in PR-Agenturen gelernt habe

Gleich vorweg: In PR-Agenturen kann man sehr viel lernen und für die weitere PR-Karriere mitnehmen. Meiner Meinung nach viel mehr als in Kommunikationsabteilungen von Unternehmen. Daher gibt’s heute eine Zusammenfassung meiner wichtigsten Erkenntnisse, die ich in mehr als zehn Jahren gewonnen habe. Ich selbst habe in vier PR-Agenturen unterschiedlicher Größe als fest angestellte Mitarbeiterin gearbeitet und als Freiberuflerin für zwei weitere Agenturen. Was ich hier beschreibe ist natürlich nur meine Meinung und Erfahrung, andere PR-Leute können das ganz anders sehen.

 

Auch die kleinen Dinge zählen

Jeder fängt mal klein an und so hab auch ich damals als PR-Assistentin in einer kleinen Wiener Agentur für Tourismus-PR begonnen. Und das ist auch gut so, denn ich finde jeder, der später als PR-Berater aufsteigen will und auch PR-Konzepte erstellt, sollte PR-Grundlagenarbeit kennen. Dazu zähle ich: Einen Presseverteiler erstellen und damit erste Journalistenkontakte knüpfen, Informationen über Redaktionen und ihre Themenpläne sammeln und damit die Medien besser kennenlernen, Pressemappen konvertieren, Mailings organisieren, Medienberichte sammeln und Clippingmappen gestalten, Recherche zu verschiedensten Themen, Erstellen von Präsentationen und vieles mehr. Das alles sollte man von der Pike auf lernen, den so erarbeitet man sich wertvolles Know How, auf das man später aufbauen kann. Das kann man sich in einer Agentur wirklich viel umfassender erarbeiten als in der Unternehmenskommunikation.

 

PR-Arbeit ist sehr vielfältig

Wenn man in einem Unternehmen in der Kommunikationsabteilung arbeitet, macht man in gewissem Sinne immer das Gleiche. So hab ich es auch selbst erlebt, als ich in der Unternehmenskommunikation eines multinationalen Life Sciences Konzern gearbeitet habe. Das kann sehr sehr spannend sein, weil man wirklich in die Tiefe geht – was ich persönlich sehr mag. Allerdings muss ich sagen, in einer PR-Agentur lernt man viel mehr, schon allein weil man es mit unterschiedlichen Branchen, Kunden und Aufgabenstellungen zu tun hat. Die Arbeit in einer Agentur ist sehr viel vielfältiger, abwechslungsreicher und herausfordernder, aber es zahlt sich aus, weil man in kurzer Zeit eine Menge lernt. Durch reichlich unterschiedliche Erfahrung erarbeitet man sich einen Wissenspool um diverse mögliche Herangehensweisen an PR-Aufgabenstellungen und kann aus diesem Erfahrungsschatz für zukünftige Projekte schöpfen.

 

Teamarbeit zahlt sich aus

Was ich an Agenturen so schön finde ist, dass Teamarbeit sehr gut funktionieren kann. Anders ginge es auch nicht. Da wird einmal für einen Pitch braingestormt und viele Köpfe erschaffen zusammen tolle Ideen, können aber auch besser durchdenken und abwägen, welche Probleme sich auftun könnten. Oder ein Projekt hat einen knappen zeitlichen Horizont, etwa wenn eine Pressekonferenz in sehr kurzer Zeit auf die Beine gestellt werden soll. Da helfen dann alle zusammen und ziehen an einem Strang. Agentur-Arbeit ist also was für Teamplayer. In der Konzernkommunikation kann es – muss aber nicht – deutlich individualistischerÄÄ zugehen. Viele Unternehmen geben ihren Mitarbeitern Ziele vor, die sie im Laufe des Jahres zu erreichen haben. Was dabei aber leider oft verloren geht, ist das Teamdenken, der Zusammenhalt, wenn jeder notgedrungen an die Erreichung der eigenen Ziele denkt. Grabenkämpfe und Mikropolitik können entstehen und letztendlich zulasten der Performance der Kommunikationsabteilung gehen.

