No Whitewash PR please! Gegen Schönfärberei und Kosmetik in der PR

Weißt du, was unterm Strich die wichtigste Aufgabe eines PR-Managers ist? Es ist die, für eine gute Reputation für das ihm anvertraute Unternehmen bzw. für die Marke in deren Auftrag er PR macht zu sorgen. PR-Arbeit ist die Arbeit am Image einer Marke, daran, wie die Öffentlichkeit und einzelne Dialoggruppen darüber denken und fühlen. Über PR-Maßnahmen soll die Marke immer wieder positiv ins Gedächtnis gerufen werden.

Nun, manche Unternehmen übertreiben es hier ein bisschen, sagen wir es einmal so. Es ist ja kein Geheimnis, dass man mit professioneller PR-Arbeit sehr auf das öffentliche Bild eines Unternehmens einwirken kann, denn genau dazu machen wir ja PR. Auch auf Unternehmen, die eigentlich nicht so zu den “Guten” gehören. Oder ziemlich viel Ärger am Hals haben, gelinde gesagt. Der PR-Manager kann das verstecken, kann tarnen und sogar an einem blütenreinen Bild des Unternehmens in der Öffentlichkeit arbeiten. Und das ist das, was ich meine, wenn ich von Whitewash PR spreche. Es ist keine ehrliche PR. Es ist unauthentische Kommunikation. Sie hält die Menschen zum Narren und spielt ihnen etwas vor.

Leider betrifft diese Thematik nicht nur multinationale Konzerne, wie man vielleicht meinen würde: Unternehmen jeder Größe können dieses Spiel spielen. Und da wundert sich noch jemand, dass wir PR-Leute hier und da einen schlechten Ruf genießen? Es ist die bittere Wahrheit, an der kein PR-Ethik-Kodex etwas ändern wird. Nicht, solange die Betroffenen PRler sogar die Frechheit haben, sich als Ratsmitglieder aufzustellen.

 

Haltung in der Kommunikation #kommunikationmithaltung

Du siehst schon: Das hier ist ein etwas anderer Blogpost. Es ist ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt, denn auch ich habe früher für Unternehmen gearbeitet, die PR ohne Haltung betrieben haben und möchte das nie wieder tun. Ich wollte schon länger einmal etwas über das Thema schreiben und so passt Meike Leopolds Blogparade Haltung in der Kommunikation: Fake oder echter Trend? gerade wie gerufen. Mit diesem Beitrag möchte ich meine Haltung #kommunikationmithaltung zeigen, ein bisschen ranten und von meiner eigenen Erfahrung berichten – ganz generisch natürlich…

 

Das ist Whitewash PR!

Aber was meine ich nun konkret? Hier sind ein paar allgemeine Beispiele, die ich persönlich schon erlebt habe oder wovon ich Zeuge geworden bin:

  • Ein Unternehmen, das laufend schwere Folgeerkrankungen, Todesfälle oder andere ernstzunehmende Probleme, für die es verantwortlich ist, vertuscht und das dann “Issue Management” nennt.
  • Ein Unternehmen, das das Verhalten der Mitarbeiter aufs Strengste durch seine Compliance Richtlinien maßregelt, bei den höheren Managementebenen jedoch ein Auge zudrückt.
  • Ein Unternehmen, das schweres Mobbing und sogar Bossing zulässt und sich als besonders “attraktiver” Arbeitgeber bezeichnet.
  • Ein Unternehmen, das sich als besonders familienfreundlich auszeichnen lässt, aber alles andere als das ist.
  • Ein Unternehmen, das die eigenen Mitarbeiter für blöd verkauft und ihnen nicht die Wahrheit über die Gefahr, die von den eigenen Produkten ausgeht, erzählt. (Stichwort “Mitarbeiterkommunikation”)
  • Ein Unternehmen, das sich ein Gütezeichen für seine PR-Arbeit kauft, äh verleihen lässt, und am Ende doch nur Vertuschungsarbeit betreibt.
  • Ein Unternehmen, das manipulierte Studien in Auftrag gibt und Opinion Leader für ihre “Meinung” bezahlt.
  • Ein Unternehmen, das selbst (Wissenschafts-)Preise auslobt und sich lustige PR-Aktionen überlegt, um von den wahren Themen im Unternehmen abzulenken.
  • Ein Unternehmen, das seinen PR-Mitarbeiter als Mitglied des PR-Ethik-Rats entsendet, um von der eigenen (nicht vorhandenen) PR Ethik abzulenken.
  • Ein Unternehmen, das CSR Maßnahmen (Corporate Social Responsibility) als reine Kosmetik sieht, um von problematischen Geschäftspraktiken oder Herstellungsbedingungen abzulenken. (Stichwort “Greenwashing”)
  • Ein Unternehmen, das tolle Networking-Events für PRler ausrichtet und dort die Wahrheit über seine PR-Taktiken verschleiert, sich nichtsdestotrotz gerade für die PR feiern lässt.
  • Ein Unternehmen, das…

 

Werte? Welche Werte?

All diese Beispiele haben eines gemeinsam: Die nach außen kommunizierten Werte stimmen absolut nicht mit den tatsächlichen (nicht) gelebten Werten überein und sind damit Farce. Bei Auszeichnungen und Zertifikaten bin ich persönlich daher mittlerweile schon besonders skeptisch geworden. Oft gibt es einen Grund, weshalb sich ein Unternehmen für viel Geld für etwas ein Zertifikat kauft und das hat oft etwas mit PR-Kosmetik zu tun. Da muss man dann genauer hinschauen. Irgendwann kommen dunkle PR-Praktiken meistens ohnehin ans Tageslicht. Wer denkt da nicht an eine bestimmte Automarke, hm? Oder an den einen oder anderen Pharmakonzern, Pflanzenschutzmittelhersteller, manche Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie oder Modekonzerne? Oder an ein soziales Netzwerk, das zuletzt einen Datenschutzskandal ein halbes Jahr lang vertuscht hat und in Folge nun eingestellt wird. Oder an Politik-PR, Spin Doctors und Lobbying…

 

Schönfärbereien dürfen in der PR keinen Platz haben! 

PR braucht Haltung! Natürlich versucht sich jedes Unternehmen im besten Licht zu zeigen und das ist ja auch legitim. Problematisch wird es dann, wenn die PR kritische Unternehmensbereiche oder Themen kaschiert, vertuscht oder sogar nach außen hin das Gegenteil der Wahrheit erzählt. Mit anderen Worten: lügt! Und hier schließt sich der Teufelskreis: Die so sehr angestrebte gute Reputation ist dann leider dahin. Wie sagt man so schön: “Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht und wenn er auch die Wahrheit spricht.”

 

Übrigens: Wie kann man sich erklären, dass PR-Manager sich für solche Praktiken hergeben? Macht, Status und Geld wäre meine Vermutung dazu.

 

Vielleicht hast du ja auch Erfahrungen mit Whitewash PR gemacht oder arbeitest für ein Unternehmen, das derartige Praktiken anwendet. Schreib mir gerne an office@prspionin.at, wenn du dich dazu austauschen willst. Außerdem möchte ich auch auf die anderen lesenswerten Beiträge der Blogparade hinweisen, die alle bei Meike Leopold verlinkt sind. Ich würde mich freuen, wenn über das Thema #kommunikationmithaltung stärker reflektiert wird!

 

PR sollte nicht lügen

 

 

 

Foto: Unsplash.com 

 

 

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