Wiener Zeitung – ein Lokalaugenschein

Vergangenen Montag lud der PRVA, Public Relations Verband Austria, zu einer Redaktionsführung bei der Wiener Zeitung. Ich mag ja solche Unternehmungen, weil sie einen Blick hinter die Kulissen ermöglichen: Wie wird beim jeweiligen Medium gearbeitet? Wie gehts dort zu? Was ist den Journalisten wichtig? usw. Bei der Wiener Zeitung im Media Quarter Marx im dritten Bezirk haben wir zwar nicht so viel von der Redaktion selbst gesehen, dafür aber sehr viel Interessantes von Wolfgang Renner erfahren. Er hat 2007 als Kommunikationsleiter für die Wiener Zeitung begonnen und ist heute Leiter der Wiener Zeitungsbusiness Akademie, die sich angewandte Medienkompetenz auf ihre Fahnen geheftet hat. Renner hat uns so einiges über die Zeitung erzählt, was wir noch nicht wussten und was ich in diesem Blogbeitrag gerne mit euch teilen möchte.

 

Älteste Tageszeitung der Welt

Das habt ihr vielleicht schon gewusst: Die Wiener Zeitung ist die älteste noch existierende Tageszeitung der Welt. 1703 wurde sie als “Wienerisches Diarium” unter Kaiser Leopold I gegründet. Laut Renner hatte der Kaiser zwei Dinge mit der Zeitung im Sinne: Klatsch vermeiden und wissen, wer gestorben ist. Der Arbeitstitel der Zeitung war demnach auch “Alles was ist”. Natürlich konnten sich damals nur wenige eine Zeitung leisten, dafür wurden Zeitungen an öffentlichen Orten vorgelesen. Im Todesjahr Maria Theresias, 1780, wurde die Zeitung dann in “Wiener Zeitung” umbenannt.

 

Eigentümer ist der Bund, Herausgeber der Bundeskanzler

Heute befindet sich die Zeitung zu 100 Prozent im Eigentum der Republik, Herausgeber ist somit offiziell auch der Bundeskanzler. Daher hat die Wiener Zeitung auch die Funktion, zentrale Veröffentlichungsplattform der Republik Österreich zu sein. Im “Amtsblatt zur Wiener Zeitung” werden etwa Stellen im öffentlichen Dienst ausgeschrieben oder Firmenbuchänderungen bekannt gemacht. Obwohl das Justizministerium Insolvenzen rechtsverbindlich ausschließlich im Internet veröffentlicht, druckt sie die Wiener Zeitung weiterhin freiwillig ab.

 

Herausforderung Digitalisierung

Wie viele klassische Medien beschäftigt sich auch die Wiener Zeitung mit dem brennenden Thema Digitalisierung: Wie schafft man Vertrauen in der heutigen Zeit der Digitalisierung? Wie erreicht und begeistert man die jungen Leser? Eine Antwort bietet der Claim “Zusammenhänge verstehen”, den die Zeitung unter anderem auch im Rahmen des Content Award der Wirtschaftsagentur Wien in 10-sekündigen Shorts von diversen Künstlern und Karikaturisten visualisieren lassen hat. Key Visual ist dabei stets das rote Quadrat.

 

Bücher statt Ressorts

Vor ca. fünf Jahren war die Wiener Zeitung die erste Zeitung, die im Sinne einer Modernisierung herkömmliche Ressortgrenzen aufgelöst hat. Was damals ein großer Sprung war und Veränderungen für die Redaktion mit sich brachte, kann sich heute kaum einer der rund 65 Redakteure anders vorstellen. Ressorts wurden durch die Bücher “Europa@Welt”, “Österreich”, “Wien”, sowie das “Feuilleton” ersetzt. Die Wiener Zeitung verfügt übrigens über eine eigene Online-Redaktion, wobei jedoch viele der Journalisten verschränkt für Print und Online arbeiten.

 

Redaktionsstatut der Wiener Zeitung

Seit rund drei Jahren hat die Wiener Zeitung ihr eigenes Redaktionsstatut, das die Zusammenarbeit zwischen Eigentümer, Herausgeber, Geschäftsführer, Chefredakteur und Redaktion regelt. Darin verpflichtet sich die Zeitung zu Unabhängigkeit, Objektivität und Wahrheitssuche in der Berichterstattung. Natürlich ist die Wiener Zeitung auch Mitglied des Österreichischen Presserats und haltet sich an die Regeln dessen Ehrenkodex.

 

Formate

Neben der Tageszeitung, die täglich von Dienstag bis Samstag erscheint, und dem Amtsblatt werden unter anderem auch das “Wiener Journal” (Wochenendbeilage), die TV-Zeitung “ProgrammPunkte”, das Magazin “Extra” (ausführliche Berichterstattung, jeden Samstag), die Beilage “Zeitreisen” (einmal im Monat) sowie die Website www.wienerzeitung.at bespielt. Die Wiener Zeitung ist außerdem Betreiber von Online-Plattformen für die Wirtschaft und die öffentliche Hand, etwa das bekannte HELP.gv.at. Weiters organisiert die Wiener Zeitung Veranstaltungen wie beispielsweise die „Alpbach Talks, Wissenschaft-Wirtschaft-Kultur“ mit dem Europäischen Forum Alpbach und die Reihe „future ethics, Diskursraum der offenen Gesellschaft“, mit der Diakonie Österreich.

 

Ein typischer Tagesablauf in der Wiener Zeitung

Uns hat auch noch interessiert, wie 24 Stunden in der Welt der Wiener Zeitung ablaufen. Leider darf ich hier nicht mit den Details an die Öffentlichkeit gehen, nur so viel: Da Team- und Redaktionskonferenzen wie bei den meisten Tageszeitungen am Vormittag stattfinden, wäre zwischen 8 und 10 Uhr eine gute Zeit für Wiener-Zeitungs-Journalisten, um an Pressekonferenzen teilzunehmen. Auch wissenswert für PR-Leute: Deadline für alle Unterlagen ist 16.30 Uhr. Unerwartete Ereignisse arbeitet dann noch der Spätdienst ein. 

 

Das war ein kurzer Überblick über Wissenswertes zur Wiener Zeitung. Ich möchte mich bei Wolfgang Renner für die spannenden Einblicke in die Welt der Wiener Zeitung bedanken und beim PRVA fürs Organisieren dieser Redaktionsführung.

 

 

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