Was ist ein Storyteller-in-Chief?

Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass die US-Schauspielerin Reese Witherspoon neuer “Storyteller-in-Chief” der Kosmetikmarke Elizabeth Arden wird. Klingt ja toll, sie ist dann eine Chef-Geschichtenerzählerin – oder so. Tatsächlich ist sie fortan in die Kommunikation der Marke eingebunden. Ich war neugierig und hab ein bisschen nachspioniert, was ein Storyteller-in-Chief eigentlich sein soll und was bei Elizabeth Arden am Laufen ist.

 

Was ist ein Storyteller-in-Chief?

Der Begriff “Storyteller-in-Chief” scheint in der englischsprachigen Welt schon seit mehreren Jahren verwendet zu werden, dürfte aber dennoch nicht zum gängigen PR-Vokabular gehören. So wurde etwa 2015 am econsultancy-Blog der Frage nachgegangen, “was zur Hölle” ein Storyteller-in-Chief sein soll. Ausgangspunkt der Überlegungen dort war, dass der Autor des Blogposts, Jack Simpson, beobachten konnte, dass in Job-Anzeigen immer wieder “Chief Storyteller” gesucht werden. Dabei geht es demnach um Marketingleute, die die “richtigen” Botschaften an die Öffentlichkeit kommunizieren und dabei die Geschichte des Unternehmens erzählen. Oftmals wird dabei jemand mit einem journalistischen Hintergrund gesucht.

Ein Chef-Storyteller, so resümiert Simpson, ist dann wohl jemand, der dazu engagiert wurde, klare Erzählungen rund um konkrete Botschaften, die ein Unternehmen verbreiten will, konstruiert und das extern oder intern. Der Blogautor befürchtet noch, Unternehmen könnten auf den Zug aufspringen und jeden Marketing, PR oder Communications-Manager auf Senior-Level zu einem “Storyteller-in-Chief” ernennen. Jedenfalls im deutschsprachigen Raum scheint dieser Trend noch nicht angekommen zu sein, oder kennt ihr Chef-Storyteller?

 

Storytelling nutzt die Macht der Geschichten

Storytelling an sich wird bekanntlich schon länger in Kommunikation, Marketing und PR eingesetzt, um trockene Informationen spannender zu erzählen. Mittels Social Media haben sich weitere Plattformen für das Storytelling entwickelt. Geschichten weisen viele wertvolle Eigenschaften für die Kommunikation auf, so wecken sie etwa Emotionen, unterhalten, inspirieren und bleiben dazu länger im Gedächtnis als einfache Informationen. Außerdem können sie weitererzählt werden und bringen Menschen dazu, sich mit einer Marke zu beschäftigen. Eine gute Story bietet den Rezipienten einen Mehrwert, den werbliche Inhalte nicht bieten können.

In der digitalen Kommunikation mit ihrem Fokus auf visuelle Kommunikation und Text-Verknappung geht es auch darum, mit nur wenigen Worten, Überschriften oder Bildunterschriften sowie den richtigen Schlüsselbegriffen Geschichten zu erzählen und Bildwelten in den Köpfen der Rezipienten zu beschwören. Mehr zum Thema Storytelling in der Social-Media-Kommunikation könnt ihr zum Beispiel auf dem Social Hub Blog oder in diesem Interview mit PR-Doktor Kerstin Hoffmann nachlesen.

 

Reese Witherspoon: Storyteller-in-Chief…

Wie schaut das nun mit Reese Witherspoon und Elizabeth Arden aus? Laut Presseaussendung des Kosmetikherstellers wird die Schauspielerin in dieser “facettenreichen Rolle” die Marke durch Werbekampagnen und Marketingprogramme stärken, wobei der Fokus eindeutig auf digitaler Kommunikation liegen soll. Reese Witherspoon im O-Ton:

“Ich freue mich als kreativer Partner mit dem Elizabeth Arden Team zu arbeiten und Inhalte zu produzieren, die den Spirit der Marke widerspiegeln. Der Fokus liegt auf Geschichten, die Frauen interessieren und die ihre echten Lebenserfahrungen schildern.”

Geplant ist offenbar die gemeinsame Kreation von Content, die sowohl auf den Social Media Plattformen der Oscar-Preisträgerin, als auch der Kosmetikmarke ausgespielt wird. Außerdem soll Reese Witherspoon Elizabeth Arden in allen Multimedia-Kampagnen vertreten, einschließlich digitaler Medien, In-Store und Sozialen Netzwerken. Das erste Beauty-Visual wurde im Mai in den USA veröffentlicht, die Kampagne wird im Laufe des Jahres 2017 international ausgerollt.

 

… oder doch “nur” gute Influencer Relations?

Der Hollywood-Star ist zwar vielseitig begabt und auch Unternehmerin und Gründerin der Produktionsfirma “Hello Sunshine” und des südamerikanischen Lifestyle- und Modelabels “Draper James”, dennoch ist sie keine Marketing- oder PR-Fachfrau, was laut der obenstehenden – zugegebenermaßen inoffiziellen – Definition eines Storyteller-in-Chiefs Grundlage des Jobs wäre. Somit drängt sich natürlich der Verdacht auf, dass man in diesem Fall eher von gut durchdachten Influencer Relations sprechen müsste. Dafür spricht auch das offizielle Statement von Elisabeth Arden zur Wahl der Schauspielerin:

“Witherspoon verkörpert die Ideale unserer Gründerin perfekt und ist immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Wie Elizabeth Arden zu ihrer Zeit, akzeptiert Witherspoon bestehende Standards nicht, sie setzt ihre eigenen und ist aus diesem Grunde die ideale Persönlichkeit, um die Marke Elizabeth Arden zu repräsentieren und mit unseren Konsumentinnen weltweit in Kontakt zu treten.”

Es dürfte also doch in erster Linie um die Persönlichkeit und die Reichweite von Reese Witherspoon als Top-Influencer und weniger um ihre kommunikativen Skills an sich gehen. Daher nehme ich an, dass mit dem klingenden Titel “Storyteller-in-Chief” die Zusammenarbeit zwischen dem Unternehmen Elizabeth Arden und Reese Witherspoon einfach selbst schon eine gute Story angestoßen werden soll. 

Aber lassen wir uns überraschen, welche Früchte diese Zusammenarbeit noch tragen wird und wie die Content-Co-Kreation gelingt. Ich bin jedenfalls sehr gespannt und werde das noch weiter beobachten.

 

 

Zum Weiterlesen:

Presseportal.de, Reese Witherspoon wird “Storyteller-in-Chief” bei der globalen Kosmetikmarke Elizabeth Arden

 

Foto: Reese Witherspoon, Copyright: obs/Elizabeth Arden GmbH

Was ist ein Storyteller-in-Chief

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