 

Work-Life-Balance ist schwierig

Es ist kein Geheimnis, dass die Arbeit in einer PR-Agentur zumindest zeitweise sehr fordernd sein kann. Anfallende Abgabetermine und hoher Zeitdruck machen die Arbeit oft zur Belastungsprobe. Dazu kommt die Kundenberatung, die auch nicht immer ein Honigschlecken ist und manchmal Fingerspitzengefühl und Überzeugungskraft fordert . Überstunden und Wochenendarbeit sind normal. So kommt es, dass viele Agenturleute gestresst sind, bis hin zum Burnout. Ich will da nicht alle Agenturen über einen Kamm scheren, denn das Bewusstsein für ein mitarbeiterfreundliches Arbeitsumfeld, in dem eine ausgewogene Work-Life-Balance möglich ist, steigt. Dennoch kann man sagen, dass die PR-Arbeit in Unternehmen zum Großteil entspannter zugeht als in Agenturen.

 

Der Kunde ist König

Ihre Auftraggeber beziehungsweise ihre Kunden sind den PR-Agenturen sehr wichtig und werden daher sehr pfleglich behandelt. Meist arbeitet man sehr eng mit den PR-Verantwortlichen des Unternehmens, Marketingleuten oder Produktmanagern zusammen und sorgt sich um einen fortwährend guten Kontakt zu diesen. Schließlich will man seinem Kunden Arbeit abnehmen und das bestmögliche Ergebnis für ihn einfahren und letztendlich auch Geld verdienen und weitere Aufträge lukrieren. Als Mitarbeiter einer PR-Agentur ist man daher immer um seine Kunden bemüht. Jeder zufriedene Kunde hilft schlußendlich auch direkt oder indirekt mit, neue Kunden zu akquirieren. Sei es, weil er die Agentur persönlich weiterempfiehlt, oder weil man ein weiteres Referenzprojekt aufweisen kann, etwa auf der Agentur-Website.

 

PR nach State-of-the-Art

Eine PR-Agentur lebt davon, das sie ihren Kunden PR-Arbeit auf dem neuesten Stand anbieten kann und nicht veraltete PR-Techniken oder ungepflegte JournalistenkontakteÄÄ bereithält. Daher bilden sich Agenturleute laufend weiter, halten sich bezüglich Neuerungen immer auf dem letzten Stand und können somit dieses Know How auch ihren Kunden anbieten. Als Mitarbeiter einer Agentur zu arbeiten bedeutet somit auch, von diesem Wissenszuwachs zu profitieren und sich selbst ein reichhaltiges Know How nach State-of-the-Art zu erlernen und zu erarbeiten. Bei der Arbeit in der Unternehmenskommunikation läuft man hingegen Gefahr, immer in der eigenen Suppe zu kochen. Frischer Wind und der Blick von Außen täte manch einem Unternehmen aber sehr gut.

 

Networking

Wenn man in einer PR-Agentur arbeitet, kann man sich ein großes Netzwerk aufbauen, weil man mit wirklich vielen Leuten zu tun hat: Da sind zum einen die eigenen – unter Umständen oft wechselnden – Kollegen, die PR-Kollegen aus den Unternehmen, die man zum Kunden hat oder Journalisten aus unterschiedlichen Branchen. Für PR-Leute gibt’s auch diverse Branchenveranstaltungen, Events, Preisverleihungen usw., die es auch erleichtern, mit Branchenkollegen in Kontakt zu kommen und neue Netzwerke aufzubauen. Kontakte knüpfen ist für PR-Leute sehr wichtig und man kann nicht früh genug damit anfangen. Wer in einer Agentur arbeitet, tut sich mit dem Networking meist leichter als die Kollegen in Unternehmen.

 

Das waren meine Learnings aus der Agenturarbeit, wie gesagt sehr subjektiv. Summa summarum kann ich sagen, dass ich im Agenturleben sehr viel gelernt habe, dass es aber auch sehr fordernd ist.

Schreibt mir doch in den Kommentaren, wenn ihr es ähnlich seht, oder auch wenn ihr eine ganz andere Sichtweise habt.

 

 

Foto: Unsplash.com

 

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